Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Südtiroler Landwirt | 28.03.2019

Bäuerinnen: Stabwechsel gelungen

Mit überwältigender Mehrheit wurde Antonia Egger am Sonntag zur neuen Landesbäuerin gewählt. Sie folgt auf Hiltraud Erschbamer und wird künftig mit Margit Gasser und Bettina Kofler die Führung der Bäuerinnenorganisation übernehmen.  von Renate Anna Rubner

Ein prächtiges Bild wie jedes Jahr am Landesbäuerinnentag: Die Bäuerinnen aus allen Landesteilen in ihren bunten Trachten

Ein prächtiges Bild wie jedes Jahr am Landesbäuerinnentag: Die Bäuerinnen aus allen Landesteilen in ihren bunten Trachten

Mit einem Pfiff begann der diesjährige Landesbäuerinnentag. Ein Pfiff, mit dem Pater Martin Maria Steiner den aus allen Landesteilen zahlreich angereisten Bäuerinnen klar signalisierte, dass die Veranstaltung beginnt. Und schon war Ruhe im Saal, der Geistliche konnte mit dem Festgottesdienst beginnen, nachdem Maria Egger, scheidende Landesbäuerin-Stellvertreterin, zu vestehen gegeben hatte, dass es höchste Zeit sei. Pater Martin hatte verstanden, wer die Bäuerin am Hof ist: Mit einem Schmunzeln versprach er, sich kurz zu fassen und den fünf Seiten langen Fastenhirtenbrief des Bischofs zusammenzufassen. Darin geht es in diesem Jahr vor allem um Solidarität. „Solidarität gehört zur christlichen Identität“, steht im Hirtenbrief, „denn solidarisch ist auch Jesus mit uns geworden.“ Deshalb rief Pater Martin die Bäuerinnen dazu auf, füreinander einzustehen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, Sorge zu tragen für die Menschen und für die Schöpfung. „Denn wir sind nicht Kundinnen und Kunden in einem Dienstleistungssystem!“, mahnte er und rief gleichzeitig zur Umkehr auf: „Lasst uns jeden Tag umkehren, zurück zu Christus, der den Durst unserer Seelen stillt.“

Vertrauen ist ein guter Nährboden
Um Aufbruch und Neuanfang ging es in der Festansprache von Hiltraud Erschbamer. „Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir uns wünschen“, motivierte sie die Bäuerinnen im übervoll besetzten Auditorium Josef Haydn in Bozen. Sichtlich stolz war die scheidende Landesbäuerin auf den erhebenden Anblick der in Tracht gekleideten Funktionärinnen. Und sie verlieh diesem Stolz auch Ausdruck: „Mit 16.000 Mitgliedern, die in insgesamt 154 Ortsgruppen landesweit organisiert sind, sind wir die stärkste Frauenorganisation unseres Landes. Und gemeinsam mit den anderen bäuerlichen Organisationen, Bauernbund, Seniorenvereinigung und Bauernjugend verkörpern wir die bäuerliche Familie.“
Trotzdem mache ihr so manche Entwicklung auch Sorge, ja, Angst. „Jammern hilft aber nichts, vielmehr heißt es anzupacken und die Zukunft aktiv mitzugestalten“, ermutigte Erschbamer. Der Wind der Veränderung bewege manche dazu, Mauern zu bauen, während andere dazu beflügelt werden, Windmühlen zu errichten, zitierte die Landes­bäuerin einen Spruch. Sie rief dazu auf, den Mut und das Vertrauen zu haben, um Veränderungen zuzulassen und mitzugestalten. Und zwar Vertrauen zu sich selber, aber auch zu anderen. „Denn gegenseitiges Vertrauen ist ein guter Nährboden“, sagte Hiltraud Erschbamer und schloss ihre Festrede mit dem Appell: „Deshalb lasst uns Vertrauen säen. Denn nur wer Vertrauen sät, kann auch Vertrauen ernten!“

Antonia Egger erhält überwältigende Mehrheit
Als Vertrauensvorschuss wertete Antonia Egger die überwältigende Mehrheit, mit der sie zur neuen Landesbäuerin gewählt wurde: Von den insgesamt 422 Stimmrechten wurden 388 abgegeben, 384 waren gültig, und ganze 383 entfielen auf Antonia Egger, die seit acht Jahren den Bezirk Bozen als Bezirksbäuerin geleitet hatte.
Als ihre Stellvertreterinnen kandidierten Bettina Kofler aus Steinegg, Margit Gasser aus Villanders und Maria Mair aus Lana. Die Wahl fiel hier knapp aus, letztendlich wurden Margit Gasser mit 143 und Bettina Kofler mit 122 Stimmen zu Landesbäuerinnen-Stellvertreterinnen gewählt, Maria Mair erhielt 115 Stimmen und schaffte so den Sprung in die Landesführung nicht.
„Ich verspreche euch, dass ich und der ganze Landesbäuerinnenrat uns mit Begeisterung und Einsatz einbringen werden“, sagte Antonia Egger nach der Wahl. Sie nahm aber auch die Bäuerinnen in die Pflicht, indem sie von ihnen forderte, alle Anliegen und Anregungen an den Landesbäuerinnenrat heranzutragen, damit man damit arbeiten könne. „Denn nur so können wir für uns alle, für unsere Familien, unsere Betriebe, für den gesamten ländlichen Raum und für unser Land etwas erreichen“, sagte sie. Sie freue sich auf die nächsten vier Jahre.

Stehende Ovationen für Hiltraud Erschbamer
Auf die letzten acht Jahre als Landesbäuerin blickte Hiltraud Erschbamer zurück: Es sei viel erreicht worden, darauf sei sie stolz: Vom Dienstleistungsportal der Südtiroler Bäuerinnen, dem Trachten- und dem Brauchtumsbuch über das Höfegesetz und das Gesetz zur sozialen Landwirtschaft bis hin zur 35-Jahr-Feier mit der Fahnenweihe – dies alles seien Meilensteine in ihrer Amtszeit gewesen. Sie bedankte sich bei ihren beiden Stellvertreterinnen Maria Egger und Helga Lantschner, beim gesamten Landesbäuerinnenrat, bei den Bezirksbäuerinnen und Funktionärinnen und nicht zuletzt bei den Mitarbeiterinnen des Büros der Südtiroler Bäuerinnenorganisation im Bauernbund Bozen. „Danke für euer Vertrauen! Es war mir eine Ehre, an der Erfolgsgeschichte unserer Organisation mitzuwirken“, schloss sie und erhielt einen langen Applaus und stehende Ovationen. Viel Anerkennung und Dank kamen auch von Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer und von Renate Gebhard, Kammerabgeordnete in Rom. Die beiden gratulierten auch der neuen Landesbäuerin Antonia Egger und ihren beiden Stellvertreterinnen und wünschten dem neuen Führungstrio viel Erfolg.

Bitte geht zur Europawahl!
Auch EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann bedankte sich bei Hiltraud Erschbamer und bei den Bäuerinnen: „Ihr seid immer sehr fordernd gewesen. Und das ist auch in Ordnung so, denn ihr wisst genau, was ihr wollt.“ Politik funktioniere nur im Austausch, deshalb sei es wichtig, gute Kontakte zu halten.
Dann richtete er einen Appell an die Bäue­rinnen: „Bitte geht zur Europawahl, schleift eure Männer mit und die Kinder! Das seid ihr ja gewohnt“, scherzte er. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Europäische Union einfach funktioniere, die Staaten selbstverständlich zusammenarbeiten. Das sei nun aber nicht mehr sicher. „Es ächzt im Gebälk“, mahnte Dorfmann und bat darum, Veränderungen nicht mit Mauern zu begegnen, sondern offenzubleiben in einem Europa, das Einheit schaffe und dabei die Einzigartigkeit nicht gefährde. „Haben wir in diesem vereinten Europa unsere Kultur, unsere Vielfalt verloren? Nein, wenn man hier ins Publikum schaut, dann wird wohl jedem klar werden, dass es nicht so ist, im Gegenteil!“, sagte er.

Bin stolz, dass Ihr „meine“ Bäuerinnen bleibt
Arnold Schuler gab seiner Freude Ausdruck, für weitere fünf Jahre Landesrat für Landwirtschaft zu bleiben: „Ihr seid und bleibt also ,meine‘ Bäuerinnen“, sagte er stolz, denn es gebe keine andere Veranstaltung, die ihn immer wieder so beeindrucke wie der Landesbäuerinnentag. Das habe mehrere Gründe: Die wunderbare Kulisse durch die vielen Frauen in ihren Trachten, Geschichte und Tradition, die in diesem Auditorium jedes Mal aufs Neue spürbar werden, die Witwenehrung, die ihn jedes Jahr aufs Neue beeindrucke, die Kür der Bäuerin des Jahres und vor allem die Zuversicht, das Selbstbewusstsein und der Stolz, die die Bäuerinnen an „ihrem“ Tag ausstrahlen.
Der Landesrat sprach auch die vielen Kritikpunkte an, die seitens der Gesellschaft an die Bäuerinnen und Bauern herangetragen werden: „Da heißt es ,Pestizid-Lobby‘ oder ,nicht nachhaltig‘. Als Antwort brauche ich nur in diesen Saal zu blicken. Denn das ist das Bild, das diese Vorwürfe Lügen straft!“, sagte er.