Südtiroler Landwirt, Produktion | 14.03.2019

Grünlanddüngung gut planen

Qualitativ hochwertige Futtererträge für das Milchvieh setzen einen entsprechenden Pflanzenbestand und ­eine angepasste Versorgung mit Nährstoffen voraus. Die optimale Nährstoffzufuhr mit – richtig eingesetzten – wirtschaftseigenen Düngern spielt im Grünland eine große Rolle. von Thomas Prünster, BRING

Nicht ratsam ist die Ausbringung von Festmist im Frühjahr, wie man hier am abgestorbenen Pflanzenmaterial sieht.

Nicht ratsam ist die Ausbringung von Festmist im Frühjahr, wie man hier am abgestorbenen Pflanzenmaterial sieht.

Die Nährstoffversorgung der Futterpflanzen mit mineralischen Volldüngern ist im Grünland nur in den Ausnahmefällen notwendig. Die hofeigenen Wirtschaftsdünger liefern nämlich die meisten notwendigen Nährstoffe, welche vor allem Futtergräser benötigen.
Für die Düngung des Grünlandes stehen je nach Bewirtschaftungssystem unterschiedliche Wirtschaftsdüngerformen zur Verfügung.
In erster Linie sind es Festmist, Jauche und Gülle, aber auch Biogasgülle, separierte Gülle und Kompost kommen immer häufiger zum Einsatz. Bei der Ausbringung der jeweiligen Wirtschaftsdünger müssen allerdings einige Grundregeln berücksichtigt werden. Vor allem zwischen Festmist und Jauche bzw. Gülle gibt es wesentliche Unterschiede.

Festmist immer im Herbst ausbringen
Ein Unterschied ist der ideale Düngungszeitpunkt. Die Ausbringung von Festmist
im Frühjahr wird generell nicht empfohlen.
Vor allem frischer Stallmist bewirkt eine zu starke Abdeckung der jungen Futtergräser wodurch diese aufgrund von Licht- und Sauerstoffmangel eingehen. Tiefwurzler
hingegen haben damit keine Schwierigkeiten.
Zudem besteht durch die Frühjahrsdüngung mit Festmist eine erhöhte Gefahr der Futterverschmutzung. Der ausgebrachte Mist hat nämlich nur mehr eine geringe Zeit in den Boden einzuwachsen. Wenn im Frühjahr die Futterpflanzen in die Vegetation kommen und zu rasch wachsen, wird der Festmist mit angehoben. Mit dem ersten Schnitt kann es dann passieren, dass dieser Mist mitgeerntet wird und somit ins Futter gelangt. Reste von Festmist verursachen beim Heu einen unangenehmen Geruch wodurch es vom Milchvieh nur mehr ungern gefressen wird. Bei Silagen besteht hingegen die Gefahr von Buttersäuregärungen und die Problematik der Clostridien.
Aus diesem Grund ist es empfehlenswerter, den Festmist immer im Herbst auf den Flächen zu verteilen. So können im darauffolgenden Frühjahr mit einer Mistegge oder einem Striegel Rückstände des Festmistes eingearbeitet werden.
Zudem sollte der Festmist gut abgelegen sein. Die Ausbringungsmenge sollte die 20 Tonnen pro Hektar nicht überschreiten.

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Jauche und Gülle richtig verteilen
Bei den flüssigen Wirtschaftsdüngern Jauche und Gülle hingegen ist vor allem die richtige Verteilung im Laufe des Futterjahres ausschlaggebend für einen effizienten Einsatz. Der Stickstoffgehalt im Rindermist liegt zu 90 Prozent als organisch gebundener Stickstoff vor. Dieser wirkt langsam und braucht bis zu zehn Jahre, um im Boden vollständig umgesetzt (mineralisiert) zu werden.
Zehn Prozent liegen als Ammoniumstickstoff (NH3-N) vor. Dieser ist als solcher für die Pflanzen sofort verfügbar. Rinderjauche besteht im Gegensatz zu Stallmist zu 90 Prozent aus diesem schnell verfügbaren Ammoniumstickstoff.
Aus diesem Grund eignet sich Jauche bestens als Startdünger im Frühjahr oder zwischen den Schnitten. Bei großer Hitze und Trockenheit kann eine Jauchedüngung zu Verätzungsproblemen führen. Um Verätzungen der Pflanzen vorzubeugen, sollte die Jauche immer mindestens im Verhältnis 1:2 mit Wasser verdünnt werden, auch die Witterungsbedingungen sind zu beachten.

Gülle besteht hingegen zu 50 Prozent aus organischem Stickstoff und zu 50 Prozent aus Ammoniumstickstoff. Sie ist somit in der Wirkung als Zwischenform von Stallmist und Jauche anzusehen, eignet sich aber ebenfalls gut, um im Frühjahr das Wachstum der Gräser anzutreiben und der Grasnarbe zwischen den Schnitten Nährstoffe zuzuführen. Auch hier sollte zumindest zwischen den Schnitten auf eine Verdünnung im Verhältnis von 1:0,5 (1/3 Wasser) nicht verzichtet werden.

Düngermenge pro Gabe ist ausschlaggebend
Bei Gülle und Jauche ist die Düngermenge pro Gabe ausschlaggebend. Bei zu hohen Düngergaben gelangt mehr Ammoniumstickstoff in tiefere Bodenschichten von dem tiefwurzelnde Pflanzen profitieren können.
Gerade bei der Düngung mit Jauche und Gülle im Frühjahr muss berücksichtigt werden, dass eventuell im Herbst des Vorjahres eine Düngung erfolgte und dessen Nährstoffe teilweise im Frühjahr für den Pflanzenbestand noch zur Verfügung stehen.
Der optimale Ausbringungszeitpunkt im Frühjahr ist kurz vor dem Vegetationsbeginn. Düngergaben von 15 Kubikmeter Gülle oder Jauche pro Hektar und Aufwuchs sollten deshalb nicht wesentlich überschritten werden. Vor der Ausbringung muss Gülle immer durch umrühren homogenisiert werden.

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Untersuchungen haben ergeben, dass bei ungerührter Gülle der Stickstoffgehalt zwischen zwei und sechs Kilogramm pro Kubikmeter variieren kann.
Bei einer Ausbringungsmenge von 15 Kubikmeter je Hektar kann die ausgebrachte Stickstoffmenge somit zwischen 30 und 90 Kilogramm pro Hektar schwanken.
Auch der Ausbringungszeitpunkt sollte stets so gewählt werden, dass die Grasnarbe aufnahmefähig für Nährstoffe ist. Im Herbst sollte die Grasnarbe nach der Ausbringung noch zehn bis 14 Tage in Vegetation – sprich grün – sein, damit die Nährstoffe aufgenommen werden können und als Reservestoffe für die kommende Vegetationsperiode zur Verfügung stehen. Zwischen den Schnitten soll der Pflanzenbestand nicht zu hoch sein, um eine Futterverschmutzung zu verhindern. Am besten ist es, die Bestände innerhalb von drei Tagen nach der Nutzung zu düngen – gute Witterungsbedingungen vorausgesetzt.

Um die Ausbringung der hofeigenen Wirtschaftsdünger am Betrieb optimal gestalten zu können, sollte auch ein Berater zu Rate gezogen werden. Denn neben den pflanzenbaulichen Faktoren müssen auch die Vorgaben des Gewässerschutzes berücksichtigt werden, welcher unter anderem ein Ausbringungsverbot zwischen 1. Dezember und 1. März sowie auf gefrorenen, schneebedeckten, mit Wasser gesättigten oder überschwemmten Böden und verschiedene Abstandsregelungen vorgibt.