Südtiroler Landwirt | 14.02.2019

Ein Lotse geht von Bord

Mit Geschick, Hausverstand und Herz war Josef Wielander Geburtshelfer und erster Direktor der Vinschgauer Produzenten (VI.P). Nun übergibt er sein „Kind“: Ab 1. April wird Martin Pinzger die Geschäfte der VI.P übernehmen. Ein Warmstart, wie er selber sagt. von Renate Anna Rubner

Der eine kommt, der andere geht: Martin Pinzger tritt in die Fußstapfen von Josef Wielander als VI.P-Direktor.

Der eine kommt, der andere geht: Martin Pinzger tritt in die Fußstapfen von Josef Wielander als VI.P-Direktor.

Josef Wielander hat einen kurzen Lebenslauf: Von 1976 bis 1996 war er Geschäftsführer der Obstgenossenschaft Mivo, seit 1997 Direktor der Vinschgauer Produzenten VI.P. Nun geht diese Ära zu Ende, am 31. März wird er die Schlüssel und die Verantwortung der VI.P in die Hände von Martin Pinzger legen. Dieser übernimmt ein gut bestelltes Feld: Die VI.P ist Vorreiter in der integrierten und biologischen Produktion, umfasst sieben hochmoderne Genossenschaften, die insgesamt 1700 Mitglieder haben und 700 Arbeitsplätze bieten.

„Wir fühlen uns besonders den Menschen verpflichtet“, unterstrich VI.P-Obmann Thomas Oberhofer bei der Pressekonferenz zur Stabübergabe im Hauptsitz der VI.P in Latsch. Das bedeute, ein gesundes Produkt auf den Markt zu bringen, den bäuerlichen Familien die Zukunft und für das Tal Arbeitsplätze zu sichern. Er bedankte sich beim scheidenden Direktor Josef Wielander für seinen unermüdlichen Einsatz und unterstrich: „Die VI.P steht für Anpassungsfähigkeit und Fortschritt, aber auch für Kontinuität. Deshalb wird es Aufgabe des neuen Direktors Martin Pinzger sein, Bewährtes weiterzuführen und offen zu sein für Neues.“

Der Nachfolger bringe nicht nur ausgeprägtes Fachwissen mit, sondern auch langjährige Erfahrung. Schließlich sei er vor 23 Jahren Wielander als Geschäftsführer der Mivo nachgefolgt und habe die Geschicke der Genossenschaft vorbildlich geleitet. Zudem sei er in der VI.P Geschäftsfeldleiter des Lebensmitteleinzelhandels für Italien gewesen und führe im Nebenerwerb einen kleinen Obstbaubetrieb in Vetzan, Schlanders.

Martin Pinzger ist sich der Verantwortung bewusst, die er künftig tragen wird. „Ich werde mit bestem Wissen und Gewissen daran arbeiten, die Erwartungshaltung der Bauern zu erfüllen“, sagte er bei der Pressekonferenz und bedankte sich bei Josef ­Wielander, der ihn in den letzten Monaten in seinen neuen Arbeitsbereich eingeführt hat. „Ich darf sozusagen einen Warmstart hinlegen“, sagte Pinzger mit Zuversicht.

Zusammenhalt im Sinne Raiffeisens
Worin künftig die größten Herausforderungen liegen, wurden beide – also Wielander und Pinzger – von den Journalisten gefragt. „Zum einen sei es der interne Zusammenhalt, nach der Grundidee F. W. Raiffeisens, der aufrecht erhalten bleiben müsse“, sagte Wielander. Martin Pinzger ergänzte: „Der Markt ist angesichts einer strukturellen Überproduktion schwierig. Kostenmäßig sind andere Anbaugebiete, speziell im Osten, besser aufgestellt als wir. Deshalb muss unsere Strategie eine wertschöpfende sein: Wir müssen verstärkt über Sorten, Anbau und vor allem Kundenservice einen Mehrwert garantieren und uns so von den Mitbewerbern abheben!“  

Deshalb müssten Weichen gestellt werden: „Die letzten Monate haben wir eine umfassende Unternehmensanalyse gemacht und geschaut, wie wir wahrgenommen werden: von innen, aus Kundensicht, aus Mitbewerbersicht. Um zu verstehen, wo unsere Vision und die strategischen Ziele liegen sollen. Darauf aufbauend werden wir Maßnahmen erarbeiten und einen Marschplan für die nächsten Jahre festlegen“, sagte Pinzger und unterstrich seinerseits die Bedeutung des Genossenschaftswesens für die Bauern und die Sicherung ihrer Zukunft: „Das Genossenschaftswesen wird weiterhin eine wesentliche Beruhigung für unsere Bauern sein (dürfen). Wir haben fortschrittliche, solide Genossenschaftsbetriebe. Der Verband ist gut aufgestellt. Nun sind wir gefordert, die Zeichen der Zeit und des Marktes zu erkennen und uns entsprechend zu rüsten. Wir können aber optimistisch in die Zukunft gehen: Unsere Bauern arbeiten professionell und und wir haben funktionierende Strukturen.

Lesen Sie in unserer Printausgabe, was der scheidende VI.P-Direktor zu seinem Abschied sagt.