Innovation, Südtiroler Landwirt | 31.01.2019

Heimischer Fisch – Eine Chance

Unter den richtigen Voraussetzungen können Forelle und Co. mit wenig Aufwand eine interessante Nische für die bäuerliche Direktvermarktung sein. Unterstützung für Neueinsteiger bietet der Südtiroler Bauernbund.  von Michael Eisendle

Der Bauernbund prüft das Potential  der bäuerlichen Fischzucht – der Innovationsschalter ist interssierten Bauern behilflich. (Foto: Armanini)

Der Bauernbund prüft das Potential der bäuerlichen Fischzucht – der Innovationsschalter ist interssierten Bauern behilflich. (Foto: Armanini)

Bereits seit 2016 beschäftigt sich der Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes mit der bäuerlichen Fisch- und Krebszucht. In einem vom Land Südtirol geförderten Kooperationsprojekt wird inte-ressierten Landwirten durch kostenlose Beratung, Betriebsbesichtigungen, Veranstaltungen und Informationsbroschüren der Einstieg in die Fischzucht erleichtert. Abgedeckt werden dabei alle Bereiche: von der nachhaltigen Zucht und Haltung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung.

Zuerst Voraussetzungen prüfen
Durch das Zusatzeinkommen aus der Produktion von Speise- und Besatzfischen oder auch aus Angelteichen könnten Betriebe nachhaltig abgesichert werden. Südtirol eignet sich besonders für die Produktion von Salmoniden (Forellen und Saiblinge), welche sauerstoffreiche, kühle Fließgewässer bevorzugen.

Die Menge und Qualität des zufließenden Wassers sind begrenzende Faktoren für die Wirtschaftlichkeit und müssen bereits vor dem Einstieg in die Fischzucht abgeklärt werden. Als Faustregel gilt: Für die Wirtschaftliche Forellenhaltung ist eine Wassermenge von zehn Litern Wasser pro Sekunde ideal.

Die Hauptkostenpunkte in der Fischzucht sind das Futter und die Jungfische (Setzlinge). Eine eigene Nachzucht erfordert zusätzliche technische Voraussetzungen, wie etwa eigene Aufzuchtbecken, und viel Erfahrung. Deshalb ist für Einsteiger der Zukauf von Setzlingen zu empfehlen.

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Für eine erste Berechnung der Wirtschaftlichkeit wurde eine Excel-Rechner ausgearbeitet. Dieser kann auf der Bauernbund-Webseite abgerufen werden. Neben der Wirtschaftlichkeit müssen vor dem Einstieg aber auch die behördlichen Auflagen und die hohen Anforderungen an das betriebliche Gesamtsystem bewertet werden.  

Frühzeitig ansuchen
Neben ausreichend Wasser wird für die Verwendung von Wasser in der Fischzucht eine Konzession benötigt. Dann erst kann man mit der Produktion starten. Daher muss ein Konzessionsantrag inklusive Projekt beim Amt für Gewässernutzung eingereicht werden. Nachdem beim Genehmigungsverfahren mehrere Landesämter involviert sind und auch ein Lokalaugenschein vorgesehen ist, gilt es, genügend Zeit für die Planung und das Genehmigungsverfahren vorzusehen.

Die Kosten für die Planung des Projekts müssen bei den Investitionskosten unbedingt berücksichtigt werden. Grundsätzlich ist es ratsam, die zuständigen Behörden bereits in der Planungsphase der Teichanlagen zu konsultieren. Detaillierte Informationen zum Genehmigungsverfahren und Planungstipps bietet der neue Leitfaden „Bäuerliche Fischzucht als Erwerbsmöglichkeit – Genehmigungsverfahren und Planungsgrundlagen“, der vom Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes ausgearbeitet wurde und im Februar erscheint. Er soll den Antragstellern und den Planern Hilfestellung bei der Verwirklichung ihrer Projekte geben.

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Neben der Konzession für die Fischzucht sind veterinärmedizinische Vorschriften einzuhalten. Diese betreffen vor allem die Überwachung und Vorbeugung von Viruserkrankungen bei Fischen. Voraussetzungen sind die Registrierung des Fischzuchtbetriebes (Betriebskodex) in der nationalen Datenbank, ein sanitäres Überwachungsprogramm sowie eine Registerführung.

Richtig planen und beraten
Für die bäuerliche Fischproduktion sind aufgrund der lokalen Gegebenheiten vor allem gut durchströmte Erdteiche geeignet. Mehrere kleine Teiche sind einem großen Teich vorzuziehen, da dies die Bewirtschaftung erleichtert und mehr Flexibilität in der Produktion bietet. Für den Bau von Forellenteichen gilt, dass der Teich ablassbar (Bodenablass mit Teich-Mönch), länglich (handtuchförmig = gut abfischbar) sein soll, eine nicht zu steile Böschung und zum Auslauf hin ein leichtes Gefälle aufweisen, etwa 0,5 bis maximal 1,50 Meter tief sein soll und je einen Zulauf und Ablauf an entgegengesetzten Seiten (Strömung) haben soll. Es ist zu empfehlen das Gelände einer Fischzucht zum Schutz vor Raubtieren, wie dem Fischotter, einzuzäunen. Eine Netzüberspannung kann Fische zudem vor fischfressenden Vögeln, wie Graureiher und Kormoran, schützen.

Damit Interessierten der Einstieg in die Fischproduktion erleichtert wird, ist vor allem während der ersten Schritte eine professionelle Begleitung wichtig. Dazu wird unter Mithilfe des Südtiroler Bauernbundes die Möglichkeit geschaffen, im Zuge eines Lokalaugenscheines eine unverbindliche Vorprüfung des ausgewählten Standortes vorzunehmen:  Experten des Versuchszentrums Laimburg, der Fondazione Edmund Mach (FEM)  sowie der österreichische Fischexperte Markus Payr unterstützen den Innovationsschalter dabei. Interessierte sparen sich so Planungskosten, falls sich der vorgesehene Standort oder die Gewässer als nicht geeignet erweisen sollten.

Vermarktung abklären
Bevor man in einen neuen Betriebszweig einsteigt, sind die Vermarktungsmöglichkeiten zu prüfen. Fisch steht in der Gunst der Konsumenten und Ernährungsexperten hoch im Kurs. Kaltwasserfische, wie Forelle und Saibling, sind reich an hochwertigem Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen.

Themen wie Regionalität, Nachhaltigkeit und tiergerechte Haltung spielen zudem eine immer wichtigere Rolle. Dadurch können gerade bäuerliche Produzenten unter anderem mit regionaler Frische punkten und dem enormen Preisdruck im Großhandel entgehen. Durch nachvollziehbare, regionale Fischqualität in frischer, geräucherter oder verarbeiteter Form können so faire Preise erzielt werden. Eine Bio-Zertifizierung oder die Verwendung der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ können zusätzlich in der Positionierung helfen und verkaufsfördernd wirken.

Ein interessanter Erwerbszweig
Bei ausreichender Wassermenge, richtiger Planung und gut überlegten Absatzwegen kann die bäuerliche Fischzucht ein interessanter Erwerbszweig sein. Um die heimische Forellenproduktion zu steigern, ist es jedoch wichtig, dass die gesetzlichen Auflagen für den Bau, die Erhaltung und Bewirtschaftung der Teiche und die Vermarktung der Fische für Landwirte verkraftbar sind. Der Innovationsschalter hilft bei der Bewertung. 

Kontakt beim Bauernbund
Wer sich über die Möglichkeiten der bäuerlichen Fischzucht informieren möchte, findet beim Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes einen direkten Ansprechpartner.
Kontaktieren kann man ihn unter Tel. 0471 999418 oder E-Mail: michael.eisendle@sbb.it. Weitere Projektunterlagen gibt es hier zum Herunterladen.

Geplante Projekte zur Fischzucht

Im Rahmen des SBB-Innovationsprojektes zur Bäuerlichen Fischzucht, welches vom Land Südtirol gefördert wird, sind auch für 2019 zahlreiche Tätigkeiten geplant:
Am 26. Februar startet der dreitägige Kurs „Bäuerliche Fischzucht als Erwerbschance“. Schwerpunke sind dabei Ausrüstung und Infrastruktur einer Fischzucht, die Biologie der Fische, Krankheitsbilder sowie die verschiedenen Arbeiten im Jahreskreis. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen werden behandelt. Abgerundet wird der Kurs durch eine Exkursion ins nördliche Wipptal, wo drei bäuerliche Fischzuchtbetriebe ihre Tore öffnen und den Teilnehmern von ihren Erfahrungen mit Forellen, Saiblingen und Flusskrebsen berichten. Der Kurs wird von der Bauernbund-Weiterbildung gemeinsam mit der Abteilung Innovation & Energie organisiert. Weitere Informationen und Anmeldung bei der Bauernbund-Weiterbildung unter 0471 999368, christian.rainer@sbb.it.

Zusätzlich ist eine Veranstaltung zur Verarbeitung und Veredelungen von Fisch unter Berücksichtigung der hygienischen Auflagen für das Frühjahr 2019 geplant. Der genaue Termin steht noch nicht fest, wird aber frühzeitig bekannt gegeben.

Exkursionen zu Praxisbetrieben nach Kärnten und ins Trentino finden im Frühjahr und Herbst statt. Auch dafür gibt es noch keine Termine, sie werden aber bald feststehen.

Unterlagen und Informationsbroschüren zur bäuerlichen Fischzucht, wie beispielsweise der Wirtschaftlichkeitsrechner, ein Leitfaden zur Planung und Genehmigung von Fischzuchten, eine Geräteliste und weitere Merkblätter werden laufend auf der Projektwebseite veröffentlicht.