Südtiroler Landwirt | 20.12.2018

„Ein Stück Geschichte gerettet“

Mit zwei Wettbewerben will die Initiative „Bauern[h]auszeichnung“ alte Bauernhäuser vor dem Abriss bewahren. Am 12. Dezember wurden am NOI-Techpark in Bozen die heurigen Gewinner bekannt gegeben: je zwei bei der „Ideenwerkstatt PLANEN“ bzw. beim „ITAS-Preis“. von Michael Deltedesco

Dafür, dass sie ihren Hof mustergültig saniert hat, bekommt unter anderem die Familie Ramoser vom Feirumhof am Ritten (im Bild) den ITAS-Preis zuerkannt.

Dafür, dass sie ihren Hof mustergültig saniert hat, bekommt unter anderem die Familie Ramoser vom Feirumhof am Ritten (im Bild) den ITAS-Preis zuerkannt.

Die beiden Wettbewerbe „Ideenwerkstatt PLANEN“ und „ITAS-Preis“ sollen Bauherren wie Architekten ermutigen, alte wertvolle Bauernhäuser zu sanieren und sie so zu erhalten – beim ersten Wettbewerb werden die besten Pläne für zukünftige Sanierungen ausgezeichnet, beim anderen bereits umgesetzte Projekte. Insgesamt wurden am 12. Dezember also vier bäuerliche Familien und deren Architekten für besonders wertvolle Projekte ausgezeichnet.

Bedeutsam für Kulturlandschaft
Zu diesem Anlass erklärte Leo Tiefenthaler, Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes: „Historische Bauernhöfe prägen wie kaum etwas anderes die heimische Kulturlandschaft. Sie vor dem Abriss zu bewahren bedeutet daher nicht nur, ein Stück bäuerliche Landes- und Familiengeschichte zu retten. Es bedeutet auch, diese einmalige Kulturlandschaft in Südtirol für Einheimische wie Gäste zu erhalten.“

Neues Leben in alten Mauern
Dafür brauche es ein gutes Miteinander, Überzeugung und eine Initiative wie die „Bauern[h]auszeichnung“, lobte Landesrat Richard Theiner. Sein Kollege Florian Mussner unterstrich die Bedeutung der Landesverwaltung als Partner der Initiative: „Alle zusammen sind gefordert, dafür zu sorgen, dass alte Bauernhöfe erhalten bleiben.“ Gleichzeitig gehe es darum, den alten Gemäuern neues Leben einzuhauchen und zu zeigen, dass auch in alten Häusern – wenn sie sinnvoll saniert sind – das Wohnen wieder attraktiv wird.

Einen wichtigen Anreiz zur Sanierung alter, wertvoller Bauernhöfe will die Initiative „Bauern[h]auszeichnung“ mit den zwei Wettbewerben „Ideenwerkstatt PLANEN“
und „ITAS-Preis“ geben. Ins Leben gerufen wurden sie vom Südtiroler Bauernbund, der Architekturstiftung Südtirol, dem ITAS-Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, IDM Südtirol, den Landesabteilungen für Denkmalpflege sowie Natur, Landschaft und Raumentwicklung und der Stiftung Südtiroler Sparkasse.

„Ideenwerkstatt PLANEN“
Bei der „Ideenwerkstatt PLANEN“ werden Architekten für den besten Ideenentwurf
für die zukünftige Sanierung typischer Südtiroler Bauernhöfe ausgezeichnet. Teilnahme-Voraussetzung ist, dass die Bauernhäuser mindestens 100 Jahre alt sind und zu einem Hof gehören, der bewirtschaftet wird. Zudem muss das Gebäude in ein bäuerliches Ensemble bzw. in einen stimmigen landschaftlichen und historischen Kontext eingebettet sein.

Auch heuer wurden zwei besonders schützenswerte Bauernhäuser ausgewählt. Die Wahl der Fachjury fiel auf den Mehrerleiterhof der Familie Kirchler in Ahornach/Sand in Taufers und den Thalhof der Familie Obkircher in Aldein.

Zehn Architekten haben in der Folge den Mehrerleiterhof besucht, 14 den Thalhof. Von diesen haben schließlich mehr als zehn Architekten ihre Vorschläge für eine zeitgemäße und maßgeschneiderte Sanierung der Höfe eingereicht.

Der beste Entwurf für die Sanierung des Mehrerleiterhofes stammt vom Brixner Architekten Christian Moser. Sein Vorschlag lässt viel Spielraum für zukünftige Nutzungen. Besonders die Lösung, die Wohnung für den Onkel ins Erdgeschoss zu legen, und die Einteilung der Hauptwohnung im Obergeschoss haben die Jury überzeugt. Sieger beim Thalhof sind die Architekten Jürgen Prosch und Felix Kasseroler aus Brixen, die besonders durch den sehr sensiblen Umgang mit dem Bestand gepunktet haben. Die Treppensituation wurde sehr gut gelöst. Die präzisen, bescheidenen Eingriffe in den Fassaden und in den Grundrissen lassen eine gute Detailplanung erwarten.

„ITAS-Preis“
Mit dem „ITAS-Preis“ werden hingegen bäuerliche Familien prämiert, die ihren Bauernhof bereits mustergültig energetisch saniert haben. ITAS-Vizepräsident Gerhart Gostner erklärte, dass ITAS „eng mit dem Land und den Menschen hier verbunden ist: Der ITAS-Preis ist unser Beitrag zum Erhalt historischer Bauernhäuser.“ In den letzten Jahren hat die Auszeichnung einen regen Zuspruch erfahren. „Besonders freut uns, dass die Qualität der Sanierungen gestiegen ist, auch dank sehr guter Architekten,“ sagte Gostner.

Sechs sanierte alte Bauernhäuser kamen in die nähere Auswahl der Jury. Die Wahl fiel dann auf folgende zwei bäuerliche Familien: Familie Bernhart vom Mairhof in Partschins und Familie Ramoser vom Feirumhof am Ritten.

Architekt Manuel Benedikter hat die historische Substanz des erstmals 1357 erwähnten Mairhofes mit zeitgenössischer architektonischer Qualität verbunden. So blieben die historischen Strukturen, Raumeinheiten und Ausstattungselemente wie das Kreuzgratgewölbe erhalten. Insgesamt wurden sieben Wohnungen unterschiedlichster Größen, ein Weinkeller und Arbeitsräume geschaffen.

Die Ideen für die Sanierung des Feirumhofes stammen von Architekt Stefan Gamper. Mit viel Gefühl hat er dem Wohnhaus einen Zubau angegliedert, der sich dem Bestand anpasst, jedoch auch als Neubau zu erkennen ist. Die Fassaden, das Kreuzgewölbe und die Stube wurden mustergültig saniert und die wertvolle Altbausubstanz mit zeitgenössischen Eingriffen kombiniert. Beide Siegerobjekte beweisen einmal mehr, dass die Umsetzung heutiger Wohnansprüche in historischen Gebäuden möglich ist.