Bauernbund | 16.01.2019

Unterland setzt auf Beständigkeit

Der alte und neue Bezirksobmann des Südtiroler Bauernbundes Unterland heißt Reinhard Dissertori. Neben den Wahlen war die Bezirksversammlung in Neumarkt geprägt von einem schwierigen Landwirtschaftsjahr 2018 und einer Superwahlphase, die noch kein Ende hat. von Renate Anna Rubner

Der neue Bezirksbauernrat des Unterlandes mit altem und neuem Obmann Reinhard Dissertori (3.v.l.)

Der neue Bezirksbauernrat des Unterlandes mit altem und neuem Obmann Reinhard Dissertori (3.v.l.)

Der Bezirksbauernrat des Unterlandes war im abgelaufenen Jahr nicht nur mit rein landwirtschaftlichen Themen konfrontiert: Neben den schwierigen Witterungsbedingungen, die den Bauern teils erhebliche Probleme bereiten, standen die Zulaufstrecken für den Brennerbasistunnel (BBT), die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Themen Großraubwild und Pflanzenschutz, die Ausweisung von Wildruhezonen im Naturpark Trudner Horn oder der Bauernhofsonntag auf dem Programm der Sitzungen. Auch das Thema Flughafen sei noch immer nicht abgeschlossen, wie Reinhard Dissertori in seinem kurzen Rückblick auf das Jahr 2018 anprangerte. „Vor den Landtagswahlen hat Landeshauptmann Kompatscher versprochen, sich an das Ergebnis der Volksbefragung zu halten. Nun wird das Ganze wieder von Neuem aufgerollt“, schimpfte er bei der Bezirksversammlung der Unterlandler Bauernbund-Funktionäre im Haus Unterland in Neumarkt.
Einen gewichtigen Teil des vergangenen Jahres haben Wahlen – vielmehr deren Vorbereitung – eingenommen: zunächst die Basiswahlen des Südtiroler Bauernbundes und dann die Landtagswahl. Auch die sei nun geschlagen, mit einem guten Ergebnis für die Landwirtschaft. Reinhard Dissertori sprach aber auch an, welch herber Verlust das Ausscheiden von Oswald Schiefer sei, und bedankte sich bei ihm für die Zusammenarbeit. Schiefer wiederum versprach weiterhin ein offenes Ohr für landwirtschaftliche Belange.

Landwirtschaft gut vertreten
Auf die geschlagenen und noch zu bewältigenden Wahlen kam Landesobmann Leo Tiefenthaler zu sprechen: „Wir als Landwirtschaft sind im Südtiroler Landtag im Verhältnis zur Bevölkerung überproportional repräsentiert“, meinte er, das sei erfreulich. Als Bauernbund habe man auch deutlich klar gemacht, dass man sich neben einem Landesrat Arnold Schuler noch ein weiteres Mitglied in der neuen Landesregierung wünsche.

Für das laufende Jahr sei nun zunächst die Wahl des Europaparlamentes ein wichtiger Meilenstein. Tiefenthaler appellierte an die Anwesenden, ihre Mitglieder dahingehend zu motivieren, wählen zu gehen. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Südtirol einen Europaparlamentarier hat“, mahnte Tiefenthaler und rief zu Geschlossenheit auf. Die politische Arbeit in Brüssel sei wichtig, nicht nur in Anbetracht von Förderungen. Tiefenthaler erzählte in diesem Zusammenhang, dass die Verhandlungen zur nächsten Förderperiode der EU bereits auf Hochtouren laufen: „Mit dem Brexit kommen der Europäischen Union 12 Milliarden Euro abhanden, dieses Minus wird auch in der Landwirtschaft spürbar werden!“, sagte er. Als weitere Zukunftsthemen nannte der Landesobmann die Durchführungsbestimmungen zum neuen Gesetz Raum und Landschaft oder die Wasserverfügbarkeit.

Schuler hält Rückschau
Landesrat Arnold Schuler hielt einen Rückblick auf die letzte Legislaturperiode, die er erstmals als Landesrat für Land- und Forstwirtschaft mitgestalten durfte. Es sei ihm eine große Ehre gewesen, diese Ressorts zu übernehmen: „Diese fünf Jahre waren sehr spannend, die Themen sehr vielseitig.“ Als prägende Stationen nannte er die abschließenden Verhandlungen zur aktuellen EU-Förderperiode, die Wetterkapriolen und deren wirtschaftliche Auswirkungen auf die Südtiroler Bauern, Wasserverknappung angesichts des Klimawandels, der Mangel an Arbeitskräften, die teils schwierigen Marktverhältnisse und nicht zuletzt die Diskussionen zu Großraubwild und Pflanzenschutz. „Solange die Supermarktregale voll sind, bleibt die skeptische Stimmung gegenüber der Landwirtschaft und den Bauern“, sagte der Landesrat. Aus der Defensive heraus sei es schwer zu argumentieren.

Der neue Bezirksbauernrat
Ohne Überraschungen lief die Wahl des Bezirksbauernrates Unterland ab: Als Obmann wurde Reinhard Dissertori bestätigt, seine Stellvertreter sind Markus Franzelin und Hubert Zanotti. Weiters gehören Armin Widmann, Thomas Pfitscher, Urban Glöggl, Johann Adami, Walther Gschnell und Harald Mattivi dem Bezirksbauernrat an, Stefan Ceolan, Robert Gurndin und Egon Zemmer wurden kooptiert. Bis zu den Neuwahlen der Südtiroler Bauernjugend wird Josef Amort im Bezirksbauernrat Mitglied  sein und dann seinem Nachfolger Platz machen, weil er nicht mehr für das Amt zur Verfügung steht. Bleiben werden aber Maria Theresia Jageregger für die Bäuerinnen und Johann

Weissensteiner für die Seniorenvereinigung.
Der neue Bezirksbauernrat sprach eine Empfehlung für die Neuwahlen der Bauernbund-Landesleitung aus und nannte als Vorschläge für die Landesobmann-Stellvertreter Bernhard Burger, Bezirksobmann Meran und bereits Stellvertreter des Landesobmanns, und Daniel Gasser, neuer Bezirksobmann des Eisacktals. Als Landesobmann wird Leo Tiefenthaler unterstützt.