Südtiroler Landwirt, Produktion | 28.02.2019

Wieviel Wasser braucht der Apfel?

Um hochwertige Äpfel in befriedigenden Mengen ernten zu können, braucht es viel Wasser. Der Klimawandel macht Wasser aber immer knapper, die Bäume brauchen andererseits auch mehr um ihre Produktivität zu erhalten. Deshalb braucht es innovative, nachhaltige Lösungen. von Damiano Zanotelli und Massimo Tagliavini, Freie Universität Bozen

Wasser ist in Südtirol zwar noch nicht knapp, trotzdem muss künftig mehr Augenmerk auf ressourcenschonende Bewässerung gelegt werden. (Foto: Matthias Matscher)

Wasser ist in Südtirol zwar noch nicht knapp, trotzdem muss künftig mehr Augenmerk auf ressourcenschonende Bewässerung gelegt werden. (Foto: Matthias Matscher)

Auch wenn Südtirol im Durchschnitt noch über große Wassermengen verfügt, lassen die von Klimaexperten aufgezeigten zukünftigen Szenarien mit der Steigerung von Temperaturen und Strahlung und der damit verbundenen Zunahme der Verdunstung und der Transpiration der Pflanzen eine Verschlechterung der Situation erwarten. Experten warnen auch vor der abnehmenden Wasserverfügbarkeit, unter anderem auch weil die Gletscher schmelzen und die Sommer im Mittel trockener werden.
Unter diesen Voraussetzungen wiegt der Vorwurf, dass die Landwirtschaft übermäßig am Wasserverbrauch beteiligt ist, und deshalb wenig nachhaltig wirtschaftet, besonders schwer. Der Begriff Nachhaltigkeit umfasst nämlich unter anderem den sparsamen Umgang mit begrenzten Ressourcen, wie dem Wasser.

Wasser ist essenziell für Menge und Qualität
Da die modernen Apfelanlagen von einer hohen Wasserverfügbarkeit abhängen, um quantitativ befriedigende  Ernten sowie eine optimale Fruchtqualität erreichen zu können, wird eine relativ große Menge an Wasser regelmäßig zur Bewässerung eingesetzt.  
Die Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen (FUB)beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema des Wasserverbrauchs in Apfelanlagen. Im Jahr 2009 wurde dazu ein Messapparat in einer Apfelanlage (Sorte Fuji) in der Gemeinde Kaltern fest installiert, um kontinuierlich verschiedene Klimaparameter, die genaue Menge der Wasserverluste der Anlage sowie die Fotosyntheserate der Bäume messen zu können. Die eingesetzte Technik wird „Eddy Covariance“ genannt.
Das Gerät und die Forschungsarbeiten wurden maßgeblich von der Autonomen Provinz Bozen und dem Verein der Apfelproduzenten (ASSOMELA, zu deren Mitgliedern auch der Verband der Obstgenossenschaften Südtirols VOG und die Vinschgauer Produzenten VI.P zählen) gefördert.
In diesem Beitrag wird besonders der Wasserverbrauch in den Sommermonaten, also jener Zeit, in der die größte Wassermenge zur Bewässerung benötigt wird, dargestellt. Es werden die eingesetzten Mengen im Zeitraum von 2013 bis 2016 miteinander verglichen. Dieser Zeitraum kennzeichnet sich auch dadurch, dass das Sommerwetter in diesen Jahren sehr variabel war. Die Apfelanlage wurde in den untersuchten Jahren regelmäßig bewässert. Das Bodenwasser war immer für die Bäume verfügbar.
Grafik 1 zeigt den Jahrestrend von 2013 bis 2016 der Wasserverluste durch Evapotranspiration (ET). Die Mengen sind in Millimeter pro Tag (mm/Tag) angegeben. Um sie in Kubikmeter Wasser pro Hektar umrechnen zu können, wurden die Werte mit dem Faktor zehn multipliziert.

LW1904_Grafik Spezial1

In allen Untersuchungsjahren nahm der Wasserverbrauch bis zum Juli kontinuierlich zu. Je nach Jahr war die Evapotranspiration auch noch im August sehr hoch, nahm aber auch schnell wieder ab. Die Sommer 2014 und 2016 waren im Gegensatz zu den Jahren 2013 und 2015 relativ kühl (Tabelle 1). Insgesamt lag der jährliche Wasserverlust zwischen 683 mm (2014) und 764 mm (2013). Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, war die Evapotranspiration im Juli 2013 und 2015 viel größer als 2014 und 2016. Die höchsten Werte lagen bei 6,5 mm pro Tag. Sie wurden dann erreicht, wenn die Strahlung besonders intensiv und die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig waren (Grafik 1).  

LW1904_Grafik Spezial2

Klimawandel vermindert ­Wasser­effizienz
Es muss darauf hingewiesen werden, dass, während der Wasserverbrauch mit der Temperatur zunimmt, die Fotosyntheserate im Juli im Vergleich der Jahre relativ stabil bleibt (Tabelle 1). Als Beispiel dient Grafik 2, in der die täglichen Durchschnittswerte von Evapotranspiration und Fotosyntheserate im Juli 2014 und 2015 gegenüber gestellt werden. Auffällig ist dabei der unterschiedliche Trend der Evapotranspiration zwischen den beiden Jahren (Grafik 2 und Tabelle 1). Da die Fotosyntheserate, die verantwortlich ist für das Wachstum der Triebe und Früchte, relativ temperaturunabhängig ist, während die Evapotranspiration mit der Temperatur zunimmt, kann man davon ausgehen, dass der Klimawandel eine verminderte Effizienz des Wassers verursachen wird. Das bedeutet, dass künftig mehr Wasser benötigt wird, um bei den Bäumen das gleiche Wachstum und in den Anlagen dieselbe Leistung zu erzielen. Dies muss beim Anlegen neuer Anlagen bedacht werden. Technische Innovationen sind gefragt!

LW1904_Grafik Spezial3