Arbeitsberatung, Sozialberatung, Steuerberatung, Südtiroler Landwirt | 17.01.2019

Bilanzgesetz: Was sich 2019 ändert

Kurz vor Jahreswechsel wurde in Rom das italienische Bilanzgesetz 2019 verabschiedet. Lesen Sie hier, welche Punkte auch für die Landwirtschaft in Südtirol wichtig sind.

Wie jedes Jahr enthält das italienische Bilanzgesetz auch für 2019 verschiedene Punkte, die sich auf die Landwirtschaft auswirken. Sie betreffen vor allem die Bereiche Steuern, Arbeitsrecht und Soziales. Die zuständigen Bauernbund-Berater geben hier einen kurzen Überblick über die wichtigsten Themen.

STEUERBERATUNG
Aufwertung von Baugrund und Bauerwartungsland – Erhöhung Ersatzsteuer
• Die Aufwertung von Baugrund und Bauerwartungsland sowie für Beteiligungen wurde, so wie im Gesetzesentwurf vorgesehen, um ein weiteres Jahr verlängert. Allerdings wurde die Ersatzsteuer für die Aufwertung erhöht und gilt nun wie folgt:
- zehn Prozent für die Aufwertung von Baugrund und Bauerwartungsland;
- zehn Prozent für die Aufwertung von nicht wesentlichen Beteiligungen;
- elf Prozent für die Aufwertung von wesentlichen Beteiligungen.
In der ursprünglichen Auflage des Gesetzes zur Aufwertung Baugrund im Jahre 2002 war noch ein Prozentsatz von vier Prozent vorgesehen, der dann ab 2015 auf acht Prozent verdoppelt und nun nochmals auf zehn Prozent angehoben worden ist.
Innerhalb 1. Juli 2019 (… der 30. Juni 2018 ist ein Sonntag) muss ein Ingenieur, Geometer, Architekt oder Agronom eine beeidigte Schätzung des Wertes zum 1. Jänner 2019 vornehmen. Innerhalb 1. Juli 2019 ist die Ersatzsteuer zu bezahlen. Mit einem Zinsaufschlag von drei Prozent kann sie auf drei Raten aufgeteilt werden (Fälligkeiten: 1.7.2019, 30.6.2020 und 30.6.2021).

Kompensierungssatz für Holz sowie für Rinder und Schweine • Der Kompensierungssatz für Roh- und Brennholz in Höhe von zwei Prozent wird ab 2019 mit Ministerialdekret innerhalb 31. Jänner des jeweiligen Jahres erhöht. Für die Erhöhung des Kompensierungssatzes sind jährliche Spesen in Höhe von einer Million Euro vorgesehen.
Innerhalb derselben Frist braucht es auch eine Bestätigung über Ministerialdekret für den Kompensierungssatz für Rinder und Schweine. In den Jahren 2016–2018 wurde mit Dekret jeweils ein Kompensierungssatz von 7,65 Prozent für Rinder und von 7,95 Prozent für Schweine beschlossen.

Gleichstellung mitarbeitende landwirtschaftliche Familienmitglieder • Mitarbeitenden Familienmitgliedern, die in der Bauernversicherung eingetragen sind, werden dieselben steuerlichen Begünstigungen zugestanden wie dem Inhaber des landwirtschaftlichen Betriebes.
Diese Regelung kann für die Gebührenermäßigung beim Ankauf von landwirtschaftlichen Grundstücken (PPC) oder die IRPEF-Befreiung der Katasterwerte interessant sein.

Steuerabsetzbeträge bei Sanierungsarbeiten und Energiesparmaßnahmen • Die Steuerabsetzbeträge für Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten in Höhe von 50 Prozent, für Energiesparmaßnahmen in Höhe von 65 Prozent bzw. 50 Prozent, für den Ankauf für sanierte Wohnungen von Möbeln und Elektrogeräten in Höhe von 50 Prozent, sowie für die Anlage und Pflege von Gärten und Grünanlagen an Wohngebäuden in Höhe von 36 Prozent werden bis zum 31. Dezember 2019 verlängert.
Die äußerst interessanten Möglichkeiten zur Steuerersparnis werden ohne gesetzliche Änderungen um ein weiteres Jahr verlängert.

Pauschalsystem für Kleinunternehmer • Das bisher bestehende Pauschalsystem für Einzelunternehmer und Freiberufler wird ab 2019 bis zu einer Umsatzgrenze von 65.000 Euro ausgeweitet. Die Ersatzsteuer beträgt weiterhin 15 Prozent. Die Kleinunternehmer sind von der Mehrwertsteuer befreit und nicht von der Verpflichtung der elektronischen Fakturierung betroffen. Für die landwirtschaftliche Tätigkeit kann dieses Pauschalsystem nicht angewandt werden.


ARBEITSBERATUNG
Erhöhung der Vaterschaftstage • Die obligatorischen Vaterschaftstage werden von derzeit vier auf fünf Tage erhöht. Der Vater muss sie weiterhin innerhalb von fünf Monaten ab der Geburt des Kindes in Anspruch nehmen. Die entsprechende Meldung kann der Vater direkt bei seinem Arbeitgeber machen, landwirtschaftliche Tagelöhner hingegen müssen direkt beim Patronat um Direktauszahlung ansuchen. Die obligatorische Vaterschaft ist voll mit der obligatorischen Mutterschaft vereinbar. Die Kosten gehen gänzlich zulasten des NISF/INPS. 

Verwaltungsstrafen werden erhöht • Das Bilanzgesetz erhöht folgende Verwaltungsstrafen um 20 Prozent: 
- Strafe für Schwarzarbeit: Derzeit liegt die Strafe in der Regel bei 3000 Euro und steigt somit auf 3600 Euro;
- Strafe für illegale Leiharbeit und nicht ordnungsgemäß eingerichtete Werkverträge: Erhöhung von mindestens 5000 Euro auf 6000 Euro;
- Strafe für die Verletzung der Regeln zur Arbeitszeit, dazu zählen: Nicht-Einhaltung des wöchentlichen Ruhetages, Nicht-Einhaltung der täglichen Ruhezeit, Überschreitung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit und Verletzung der Regeln zum Urlaub.
Für den Fall, dass ein Betrieb für eine dieser Gesetzesverletzungen in den letzten drei Jahren bereits eine Strafe erhalten hat, steigt der Aufschlag auf 40 Prozent. 


PATRONAT ENAPA
Aufschub der obligatorischen Mutterschaftsenthaltung • Die obligatorische Mutterschaft kann seit dem Beginn des Jahres 2019 bis zur Geburt des Kindes aufgeschoben werden. Sofern keine Gefährdung für die Mutter und das Ungeborene besteht, kann künftig also die gesamte fünfmonatige Mutterschaft erst ab Geburt des Kindes beansprucht werden. Hierfür wird eine entsprechende Bestätigung des Frauenarztes benötigt. Bisher mussten Schwangere die Mutterschaft spätestens einen Monat vor dem errechneten Geburtstermin antreten.

Anpassung der Prämie für die Kleinkindbetreuung „Bonus Nido“ • Für den Zeitraum von 1. Jänner 2019 bis 31. Dezember 2021 wird die jährliche Prämie von 1000 auf 1500 Euro erhöht.

Anpassung der Rentenbeträge • Ab 2019 werden Rentenbeträge bis zu 1522,26 Euro voll um 1,1 Prozent erhöht. Rentner mit einem monatlichen Rentenbetrag von mehr als 1522,26 Euro erhalten eine reduzierte Anpassung laut Übersicht (s. Tab. 1). Das NISF/INPS war bis zur Auszahlung der ersten Monatsrate der Rente betreffend Jänner 2019 nicht in der Lage, die Rentenbeträge laut der neu eingeführten Regelung anzuwenden. Deshalb wird es im Laufe des Jahres zu Rentenverrechnungen kommen.

Solidaritätsabzug auf hohe Renten • Bei Inhabern von hohen Rentenbeträgen, den sogenannten goldenen Renten, wird ein Solidaritätsabzug vorgenommen (s. Tab. 2).

Reduzierung der Arbeitsunfallprämie • Für das Jahr 2019 ist eine Reduzierung der INAIL-Unfallprämien vorgesehen. Ob und in welchem Ausmaß die Reduzierung auch den Landwirtschaftssektor betrifft, wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.
Über alle weiteren Neuerungen wird das Bauerbund-Patronat ENAPA in den nächsten Ausgaben des „Südtiroler Landwirt“ informieren.


Tab. 1 – Anpassung der Rentenbeträge ab 2019

Ab 1. Jänner 2019

Erhöhung von 1,1%

Für monatliche Renten bis 1.522,26 € (bis 3 x MR)

Garantierte Stufe

Über 1.522,26 bis 1.539,03 €

Erhöhung von 1,067%

Für monatliche Renten von 1.522,27 bis 2.029,68 € (über 3 x MR bis 4 x MR)

Garantierte Stufe

Über 2.029,68€ bis 2.052,04 €

Erhöhung von 0,847%

Für monatliche Renten über 2.0029,68 € bis 2.537,10€ (über 4 x MR bis 5 x MR)

Garantierte Stufe

Über 2.537,10€ bis 2.565,05 €

Erhöhung von 0,572%

Für monatliche Renten über 2.537,10 € bis 3.044,52€ (über 5 x MR bis 6 x MR)

Garantierte Stufe

Über 3.044,52€ bis 3.078,06 €

Erhöhung von 0,517%

Für monatliche Renten über 3.044,52 € bis 4.059,36€ (über 6 x MR bis 8 x MR)

Garantierte Stufe

Über 4.059,36€ bis 4.104,08 €

Erhöhung von 0,0,495%

Für monatliche Renten über 4.059,36 € bis 4.566,78€ (über 8 x MR bis 9 x MR)

Garantierte Stufe

Über 4.566,78 bis 4.617,09 €

Erhöhung von 0,44%

Für monatliche Renten über 4.566,78 € (über 9 x MR)



Tab. 2 – Solidaritätsabzug auf hohe „goldene“ Renten

von Jahresrente

bis Jahresrente

Rentenabzug

 

100.000 €

Null

Über 100.000 €

130.000 €

15 %

Über 130.000 €

200.000 €

25 %

Über 200.000 €

350.000 €

30 %

Über 350.000 €

500.000 €

35 %

Über 500.000 €

 

40 %