Bauernbund | 05.04.2019

„Wir brauchen mutige Politiker“

Die Bevölkerung im Wipptal ist sehr besorgt. Das wurde bei dem Informationsabend zum Wolf, organisiert von den Bauernbund-Ortsgruppen des Wipptales, im Vereinshaus in Stilfes klar. Rund 400 Bürger und Bauern machten ihrem Ärger Luft. Sie forderten ein entschiedenes Vorgehen gegen die Wölfe zum Schutz der Bevölkerung und des Weideviehs.

Das Thema Wolf bewegt die Bevölkerung im Wipptal. Etwa 400 Bürger und Bauern kamen zum Info-Abend nach Stilfes.

Das Thema Wolf bewegt die Bevölkerung im Wipptal. Etwa 400 Bürger und Bauern kamen zum Info-Abend nach Stilfes.

Thomas Seehauser, Bauernbund-Obmann von Freienfeld, brachte in seinen Grußworten die Forderung der Bauern und Tierzüchter auf den Punkt: „Wir brauchen Politiker, die in Sachen Wolf mutige Entscheidungen treffen.“ Und SBB-Bezirksobmannstellvertreter Matthias Braunhofer, der Vertreter der Forst, des Amtes für Jagd- und Fischerei sowie der Politik zum Informationsabend eingeladen hatte, ergänzte: „Sie sollen uns sagen, wie die Situation ist und wie wir mit dem Wolf umgehen sollen.“ 

Drei Wölfe im Wipptal

In der Gemeinde Freienfeld seien nicht zwei, sondern drei Wölfe beobachtet worden, informierte Walter Rienzner von der Dienststelle für Jagd- und Fischereiaufsicht. Insgesamt seien neun Wildtierrisse durch Wölfe dokumentiert worden. Rienzner stellte klar, dass die Wölfe von sich aus ins Wipptal kommen. „Wir sind in Südtirol umzingelt von Wolfsrudeln“, sagte Rienzner. „Einzelne Tiere machen weite Wanderungen und können so überall auftauchen.“
Mehrere Teilnehmer der Veranstaltung warfen Rienzner sowie Amtsdirektor Luigi Spagnolli wurde, Bürger und Gemeindeverwaltung zu wenig über Wolfsichtungen zu informieren. „Wir als Bürgermeister werden ständig über alles informiert, nur nicht über den Wolf“, kritisierte die stellvertretende Bürgermeisterin von Freienfeld Verena Überegger. Kritik am Amt gab es außerdem für das ungefragte Anbringen von Kameras auf Privatgrund und für fehlendes Verständnis für die Ängste der Bevölkerung vor dem Wolf. Spagnolli verteidigte das Vorgehen des Amtes und unterstrich, dass das Amt weder für noch gegen Wölfe sei. Für Entnahmen fehlten derzeit die rechtlichen Grundlagen.

Umweltministerium gegen vorbeugende Entnahmen
Dass in Rom in dieser Angelegenheit so schnell kein Umdenken zu erwarten ist, bestätigten Senator Meinhard Durnwalder und Kammerabgeordneter Albrecht Plangger. Beide zeigten sich unzufrieden mit dem Wolfsplan von Umweltminister Costa, der keine vorbeugenden Entnahmen vorsieht. „Unser Weg läuft derzeit über die Lega und das Landwirtschaftsministerium.“
Von einem „eigenartigen Umgang mit dem Wolf in Italien“ sprach Jagdverbandsdirektor Heinrich Aukenthaler. „Die Wolfszahlen steigen dramatisch, es gibt bald 3.000 Wölfe in Italien. Der absolute Schutzstatus entzweit die Bevölkerung und führt zu illegaler Selbstjustiz gegenüber dem Tier.“ Auch Aukenthaler sprach von der Notwendigkeit legaler Regulierungsmaßnahmen.
Daniel Gasser, Bezirksobmann und Landesobmann-Stellvertreter im Südtiroler Bauernbund, unterstrich, dass das Ziel ein wolfsfreies Südtirol sein müsse. „Der Wolf vermehrt sich derart stark, dass sein absoluter Schutz überholt ist.“ In anderen EU-Ländern seien Entnahmen sehr wohl möglich. „Daher setzen wir auf die Politik, dass wir das auch bei uns so handhaben können.“ Gasser hält Südtirol und das Wipptal für keinen geeigneten Lebensraum für den Wolf.  „Wir haben bis ins Gebirge Kulturlandschaft, wo der Wolf keinen artgerechten Platz findet.“

Herdenschutz ist großer Aufwand

Zur Sprache kam beim Informationsabend auch der Herdenschutz. Konrad Pfattner vom Amt für Bergwirtschaft informierte über Vor- und Nachteile von Zäunen, Hirten und Herdenschutzhunden. „Hunde schützen die Herde vor allen Eindringlingen. Dabei unterscheidet der Hund nicht zwischen Wolf und Wanderer“, gab Pfattner zu bedenken. Herdenschutz funktioniere nicht zu hundert Prozent und sei für kleine Tierhalter vom Aufwand her nicht immer zu stemmen. „Dennoch müssen wir uns fragen, was die Alternative ist“, so Pfattner.

Angst um Kinder, die am Waldrand spielen
Bei den zahlreichen Wortmeldungen äußerte sich anschließend der Unmut von Bürgern und Bauern über fehlende Handlungsmöglichkeiten gegen den Wolf. Mehrere Teilnehmerinnen zeigten sich um die Sicherheit der Menschen besorgt und fragten, ob Kinder noch ungefährdet am Waldrand spielen können.

Almwirtschaft in Gefahr

Viele Teilnehmer sorgen sich auch um die Zukunft der Almwirtschaft und der Weidehaltung im Wipptal. Der Wolf bedeute das Ende für Kleinproduzenten, die Tiere nachhaltig halten und auf den Almen weiden lassen wollen. Ein Tierhalter stellte klar, dass jeder Bauer lieber seine Tiere als eine Entschädigung hat. Mehrmals wurde dazu aufgerufen, klarer für die Almwirtschaft Stellung zu Beziehung.