Produktion, Südtiroler Landwirt | 14.03.2019

Waldschäden: Aufräumen bitte!

Südtirol war bisher von großen Waldschäden verschont geblieben. Bis zu den Unwettern im Oktober 2018. Die Landesabteilung Forst gibt Ratschläge für das Aufarbeiten. von Fabio Maistrelli, Landesabteilung Forstwirtschaft

Die Unwetter Ende Oktober 2018 hinterließen unter anderem in Welschnofen (im Bild) große Waldschäden. Nun wird landesweit aufgeräumt.

Die Unwetter Ende Oktober 2018 hinterließen unter anderem in Welschnofen (im Bild) große Waldschäden. Nun wird landesweit aufgeräumt.

Nur zu gut kennt man die Stürme, die periodisch über Europa hinwegfegen und gewaltige Spuren der Verwüstung hinterlassen und die wegen ihrer Stärke und Zerstörungskraft immer auch einen Namen tragen. Die Folgen sind katastrophale Schäden, auch in den Wäldern, in denen Millionen von Festmetern Holz am Boden liegen und weitere enorme Schäden durch Borkenkäfer-Kalamitäten entstehen.  
Danach wird aufgeräumt. Nach und nach wird alles beseitigt, das Holz an verschiedene Großabnehmer verkauft. Schlussendlich versucht man die Wiederbewaldung zu forcieren, wo überwiegend die Naturverjüngung zum Einsatz kommt.

Auch wir räumen auf
Südtirol wurde bislang von solchen Windstürmen verschont. Bis zum Oktober vergangenen Jahres, als orkanartige Stürme über das Land hinwegfegten und ganze Landstriche schwer in Mitleidenschaft zogen. Besonders Wälder wurden schwer von den Unwettern getroffen und teilweise niedergemäht. Auch ältere Manschen können sich nicht an solche oder ähnliche Waldschäden erinnern. Im Vergleich zu europäischen Verhältnissen sind die 1,5 Millionen Schadholz durch das Sturm-ereignis Ende Oktober 2018 aber eine relativ kleine Menge.

Die Unordnung wollen wir Südtiroler nicht, was sich auch bei anderen Naturereignissen zeigt, zum Beispiel bei abgegangen Muren, Lawinen, Überschwemmungen. Bald danach kommt Hilfe und es wird gemeinsam angepackt. Ähnlich war und ist es auch diesmal: Vor allem die kleinen Windwurfschäden von privaten Waldbesitzern sind deshalb zum Großteil bereits aufgearbeitet.

Aber auch bei großflächigen Windwürfen wurden bald schon die ersten Verträge mit Unternehmern zur Aufarbeitung und zum Verkauf des Holzes abgeschlossen. Bedingt durch die gute Wetterlage sind die Aufarbeitungsarbeiten landesweit im vollen Gange. Die meisten Waldbesitzer haben in der Zwischenzeit einen Partner für das Fallholz gefunden und entsprechende Verträge in der Tasche.

Es gibt aber auch nicht zugängliche Gebiete im unwegsamen Gelände oder in höheren Lagen. Und es gibt Waldstücke, wo eine Aufarbeitung der Schäden nicht rentabel ist oder andere Parameter für eine Aufarbeitung, ein Aufräumen ungünstig sind. An allen anderen Standorten aber wird aufgeräumt. Man rechnet deshalb damit, dass mit Ende 2019 ein Großteil der Arbeiten bereits abgeschlossen sein wird.

Frisches Holz ist gefragt
Das ist auch gut so. Der Markt verlangt frisches Holz. Wenn sich der Waldbesitzer entschließt, das Holz aufzuräumen, dann muss er es bald tun. Abwarten bringt nichts, auch wenn sich die Preise aufgrund des Überangebotes nahezu halbiert haben.
Die Zeitfenster sollte der Waldbesitzer jetzt nützen. In den Nachbarregionen (Trient, Belluno) sind die Aufräumarbeiten erst in der Startphase, aber im Frühjahr wird es auch dort richtig damit losgehen. Im Norden liegt viel Schnee, was ein Arbeiten im Wald nicht zulässt. Somit kommt kaum Holz aus den Wäldern dort.

Sobald das Schadholz unserer Nachbarregionen auf dem Markt kommt, wird das den Preis weiter unter Druck setzen. Ebenso ist es mit dem Holz unserer nördlichen Nachbarn. Derzeit arbeiten viele Unternehmer in unseren Wäldern, deshalb kommen die Arbeiten schnell voran. Wenn die Schneesituation im Norden wieder ein Arbeiten zulässt, wird wieder weniger Arbeitskraft bei uns zur Verfügung stehen.

Gefahr von Sekundärschäden
Es ist nicht nur eine Südtiroler Gesinnung, ein Brauch, eine Tugend, dass aufgearbeitet wird. Auch vom Standpunkt der Hygiene ist es das Beste für den Wald und für die Nachhaltigkeit. Bei einer sauberen Waldbewirtschaftung ist die Gefahr von Sekundärschäden am geringsten. Die zunehmend problematisch werdenden klimatischen Situationen sind in anderen Regionen deutlicher feststellbar und führen bei ähnlichen Schadereignissen immer öfters und stärker zu Sekundärschäden durch den Borkenkäfer.
Es wird wärmer, und verbunden mit mehr Feuchtigkeit bringt das mit sich, dass bis zu fünf Käfergenerationen über die Sommermonate Schadhölzer und in Folge auch geschwächte Bäume bevölkern und Kalamitäten auch gesunde Waldbestände angreifen und zerstören. Bei solchen Auswirkungen und solchen Prognosen sollte eigentlich jeder wissen, was zu tun ist.

Streuholz
Nichtdestotrotz werden genügend Bäume im Wald liegen bleiben, die verstreut herumliegen und nicht aufgearbeitet werden können oder die auch unerreichbar bleiben. In den höheren Lagen sollte aufgrund der kurzen Vegetationszeit und der tieferen Temperaturen nicht viel passieren. In den tieferen Lagen muss man aber die gesamte Entwicklung (Klima, Borkenkäferflüge) beobachten und dann entsprechend reagieren.