Südtiroler Landwirt, Produktion | 14.02.2019

Die DNA des Südtiroler Weins

Eine starke Marke für den Südtiroler Wein will das Konsortium Südtiroler Wein gemeinsam mit IDM Südtirol positionieren. Aber wie? Mit Menschen, Bergen und Kontrasten, wie bei der diesjährigen Weinbautagung des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) erklärt wurde. von Renate Anna Rubner

Eine starke Marke muss gezielt positioniert werden: Das war die Botschaft bei der diesjährigen Weinbautagung. (Foto: Konsortium Südtirol Wein)

Eine starke Marke muss gezielt positioniert werden: Das war die Botschaft bei der diesjährigen Weinbautagung. (Foto: Konsortium Südtirol Wein)

Es war ein langer Findungsprozess, den das Konsortium Südtiroler Wein vor zwei Jahren angestoßen hat, um das Produkt Südtiroler Wein optimal auf den internationalen Märkten positionieren zu können. Dazu brauchte es viele Diskussionen, schließlich müssen sich alle Beteiligten - egal ob Vertreter der Genossenschaften, jene der Weingüter Südtirols und die Freien Weinbauern – damit identifizieren können.

Um ein klares Bild von außen zu bekommen, wurden Marktforschungen zu Rate gezogen und zum Schluss in einem Workshop und unter Begleitung externer Berater eine Positionierungsstrategie gefunden. Diese Strategie wurde den Teilnehmern der diesjährigen Weinbautagung des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen im Eppaner Raiffeisensaal vorgestellt. Die Tagung war sehr gut besucht, das winterliche Schneegestöber draußen tat seines dazu.

Flächenmäßig unbedeutend
Eduard Bernhart, seit August vergangenen Jahres neuer Direktor des Konsortiums Südtiroler Wein (siehe Interview), steckte zunächst die Eckpunkte ab, die Südtirols Weinbau und Weinwirtschaft charakterisieren: „Weltweit werden 7,5 Hektar Weinbauflächen bewirtschaftet, 40 Prozent davon allein in der Europäischen Union. Spitzenreiter sind hier Frankreich, Spanien und auch Italien.“ Da spiele Südtirol mit seinen 5475 Hektar Weinbaufläche und den jährlich 324.000 Hektolitern Produktion eine marginale Rolle.

Zudem verteilte sich die Fläche auf insgesamt 4908 Weinbaubetriebe, das entspricht einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 1,1 Hektar. „Deshalb ist es wichtig, eine starke Marke zu haben, und diese Marke optimal zu positionieren“, schloss Eduard Bernhart und gab das Wort an Marketingmanagerin Katrin Huber von IDM Südtirol weiter. Sie erklärte den Zuhörern, was starke Marken ausmacht: „Eine starke Marke hat starke Grenzen, sie hat wenige und klare Botschaften.“ Dann stellte sie die Fragen in den Raum, die man sich im Entscheidungsprozess gestellt hatte: „Wie können wir uns im Wettbewerb durchsetzen – jenseits des Preises? Was macht unsere Identität aus? Worauf sind wir zu Recht stolz? Wie können wir unsere Marke beschreiben und wie nutzen wir sie am besten?

Familiär, nachhaltig und Qualitätsstreben
In den internen Diskussionen und auch in der Rezeption von außen seien laut Katrin Huber immer wieder dieselben Charaktereigenschaften genannt worden, die die Marke Südtirol ausmachen. Begriffe wie Natur, Teamwork, Gelassenheit, Nachhaltigkeit, Persönlichkeit oder Facettenreichtum und Kontraste fielen dabei ständig. „Daraus bündelten wir die drei Markenfacetten, die die Identität des Südtiroler Weins beschreiben, sozusagen seine DNA“, sagte Katrin Huber. Das seien die Attribute „familiär“, weil hinter jedem Wein Menschen, Gesichter, Persönlichkeiten, verschiedene Realitäten, viel Handwerk und eben so viel Herzblut stehen, „nachhaltig“, weil es um verantwortungsvolles Denken in Generationen geht, und „Qualitätsstreben“, weil ständig daran gearbeitet wird, sich weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Zusammengefasst wird das alles in dem Satz „Der Südtiroler Wein verkörpert den Kontrast- und Facettenreichtum Südtirols auf einzigartige Weise: Es sind die Berge und die Menschen, die unserem Wein seinen einzigartigen Charakter und seine große Persönlichkeit verleihen.“ Und um diese Leitsatz zu unterstreichen, zeigten die Referenten dem Publikum den neuen Imagefilm, den die Südtiroler Weinwirtschaft ausarbeiten hat lassen.

Nachhaltigkeit als großes Thema
Im Anschluss an die Präsentation gab es eine ganze Reihe von Fragen, auch Anregungen. Besonders das Thema Nachhaltigkeit brennt den Weinbauern unter den Nägeln. Es gehe dabei aber nicht um Bio oder konventionell, sondern um ein umfassendes Verständnis von Ressourcenmanagement, erklärte Bernhart den Zuhörern und versicherte, dass an diesem Thema bereits seit letztem Sommer intensiv gearbeitet werde.

Manfred Stoll von der Hochschule Geisenheim erzählte von den weinbaulichen Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel ergeben. Der Wissenschaftler befasst sich bereits seit Jahren mit den Auswirkungen, die höhere Temperaturen, mehr Sonnenscheinstunden und gesteigerter Kohlendioxideintrag auf Pflanzen und insbesondere die Rebe hat: „Derzeit liegen wir bei 400 ppm (parts per million), jährlich steigt die Kohlendioxidkonzentration aber um 1,5 bis zwei Prozent. Deshalb haben wir in Versuchen mit 480 ppm CO2 gearbeitet und festgestellt, dass dadurch die Transpiration der Rebe steigt, sie also mehr Wasser braucht.“ Fehle das, komme es zu Trockenstress. Auch die Biomasse steigt bei mehr Kohlendioxid, das äußert sich in mehr Blattmasse.

Rebbau verschiebt sich
Allgemein sei festzustellen, dass die klassischen Weinbaugebietet des Südens durch den Klimawandel zunehmend in Schwierigkeiten geraten, „die Rebflächenausweitung bzw. -verschiebung in Richtung Norden ist ein deutlicher Trend“, sagte Stoll. Das sei zwar mit Risiken verbunden (Spätfröste, Winterfröste, niedrige Jahresdurchschnittstemperaturen), es gebe aber recht brauchbare Projekte.
Hohe Mostgewichte und tiefe Säurewerte seien weitere Folgen der Klimaerwärmung. Auch die Inhaltsstoffe werden durch höhere Temperaturen und stärkere Sonneneinstrahlung verändert. „Das kann die Charakteristik der Weine, insbesondere von Weißweinen, beeinflussen“, sagte Stoll.

Künftig müsse das beispielsweise beim Laubwandmanagement oder auch bei der Zeilenausrichtung der Reben mit berücksichtigt werden, denn pflanzenbauliche Maßnahmen können besonders in extremen Sommern, wie 2018, einiges abfedern. Und zwar auch deshalb, weil die Rebe durch ihre hohe Plastizität eine gute Anpassungsfähigkeit an verschiedene klimatische Bedingungen zeige. Damit sprach er den anwesenden Weinbauern auch Mut zu: „Vor allem junge, agile und anpassungsfähige Weinbauern können den Klimawandel auch entschlossen entgegentreten und ihn als Herausforderung und Chance sehen und nutzen.“

Goldgelbe Vergilbung und Pflanzrechte
Bei den weiteren Fachvorträgen der Weinbautagung ging es unter anderem um die Goldgelbe Vergilbung, die inzwischen auch in Südtirol Einzug gehalten hat. Fabian Pernter vom Amt für Obst- und Weinbau gab einen aktuellen Überblick über die Situation und legte den Bauern die Rodung erkrankter Stöcke als effizienteste Methode der Bekämpfung ans Herz. Bereits Landesrat Schuler hatte in seiner Eröffnungsrede darauf hingewiesen und die Bauern zu Umsicht gebeten.

Zudem war es ihm ein Anliegen, das ­Thema der Pflanzrechte aufzugreifen: „Insgesamt gingen im Jahr 2018 790 Anträge um 168 Hektar ein. Uns stehen aber  jährlich nur ­
54 Hektar zur Verfügung. Deshalb mussten wir viele Antragsteller herb enttäuschen“, entschuldigte sich der Landesrat. Er versprach aber auch, dass den sogenannten „Scheinbetrieben“ künftig das Handwerk gelegt werde, weil die Antragsteller künftig gewisse Kriterien erfüllen müssen um bei der Verteilung der Pflanzrechte überhaupt berücksichtigt zu werden.

Lesen Sie in unserer Printausgabe, welche Herausforderungen Eduard Bernhart für den Südtiroler Wein sieht.