Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 20.12.2018

Schöne Erfolge und neue Gegner

Auf ein Jahr mit vielen guten Momenten blicken die beiden Bauernbund-Landesobmann-Stellvertreter Bernhard Burger und Viktor Peintner zurück. Das Jahr 2018 brachte der Landwirtschaft aber auch neue Herausforderungen – und zwar in allen Bereichen. von Bernhard Christanell

Für alle Sektoren der heimischen Landwirtschaft gilt: Die Licht- und Schattenseiten haben sich insgesamt die Waage gehalten.

Für alle Sektoren der heimischen Landwirtschaft gilt: Die Licht- und Schattenseiten haben sich insgesamt die Waage gehalten.

Auch wenn die – ehrenamtliche wie hauptamtliche – Arbeit in einem Verband wie dem Südtiroler Bauernbund mit der Arbeit auf Wiese und Acker nur bis zu einem gewissen Punkt vergleichbar ist, gibt es doch eindeutige Parallelen: Wer am Ende des Jahres eine gute Ernte einfahren will, muss dafür hart, mit viel Leidenschaft und Fachkompetenz arbeiten.

Dennoch ist man nie vor neuen Gefahren sicher und muss sich laufend neuen Herausforderungen stellen. So lässt sich auch das Landwirtschaftsjahr 2018 aus der Sicht der beiden Landesobmann-Stellvertreter Bernhard Burger und Viktor Peintner zusammenfassen.

Wechselhafte Wetterbilanz
Beginnen wir beim Wetter und bei der Ernte: Für die Obst- und Weinbauern war es laut Bernhard Burger ein „im Großen und Ganzen gutes Jahr“. Im Frühjahr blieben die Anlagen von Spätfrostnächten großteils verschont, was – zusammen mit dem schönen und heißen Sommer – auf eine weitaus größere Apfelernte hoffen ließ als im vergangenen Jahr. Eine Erwartung, die sich angesichts der kürzlich veröffentlichen Zahlen zur Erntemenge aus nicht immer ersichtlichen Gründen nicht erfüllt hat.

Auch bei der Qualität müssen die Obstbauern Abstriche machen, zum Beispiel wegen Berostung bei der Sorte Golden Delicious. „Der heiße Sommer brachte teils heftige Unwetter mit Hagelschlägen in weiten Gebieten des Landes mit sich. In Gegenden wie dem Tschögglberg und dem Vinschger Sonnenberg gab es Probleme mit der Trockenheit“, blickt Burger zurück. Sehr zufrieden können die Weinbauern sein, sie können mit einer mengen- wie qualitätsmäßig guten Ernte rechnen.

Eher mäßig ist das Futterjahr im Grünland verlaufen, wie Viktor Peintner zu berichten weiß: „Der erste Schnitt hat sich wegen des Wetters immer wieder verzögert, am Ende war dann zwar die Menge groß, die Qualität aber nicht besonders gut. Der zweite Schnitt ist wegen der Trockenheit dann vielerorts so gut wie ausgefallen. Nur der dritte Schnitt war in jeder Hinsicht gut – allerdings ist der bekanntlich nicht überall möglich.“ Wegen der Trockenheit fiel auch die Kartoffelernte etwas geringer aus, dafür war die Qualität durchwegs gut. Ähnliches lässt sich über Rohnen und andere Gemüsekulturen sagen.

Zurückgegangen ist – auch wegen der ­mäßigen Futterqualität – die angelieferte Milchmenge. Zudem gab es wegen des verschmutzten Futters vermehrt Probleme mit dem Gehalt an Clostridien-Bakterien in der Milch – vor allem dort, wo ein Großteil der Milch zu Käse verarbeitet wird.

Die aktuelle Lage am Markt kann man am besten mit dem Begriff „wechselhaft“ beschreiben: „Am Obstmarkt müssen die heimischen Vermarkter zurzeit damit leben, dass andere Länder große Mengen an Ware auf den Markt werfen, die Preise sind daher zurzeit im Keller. Wir hoffen, dass sich das im Laufe der Vermarktungssaison bessert“, fasst Burger zusammen. Zufrieden können auch hier die Weinbauern sein.
Eine gute Bilanz können auch die Milchhöfe ziehen: „Wir hoffen, dass der Auszahlungspreis stabil bleibt, mit der Einführung des Flächenbezugs haben wir nun wieder ein Kriterium, durch das wir uns von anderen Regionen abheben können“, ist Peintner überzeugt. Recht gute Preise hat das ganze Jahr über das Zuchtvieh erzielt, mit den Preisen fürs Schlachtvieh ging es jedoch ab dem Herbst rapide abwärts.

Sorgen wegen Baumwanze und Windwurfschäden

Neben den täglichen Gedanken rund um Wetter und Märkte gibt es neue Themen, die an Brisanz gewinnen und den Bauern zunehmend Sorgen bereiten. Im Obst- und Weinbau ist es die Marmorierte Baumwanze, sie rückt von Süden kommend langsam vor und droht zu einem ernsthaften Problem zu werden. In den höheren Lagen waren es die enormen Windwurfschäden, die den Wald in einigen Gebieten des Landes großflächig zerstört haben und jetzt für einen Preisverfall am Holzmarkt sorgen. „Bei der Aufarbeitung der Schäden brauchen die Waldbesitzer unbedingt die Unterstützung von Politik und Forstverwaltung“, betont Peintner.

Auf politischer Ebene viel erreicht
Eine sehr gute „Erntebilanz“ kann der Südtiroler Bauernbund auf politischer Ebene ziehen. Zusätzlich zu den Bauernbund-Kandidaten Franz Locher, Maria Hochgruber Kuenzer und Josef Noggler sitzen noch weitere Abgeordnete mit klarem Landwirtschaftsbezug im neuen Landtag. Mit ein Grund, warum man als Bauernbund „mit dem Ergebnis zufrieden sein muss, denn wir sind so stark vertreten wie selten zuvor“. Viktor Peintner hofft darauf, dass sich „noch ein zweiter Landesratsposten für einen Vertreter der Landwirtschaft ausgeht“.

Ein großer Erfolg war aus Sicht des Bauernbundes das neue Raumordnungsgesetz, auch wenn viele Punkte erst noch im Detail geregelt werden müssen. Burger und Peintner sind sich einig: „Wenn das Raumordnungsgesetz jetzt so aussieht, dann haben wir das der Arbeit unserer Abgeordneten – vor allem aber dem unermüdlichen und kompetenten Einsatz unseres Direktors Siegfried Rinner zu verdanken.“
Auch beim neuen Höfegesetz wurden die Anliegen des Bauernbundes zum Großteil berücksichtigt. Viktor Peintner ist überzeugt: „Dieses Jahr hat eines gezeigt: Wenn ein Verband hart arbeitet und sich mit Fachkompetenz für die Anliegen seiner Mitglieder einsetzt, dann erreicht er auch etwas. Hinterher jammern bringt nichts.“

Wolf bleibt ein Problem
Stark eingesetzt hat sich der Bauernbund im zu Ende gehenden Jahr auch für ein Land, das frei von Großraubwild wie Wolf und Bär bleibt. Der Erfolg lässt aber noch auf sich warten. Peintner verspricht: „Wir werden uns weiter vehement dafür einsetzen, dass nicht nur Südtirol, sondern der gesamte Alpenraum wolffrei bleibt. Das Großraubwild hat hier keinen Lebensraum, Konflikte sind vorprogrammiert. Selbst anerkannte Experten in Sachen Herdenschutz geben mittlerweile zu, dass Konzepte, die anderswo vielleicht funktionieren, bei uns nicht umsetzbar sind.“ Eine Lösung im Sinne der Bauern sei aber nur möglich, wenn alle Länder im Alpenraum an einem Strang ziehen – allein könne Südtirol wenig ausrichten.

Kommunikation mit Gesellschaft weiter ausbauen
Weiterhin beschäftigen werden den Bauernbund auch die mittlerweile altbekannten Konfliktthemen wie Pflanzenschutz und Tierwohl. Bernhard Burger weiß: „Mit Fakten richtet man bei diesen emotional aufgeladenen Themen oft wenig aus. Uns bleibt nur die Möglichkeit, unsere Arbeit noch besser zu erklären und neue Wege hin zur nichtbäuerlichen Bevölkerung zu suchen.“

Und Viktor Peintner ergänzt: „Die größte Herausforderung der heutigen Zeit  ist es, den Menschen klarzumachen, dass wir Bauern nicht gegen, sondern in und mit der Natur arbeiten. Es ist unser ureigenstes Interesse als Bäuerinnen und Bauern, dass wir sorgsam mit unserem Grund und Boden und mit unseren Tieren umgehen – schließlich sind sie unser Kapital, von dem wir unsere Familien ernähren müssen.“