Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 28.02.2019

Wir brauchen Europa, Europa braucht uns!

Mit einem klaren Bekenntnis zur Europäischen Union wartete der Südtiroler Bauernbund bei der Landesversammlung auf. Es wurde aber auch die Einheit der Bauern beschworen. Und Viktor Peintner für seine Verdienste um die Südtiroler Landwirtschaft ausgezeichnet.

Auf der Landesversammlung legte der Bauernbund – und mit ihm Gastredner Joachim Rukwied – ein klares Bekenntnis ab

Auf der Landesversammlung legte der Bauernbund – und mit ihm Gastredner Joachim Rukwied – ein klares Bekenntnis ab

Die Europäische Union als Garant für Frieden, Freiheit, Fortschritt und Wohlstand ist laut Landesobmann Leo Tiefenthaler eine Erfolgsgeschichte. Bei seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes im Bozner Waltherhaus unterstrich Tiefenthaler die vielen Vorteile, die das vereinte Europa habe, besonders auch für Südtirol. „In ein paar Wochen haben wir die Gelegenheit, dieses Europa zu stärken“, appellierte der Landesobmann.

Familien die Zukunft sichern
Europa brauche die Landwirtschaft und die Bauern, stellte Tiefenthaler klar. Denn die bäuerlichen Familien sorgen für ausreichend sichere und qualitativ hochwertige Produkte, pflegen die Landschaft als Grundlage und Motor für den Tourismus und alle weiteren Wirtschaftszweige, stärken somit auch den ländlichen Raum und sind grundlegend dafür verantwortlich, dass Arbeitsplätze auch in der Peripherie erhalten bleiben.

Umgekehrt müssen die Bauern aber auch die Möglichkeit haben, in ihrem Lebens- und Wirtschaftsraum agieren und sich und ihre Betriebe weiterentwickeln zu können. Dazu brauche es eine Modernisierung der Landwirtschaft um sie präziser, nachhaltiger und wirtschaftlich rentabler zu machen, es brauche aber auch Förderungen, um die ständig steigenden Anforderungen und Auflagen finanziell besser abzufedern und es brauche einen effizienten Schutz von Grund und Boden: „Denn der Boden ist unser Arbeitsplatz!“, unterstrich Tiefenthaler.

Künftig müsse es für Bauern auch eine bessere Absicherung gegen Wetterextreme geben, das betreffe aber nicht nur das Versicherungswesen sondern auch vermehrte Investitionen in Wasserreservoirs oder ressourcenschonende Bewässerungsmethoden. Auch bei der Betriebsnachfolge müssten Anreize geschaffen werden: „Nur sechs Prozent unserer Betriebsinhaber sind unter 36 Jahre alt. Wir müssen z.B. über die Junglandwirteförderung Anreize zur Betriebsübergabe schaffen“, sagte der Landesobmann.

Stabilität nötig
Für eine Stärkung der bäuerlichen Familien sprach sich auch Massimiliano Giansanti, Präsident des italienischen Bauernverbandes Confagricoltura, in seinen Grußworten aus. „Unsere Betriebe und Familien brauchen Stabilität, um für die Zukunft planen zu können“, sagte er im Hinblick auf die EU-Wahlen und unterstrich, dass die Landwirtschaft im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen vor allem auch soziale, gesellschaftliche und auch landschaftliche Aufgaben wahrnehme. Ein besonderes Augenmerk müsse auch künftig auf den Bergebieten liegen, schloss Giansanti.

Ein Bauernstand
Joachim Rukwied war als Präsident des deutschen Bauernverbandes und der europäischen Bauernverbände (Copa-Cogeca) Gastredner der diesjährigen Landesversammlung. Er richtete seine klaren Forderungen an die EU: „Vor allem brauchen wir ein stabiles Agrarbudget!“, sagte er unumwunden. Das Defizit, das der EU-Haushalt durch den Brexit verschmerzen müsse, belaufe sich auf schätzungsweise zehn bis zwölf Milliarden Euro. In Anbetracht der vielen Herausforderungen, die die Union derzeit zu bewältigen habe, müsse dieses Defizit von den verbleibenden Mitgliedsstaaten ausgeglichen werden. Auch sprach er sich dafür aus, durch die Ausgestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik die bäuerlichen Familien auf ihren Höfen bestmöglich zu stützen, egal ob über die erste oder die zweite Säule der Förderprogramme. „Der aktuelle Vorschlag von EU-Kommissar Phil Hogan ist eine gute Diskussionsbasis“, sagte Rukwied.

Sorge bereite ihm der gesellschaftliche Druck, der immer stärker auf den Bauern laste: „Wir sind ständig in der Kritik, müssen uns ständig rechtfertigen, egal ob es sich um das Insektensterben, den Pflanzenschutz oder die Düngung handelt. Immer wird uns vorgehalten, dass wir nur arbeiten um Geld zu verdienen. Dabei sind wir diejenigen, die wirklich nachhaltig wirtschaften, weil wir in Generationen denken und unseren Nachkommen einen funktionierenden, gesunden Hof weitergeben wollen.“ Deshalb müsse man als Bauernstand um die Freiheit kämpfen, selbst entscheiden zu dürfen, wie man mit dem eigenen Grund und Boden wirtschaftet, egal ob Biobauer oder konventioneller Bauer. „Für mich ist das kein Widerspruch“, sagte Rukwied und plädierte für Geschlossenheit: „Wir sind ein Bauernstand, wir dürfen keine Spaltung zulassen!“

Ländlichen Raum stärken
Geschlossen und einig zeigten sich die Vertreter der Landwirtschaft auch in der Empfehlung für Herbert Dorfmann bei den Wahlen des Europäischen Parlaments am 26. Mai. Herbert Dorfmann seinerseits unterstrich die gute Zusammenarbeit mit den Bauernverbänden in Südtirol, Österreich und Deutschland. Zwei Dinge seien ihm in all den Jahren seines Einsatzes im Europäischen Parlament klar geworden: Zum einen, dass eine Agrarpolitik, die auf bäuerliche Familienbetriebe schaue, auch dem ländlichen Raum den Rücken stärkt. Und zum anderen, dass es Solidarität zwischen den Bauern brauche: „Es gibt eben Gebiete, wo Landwirtschaft schwieriger ist, zum Beispiel im Berggebiet. Und da müssen die anderen verstehen, dass diese Gebiete mehr Geld zur Verfügung haben müssen und das auch unterstützen.“

Echtes Wolfsmanagement gefragt
Auch das Thema Wolf kam bei der Landesversammlung zur Sprache. Landeshauptmann Arno Kompatscher gab sich kämpferisch: „Wir brauchen ein echtes Wolfsmanagement, denn das, was die italienische Regierung derzeit macht, ist KEIN echtes Wolfsmanagement!“ Er sicherte den Bauern auch zu, dass die Bewässerung weiterhin gefördert wird. „Die entsprechende Regelung müssen wir aber ge­meinsam anpassen, sagte er in Richtung Bauernbundspitze und Landesrat Arnold Schuler. Was das Thema Anbaufreiheit anlangt, sagte Kompatscher: „Wir wollen keine Käseglocke sondern eine Landwirtschaft, die sich weiterentwickeln kann.“ Es brauche aber Regelungen, das Duo Schuler und Hochgruber Kuenzer sei für ihn Garant, dass praktikable Lösungen gefunden werden.


Viktor Peintner, ein Urgestein
Stehende Ovationen gab es für Viktor Peintner, der sich bei der Klausur vor zwei Wochen definitiv aus allen Gremien des Südtiroler Bauernbundes – zuletzt noch als Landesobmann-Stellvertreter – zurückgezogen hat. Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder würdigte in seiner Laudatio die geradlinige, ehrliche Art, mit der der Pusterer Bauer jahrzehntelang für die Landwirtschaft und den Bauernstand gearbeitet hat. Mit viel Witz gespickt umriss er den Charakter von Peintner, seinen unermüdlichen Einsatz aber auch seine bescheidene Art. „Heute aber musst du die Demut haben, diese Ehrung über dich ergehen zu lassen“, scherzte Durnwalder.
Viktor Peintner nahm das Ehrenzeichen in Gold, das ihm von Leo Tiefenthaler überreicht wurde, sichtlich gerührt entgegen. Dann bedankte er sich: Zunächst bei Gott, der ihn stets beschützt habe, bei seiner Familie und besonders bei seiner verstorbenen Frau Dorothea, die ihm immer den Rücken frei gehalten und unterstützt habe, bei den Politikern und vor allem auch bei den Bäuerinnen und Bauern, die ihm immer Vertrauen und Wertschätzung entgegen gebracht haben.