Innovation | 20.12.2018

Spitzenforschung made in Südtirol

Was bringt der NOI Techpark konkret für die Landwirtschaft und die Bauern? Dieser Frage sind kürzlich die Vertreter von Obst-, Wein- und Milchwirtschaft bei einem Besuch der Struktur nachgegangen. Der Bauernbund hat die Führung organisiert.

Ksenia Morozova in ihrem Element: Die Wissenschaftlerin erklärt ihre Arbeit.

Ksenia Morozova in ihrem Element: Die Wissenschaftlerin erklärt ihre Arbeit.

Momentan sind es 400 Menschen, die im NOI Techpark arbeiten, bis 2020 sollen es sogar 500 Menschen sein, die sich hier mit Forschung und Entwicklung neuer, innovativer Produkte beschäftigen – in den Büros und Labors, die bis dato von den Wissenschaftlern der Eurac, der Freien Universität Bozen, des Fraunhofer-Instituts und des Versuchszentrums Laimburg bespielt werden. Daneben gibt der NOI Techpark heute 34 Start-ups und 32 etablierten Firmen, die im technischen Bereich tätig sind, ein Zuhause.

Die Strategie, die mit dem NOI Techpark verfolgt wird, ist, „die Unternehmerwelt Südtirols eng mit der Forschung und der Lehre zu vernetzen“, wie Hubert Hofer, Direktor des Techparks der vom Südtiroler Bauernbund geladenen Gruppe erklärte. Vertreter aus allen Sparten der Landwirtschaft waren Mitte Dezember auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes hierher gekommen, um sich über die landwirtschaftlichen Forschungsfelder des neuen Technologieparks zu informieren: von der Milch- über die Obst- bis hin zur Weinwirtschaft.

Bisher nur teilweise verbaut
Das insgesamt zwölf Hektar große Areal, das in der Gewerbezone Bozen Süd einst das Aluminiumwerk Montecatini beherbergte, ist bislang nur zu einem Teil verbaut. Die ursprünglichen Industrie- und Verwaltungsgebäude sind im Jahr 1937 im Bauhausstil erbaut worden und blieben in ihrer Charakteristik erhalten. Die Hallen wurden aufwendig saniert, die Gebäude sind lichtdurchflutet und freundlich, an vielen Orten stehen einladende Sitzecken, an denen man sich zusammensetzen, gemeinsam arbeiten und diskutieren kann. Lediglich die Orientierung fällt (noch) etwas schwer, zumindest für diejenigen, die sich zum ersten Mal durch die Gänge und Stockwerke bewegen.

Innovationstreiber mit internationaler Sichtbarkeit
Die Ziele, die man sich mit diesem Technologiepark gesteckt hat, sind ambitioniert: „Wir wollen ein Ort der Spitzenforschung sein, Innovationstreiber mit internationaler Sichtbarkeit werden und Talente aus aller Welt anziehen“, brachte Hubert Hofer die Vision des NOI Techparks auf den Punkt. Die Tätigkeitsbereiche gliedern sich grob in grüne und alpine Technologien, Lebensmitteltechnologie, IT und Automation. Strukturell bieten die Gebäude nicht nur Räumlichkeiten für Labors und Produktentwicklung oder Bereiche, in denen Leute gemeinsam arbeiten können (sogenannte Coworking Places), sondern stellt auch Know-how zur Verfügung: So bieten die Mitarbeiter des Technologieparks auch kleinen und kleinsten Betrieben Beratung und helfen dabei, Informationen für konkrete Fragestellungen zu beschaffen.

Hubert Hofer übergab dann das Wort einigen Wissenschaftlern, die den Vertretern der Südtiroler Landwirtschaft ihre Forschungsarbeit vorstellten und einen Einblick in ihre Arbeitsplätze gaben.

Wie fördert Sauerkraut die Gesundheit?
Zunächst Andrea Polo, der für die Forschungsplattform Micro4Food unter der Leitung von Marco Gobbetti im Bereich der ­Lebensmittelmikrobiologie arbeitet. Man beschäftigt sich hier beispielsweise mit der Produktion von Backwaren und glutenfreien Lebensmitteln (zum Beispiel aus Leguminosen), mit der Entwicklung von gesundheitsfördernden Milchprodukten oder mit der Fermentation von Obst und Gemüse. So wird gerade mit einem Produzenten aus dem Vinsch­gau untersucht, welche Prozesse in der Verdauung ablaufen, wenn Sauerkraut gegessen wird. Denn dass Sauerkraut gesund ist, ist zwar allseits bekannt, welche Prozesse dabei im Verdauungstrakt ablaufen und wie diese den Organismus positiv beeinflussen, ist bislang noch nicht wissenschaftlich geklärt.Für diese Untersuchung kommt ein sogenannter „Twin-SHIME“ zum Einsatz, ein durch mehrere hintereinander geschaltete Bioreaktoren simulierter Verdauungstrakt.

Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeit
Ksenia Morozova arbeitet seit 2014 für die Freie Universität Bozen. Heute ist der Arbeitsplatz der russischen Wissenschaftlerin der NOI Techpark, wo sie unter der Leitung von Matteo Scampicchio im Labor für Lebensmitteltechnologie Forschung betreibt: Dabei wird eng mit der Wirtschaft zusammengearbeitet, beispielsweise mit dem Sennereiverband oder auch mit Dr. Schär. Es geht um Verfahren zur schnellen Gewinnung von Extrakten, zur Qualitätskontrolle und um Methoden zur Rückverfolgbarkeit. Besonders stolz ist die Wissenschaftlerin auf spezielle Apparaturen wie sogenannte „elektronische Zungen“ und „elektronische Nasen“, die für Analysen herangezogen werden können.

Über primäre Analyse hinaus
Im Labor für Aromen und Metaboliten des Versuchszentrums Laimburg führt Peter Robatscher die Forschergruppe. Nicht nur aus Platzgründen hat man dieses Labor aus dem Versuchszentrum ausgegliedert. „Wir arbeiten eng mit der Uni Bozen zusammen und sollen direkter Ansprechpartner für Unternehmen sein“, erklärt Robatscher die Entscheidung.

Im ersten Abschnitt des Labors werden flüchtige Verbindungen durch Gaschromatografie ­nachgewiesen, im zweiten eruiert man mit Flüssigkeitschromatografie beispielsweise Vitamingehalte und im dritten Bereich befindet sich das präparative Labor, wo Extrakte aus Äpfeln und Weinen hergestellt werden, um sie später zu analysieren. „Alles, was über die primäre Analyse an Inhaltsstoffen in Lebensmitteln hinausgeht, ist unser Forschungsbereich“, fasste Peter Robatscher kurz zusammen.

Laborküche ab April in Betrieb
Wer aus landwirtschaftlichen Produkten einen Prototyp herstellen oder einer bestimmten Frage im Produktionsprozess nachgehen will oder aber einen Verarbeitungsraum braucht, der ist im NOI Kitchen Lab richtig. Unter der Leitung von Ben Schneider wird die Laborküche ab April 2019 betrieben und kann mitsamt Gerätschaften und – falls gewünscht – Experten angemietet werden.

Schneider gab der Gruppe einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, die sich mit dieser Laborküche für bäuerliche Direktvermarkter oder andere Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte nutzen lässt. Gemeinsam mit der Abteilung Innovation & Engergie im Südtiroler Bauernbund und der Bauernbund-Weiterbildung wurde bereits ein Workshop zum Thema „Pesto“ organisiert: Sternekoch Egon Heiss konnte dafür gewonnen werden.

Wie der Workshop zum Thema „Pesto“ verlaufen ist, können Sie in der Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“ vom 21.12.2018 nachlesen.