Politik, Südtiroler Landwirt | 28.02.2019

Sinnvoll, aber viel zu bürokratisch

Das Risikomanagement kann ein sinnvolles Instrument sein, um das unternehmerische Risiko der Bauern abzufedern. Daher muss man es weiterentwickeln. Und speziell in Italien die schwerfällige Umsetzung vereinfachen. Diese Erkenntnis bringt die Südtiroler Delegation von einer Tagung in Assisi mit. von Josef Haller

Hagelnetze oder Versicherung oder beides? Fragen wie diese beschäftigen nicht nur Südtirols Bauern, sondern auch die Europäische Union.

Hagelnetze oder Versicherung oder beides? Fragen wie diese beschäftigen nicht nur Südtirols Bauern, sondern auch die Europäische Union.

Immer Anfang Februar findet in Italien eine nationale Tagung zum Risikomanagement statt. Sie gilt als inoffizieller Auftakt der neuen Versicherungskampagne, ist zugleich aber auch ein Gradmesser für die Stimmung und Entwicklung in diesem ebenso schwierigen wie wichtigen Sektor.

Südtiroler Delegation vor Ort
Heuer fand diese Tagung in Assisi statt. Mit dabei waren Vertreter des Südtiroler Hagelschutzkonsortiums und Südtiroler Bauernbundes. Es referierten Vertreter der Konsortien, der Versicherungswelt, der zuständigen Ministerien, aus Politik und Wissenschaft.

Rückblick auf ein schwieriges Jahr
Zunächst blickten die Experten auf das Jahr 2018 zurück. Es war ein schwieriges Jahr, gekennzeichnet von den enormen Bemühungen, die großen Zahlungsrückstände der vergangenen Jahre aufzuholen und die bürokratischen Schwierigkeiten der Vergangenheit aufzuräumen.
Zum Jahresende war es für Italien besonders eng geworden: Aufgrund der genannten Rückstände bestand ernsthaft Gefahr, einen Teil der europäischen Gelder zu verlieren.
Letztendlich war es dann gelungen, die Zahlungsrückstände der Jahre 2015 bis 2017 anzugehen und über 600 Millionen Euro auszuzahlen.
Dies entlastet vor allem die Konsortien finanziell. Bekanntlich finanzieren ja sie jenen Teil der Versicherungsbeiträge vor, der den Förderbeiträgen entspricht.
Dies ist das Glück für die Bauern: Dank dieser Vorfinanzierung durch das Hagelschutzkonsortium spüren sie von diesen Verzögerungen wenig. Die Bauern würde es erst treffen, wenn die europäischen Gelder tatsächlich nicht fließen würden.

Instrumente weiter entwickeln
Neu werden heuer die sogenannten Mutualitätsfonds sein. Sie werden heuer unter anderem auch vom Hagelschutzkonsortium in Südtirol erstmals getestet. Diese Testphase fügt sich nahtlos in die Bestrebungen ein, die Instrumente des Risikomanagements weiterzuentwickeln und – wo notwendig – auch neu auszurichten.

Dorfmann: „Bürokratisches Italien“
Anwesend und als Teilnehmer des runden Tisches am Rednerpult war auch Europaparlamentarier Herbert Dorfmann. Er gilt als profunder Kenner der Materie und ist an der Ausgestaltung der europäischen Rahmenbedingungen aktiv beteiligt. Er kritisiert – und spricht dem Südtiroler Bauernbund dabei aus der Seele – die überaus bürokratische italienische Umsetzung dieses an und für sich sehr sinnvollen und zukunftsträchtigen Instrumentes.

Nach einer ersten Fragerunde ging er konkret auf die künftigen europäischen Rahmenbedingungen ein: „Europa setzt auf dieses Instrument“, sagte er. Das habe man schon mit der Omnibus-Verordnung im Herbst 2017 gesehen. „Die Bauern sind zur Zusammenarbeit aufgerufen, das scheint erfolgsversprechender zu sein. Im Norden Italiens ist dies besser umgesetzt als im Süden,“ erklärte Dorfmann.
Für das Risikomanagement ist es laut Dorfmann übrigens „nicht so wesentlich“, ob die nächste europäische Agrarperiode pünktlich startet: „Die Regeln sind da, die Instrumente geschaffen und die Umsetzung funktioniert immer besser. Es ist also zielführender, nicht schon wieder alles abzuändern.“

Knackpunkt Gesamt-Finanzierung
Viel wichtiger sei da ein anderer Knackpunkt: die finanzielle Ausstattung der europäischen Landwirtschaft innerhalb des EU-Gesamtbudgets. „Wir müssen uns gemeinsam gegen Kürzungen des Agrarhaushaltes wehren“, betonte Dorfmann. Bekanntlich sind in der ersten Säule die Betriebs- und die gekoppelten Prämien enthalten. Diese machen für Südtirol rund 30 Millionen Euro jährlich aus.
Noch wichtiger für die kleinstrukturierten Betriebe ist in Südtirol aufgrund der klimatischen und geographischen Gegebenheiten aber die zweite Säule mit dem ländlichen Entwicklungsprogramm: Dieses erlaubt eine besonders zielgenaue Förderung der heimischen Landwirtschaftsbetriebe.

Daher warnt Dorfmann vor einer asymetrischen Kürzung – sprich dass die zweite Säule verhältnismäßig stärker gekürzt werden soll als die erste. Wie Dorfmann ist auch der Südtiroler Bauernbund überzeugt: Hier gilt es weiterhin großen Einsatz zu zeigen. Ziel bleibt es, die agrarpolitischen Rahmenbedingungen dahingehend abzuändern, dass Kleinbetriebe – auch in benachteiligten Zonen und Berggebieten – mehr profitieren als bisher.