Produktion | 20.02.2019

200.000 Kubikmeter Schadholz aufgearbeitet

Über 200.000 Vorratsfestmeter Schadholz wurden nach den Sturmschäden von Ende Oktober bereits aufgearbeitet, 140 Unternehmen sind damit befasst. Diese erste Bilanz hat die Landesabteilung Forstwirtschaft vorgelegt. von LPA - Landespresseagentur

37 Prozent der Holzernteverfahren in den Windwurfflächen wurden mit Harvester (Bild) durchgeführt. (Foto: Amt für Forstplanung)

37 Prozent der Holzernteverfahren in den Windwurfflächen wurden mit Harvester (Bild) durchgeführt. (Foto: Amt für Forstplanung)

Die Vorgeschichte ist bekannt: Sturm „Vaia“ hat in Südtirol in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober vergangenen Jahres etwa 5900 Hektar reife Waldbestände, meistens Fichte, gefällt. Dies ist nur die kartographisch erfasste Fläche, dazu kommen die weit verteilten Streuschäden, die nur schwer zu schätzen sind. Am 5. November hat Landeshauptmann Arno Kompatscher mit einer Verordnung für ganz Südtirol den Notstand ausgerufen, um die Behebung der Schäden zu erleichtern und zu beschleunigen. Forstwirtschaftslandesrat Arnold Schuler hat eine Expertenrunde mit der zentralen Koordinierung der Maßnahmen betraut.

14 Prozent der Sturmholzmenge aufgeräumt
Der Direktor der Abteilung Forstwirtschaft Mario Broll berichtet: „Die Aufräumarbeiten nach den Unwetter- und Windwurfereignissen von Ende Oktober wurden schon im November aufgenommen, ab Mitte Jänner hat das Forstpersonal den Stand der Arbeiten erhoben: Am 17. Jänner, also zweieinhalb Monate nach dem Unwetter, waren bereits mehr als 200.000 Vorratsfestmeter Schadholz aufgearbeitet.“ Diese Holzmenge entspricht rund 14 Prozent der geschätzten Sturmholzmenge und etwa einem Drittel der durchschnittlichen landesweiten Nutzungen pro Jahr.

Schutzwaldsanierung und Naturverjüngung
Auf rund 2000 Hektar sind bereits Projekte zur Wiederherstellung der Schutzwirkung der Waldbestände in Ausarbeitung, wo die Schutzwirkung durch technische Maßnahmen und Aufforstung wiederhergestellt wird. Die restliche Waldfläche mit allgemeiner Schutzwirkung wird beobachtet und grundsätzlich der natürlichen Verjüngung überlassen. „Oberste Priorität hat die Erhöhung der Bodenstabilität und der Bodenfruchtbarkeit. Für die Windwurfflächen wurden Projekte mit technischen und biologischen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Schutzfunktion in den Objekt- und Standortschutzwäldern im Ausmaß von rund 7,5 Millionen Euro erstellt“, erklärt Broll.

Hier sieht man einen Harvester bei der Arbeit


140 Unternehmen und viele Waldbesitzer im Einsatz

Diese große Sturmholzmenge konnte durch die umgesetzten Sofortmaßnahmen zur Freistellung der Erschließung sowie durch Einsatz und Fleiß aller Beteiligten vor Ort – und auch aufgrund der anhaltenden günstigen Wetterbedingungen – in so kurzer Zeit aufgearbeitet werden. Bis Mitte Jänner waren landesweit rund 140 Schlägerungsunternehmen bei den Aufräumarbeiten aktiv, außerdem sind sehr viele Waldbesitzer im Privatwald tätig.
„Aus den drei am meisten betroffenen Forstinspektoraten Bozen 1, Bozen 2 und Bruneck stammen auch rund zwei Drittel der bereits aufgearbeiteten Holzmasse, rund 140.000 Vorratsfestmeter“, fasst Landesforstdirektor Broll zusammen. Landesweit wurde in zwei Monaten ein Drittel des Jahreshiebsatzes aufgearbeitet. Im Forstinspektorat Bozen 1 wurde mit 88 Prozent fast die gleiche Holzmasse aufgearbeitet wie normalerweise in einem Jahr. Im Latemarwald der Forstdomäne wurde mit circa 15.000 Vorratsfestmeter so viel Holz aufgearbeitet wie in drei Jahren bei regelmäßigem Einschlag.

Sturmschaeden 1902-1

 

Forstwege fast alle geräumt
1625,4 Kilometer Südtiroler Straßen und Wege wurden bei den Unwetter- und Sturmereignissen in Mitleidenschaft gezogen, davon sind 1015,6 Kilometer Forst- und Güterwege, 423,9 Kilometer Staats-, Landes-, Gemeinde- und Privatstraßen, 179,4 Kilometer Wege und Steige und 6,5 Kilometer Rad- und Mountainbike-Wege. 290 Kilometer betroffene Wegabschnitte liegen direkt in den Schadensflächen.
Eine detaillierte Erhebung der Windwurfflächen durch das Geographische Informationssystem GIS ist bereits erfolgt, diese Datenerfassung ist Voraussetzung und Grundlage für die Planung weiterführender Maßnahmen. Die Forstwege wurden an 90 Standorten fast alle wieder durch den Südtiroler Forstdienst geöffnet, diese Wiederinstandsetzung der unterbrochenen Abschnitte des forstlichen Wegenetzes ist unabdingbar für die Holzbringung. In die Sofortmaßnahmen wurden insgesamt 2,7 Millionen Euro investiert. Dank des Einsatzes von hochmechanisierten Bringungsmethoden wie Harvester und Forwarder schreitet die Räumung auch zügig voran.

Gefahr einer Massenvermehrung von Holzbrütern
Die Räumung des liegenden Holzes, unterstreicht Broll, müsse unbedingt erfolgen, denn damit werde dem Fichtenborkenkäfer und anderen Holzbrütern wie Kupferstecher und Großer Fichtenrüsselkäfer ein örtlich konzentriertes und leicht verfügbares Nahrungssubstrat entzogen. In Zusammenarbeit mit der Universität Padua wird derzeit ein Netz zur Erhebung der Populationsdynamik des Borkenkäfers erstellt. Wichtig sind auch Information und Beratung, unterstreicht der Landesforstdirektor: „Nach wie vor steht unser Forstpersonal mit seinem Know-how zur Verfügung, um in enger Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern und Waldbewirtschaftern die Umsetzung der sinnvollen Maßnahmen zur Waldhygiene zu unterstützen.“ Die Streuschäden, die ein nicht zu unterschätzendes Befallspotential darstellen, müssen quantifiziert werden, um nötige Maßnahmen planen zu können.

Kurse in der Forstschule Latemar
Die Agentur Landesdomäne und die Abteilung Forstwirtschaft organisieren für Waldbesitzer und Interessierte aus den vom Windwurf betroffenen Gemeinden Schulungstage zur Windwurfaufarbeitung. Dabei wird vermittelt, wie die Gefahrenquellen nach einem Windwurf erkannt und richtig bewertet werden. Zudem werden auf lokalen Windwurfflächen die Grundregeln für sicheres Arbeiten sowie geeignete Schnitttechniken erprobt. Die eintägigen (8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 16.30 Uhr) Schulungen in Kleingruppen von vier bis sechs Personen werden auf Anfrage organisiert, Anmeldungen nimmt die Forstschule Latemar entgegen: www.forstschule.it, forstschule.latemar@provinz.bz.it, Telefon 0471 612444.

Zusätzliche Holzlagerplätze mussten eingerichtet werden, im Bild Holzlagerung mit Forwarder. (Foto: Amt für Forstplanung)

Außer dem Holztransport mit Lkw-Kran auf Straßen (im Bild) besteht auch die Möglichkeit für Holztransporte auf Schiene ab Bozen. (Foto: Amt für Forstplanung)