Wirtschaft | 28.02.2019

Sorten, Wasser und vieles mehr

Die Sortenwahl für Neuanlagen und das Wassermanagement in den Obst- und Rebanlagen waren zwei große Schwerpunktthemen des vergangenen Arbeitsjahres beim Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau. Am Dienstag, 26. Februar hat er in Nals seine Generalversammlung abgehalten.

Delegierte und Ehrengäste blickten bei der Generalversammlung des Südtiroler Beratungsringes auf ein arbeitsreiches Jahr zurück

Delegierte und Ehrengäste blickten bei der Generalversammlung des Südtiroler Beratungsringes auf ein arbeitsreiches Jahr zurück

Hansjörg Hafner, Bereichsleiter Weinbau beim Beratungsring, brachte es auf den Punkt: „Die Sortenwahl ist das Wichtigste bei der Erstellung einer neuen Anlage.“ Nicht jede Sorte eignet sich für jeden Standort, und auch die Unterlagsrebe muss gut gewählt sein. Diese schützt nicht nur vor dem Befall mit der Reblaus, sondern beeinflusst den Wuchscharakter der Rebe wesentlich. Daher haben die Weinbauberater des Beratungsrings im vergangenen Jahr die Broschüre mit dem Titel „Sorten, Klone, Unterlagen – Anleitung zur standortgerechten Sortenwahl im Südtiroler Weinbau“ von 2012 überarbeitet, mit neuen Informationen ergänzt und neu aufgelegt. „Die Sorten- und Unterlagenwahl ist auch deshalb so wichtig, weil Rebanlagen eine relativ lange Lebensdauer haben. Hier wollen wir den Weinbauern mit unserer neuen Broschüre eine Hilfestellung bieten“, sagt Hafner im Rahmen der Generalversammlung.

Intensive Prüfung neuer Sorten
Robert Wiedmer, Ringkoordinator und Bereichsleiter Obstbau, bekräftigt, dass sich auch die Obstbauberater intensiv mit dem Thema Sorten auseinandergesetzt haben. Bei der Apfelfachmesse Interpoma im vergangenen Herbst haben sie auf dem Beratungsring Stand neue Sorten vorgestellt und die Standbesucher über die Anbaueigenschaften der neuen Sorten aufgeklärt. Außerdem haben sie zusammen mit dem Sortenerneuerungskonsortium Südtirol (SK) und den beiden Vermarktungsverbänden VOG und Vi.P eine Broschüre über die Sortenprojekte der beiden Verbände erarbeitet. „Die Sortenwahl bei der Erstellung einer neuen Apfelanlage ist mittlerweile sehr schwierig geworden. Jeder Bauer will natürlich die richtige Sorte für seine Anbaulagen finden und pflanzen“, erklärte Wiedmer. Der Beratungsring begleite die Sortenprojekte der Vermarktungsorganisationen und mache Lehrfahrten in andere Länder, wie etwa nach Belgien oder in die USA, um die Eigenschaften neuer Sorten in Erfahrung zu bringen. „Unsere Kenntnisse präsentieren wir dann den Bauern. Sie sollen die aktuell bestehende Sortenauswahl genau kennen, damit sie eine gute Wahl treffen können“, betonte Wiedmer.

Gemeinsames Projekt mit Laimburg und Alperia
Auch das Thema Wassermanagement spielte beim Beratungsring im vergangenen Jahr eine wichtige Rolle. So wurde bei der gestrigen Generalversammlung ein Projekt des Beratungsrings, des Versuchszentrums Laimburg und des Energieversorgungsunternehmen Alperia vorgestellt, dessen Ziel es ist, mittels spezieller Sensoren die Bodenfeuchte in einzelnen Obst- und Rebanlagen zu ermitteln. Hansjörg Hafner, welcher das Projekt koordiniert, berichtete: „Die Daten sollen über eine App auf dem Smartphone der Bauern abrufbar sein. Indem die Bauern genau über die Wasserversorgung ihrer Pflanzen Bescheid wissen, werden sie diese noch effizienter bewässern können als bisher.“ Beratungsring und Versuchszentrum Laimburg begleiten das Projekt auf fachlicher Ebene, die Alperia wird die Infrastruktur bereitstellen.

Digitale Angebote und Intensivkurse
Der Südtiroler Beratungsring setzt seit mehreren Jahren schon auf digitale Hilfsmittel für die Beratung der Mitglieder. Obmann Manuel Santer freut sich: „Bereits 1597 Mitglieder von den insgesamt fast 6000 Mitgliedern nutzten Ende 2018 die Beratungsring-App.“ Mit diesem Jahr stehen den Nutzern der App einige Neuerungen zur Verfügung, welche die Anwendung noch nützlicher und deren Bedienung noch einfacher machen. „Auch das Online Betriebsheft wird mittlerweile von über 2000 Mitgliedern genutzt. Der stete Anstieg an Nutzern bestärkt uns, weiter in diese Richtung zu investieren“, erklärt Santer weiter.
Auch konventionellere Beratungstätigkeiten, speziell die Veranstaltung von Intensivkursen, wurden im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Insgesamt 306 Personen haben im vergangenen Jahr Intensivkurse zu verschiedensten Themen, vom Baumschnitt bis hin zu Hagelnetzen im Weinbau, besucht. Neu ist die Zusammenarbeit des Beratungsrings mit dem Südtiroler Bauernbund bei den Grundausbildungskursen und Auffrischungskursen für den Pflanzenschutzmittelpass. Hierbei referieren die Obst- und Weinbauberater zu verschiedenen Fachthemen.

Dank für professionelle Arbeit
Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler dankte dem Südtiroler Beratungsring für seine über 60 Jahre andauernde Tätigkeit für den Obst- und Weinbau. „Ohne den Beratungsring wäre der Obst- und Weinbau in Südtirol nicht auf dem Niveau, auf dem er sich heute befindet“, unterstrich Schuler. Er betonte außerdem wie wichtig es sei, dass alle in der Landwirtschaft Beteiligten an einem Strang ziehen würden, worum sich der Beratungsring sehr bemühe, um gemeinsam einen Mehrwert zu erzielen. Auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler lobte den unermüdlichen Einsatz des Beratungsrings in seinen Grußworten und dankte in besonderer Weise für die gute Zusammenarbeit im Bereich Weiterbildungskurse für die Bauern.