Produktion, Südtiroler Landwirt | 11.04.2019

Eine (Apfel-)Sorte hat viele Väter

Am Versuchszentrum Laimburg wurde kürzlich mit VI.P und VOG der Lizenzvertrag für das Sortenzüchtungsprogramm abgeschlossen. Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer eigenen Südtiroler Apfelsorte, am Ziel ist man damit aber noch (lange) nicht. von Renate Anna Rubner

Die Väter des Sortenzüchtungsprogramms am VZ Laimburg: (v. l.) Michael Oberhuber, Walter Guerra, Hermann Mantinger und Reinhold Stainer.

Die Väter des Sortenzüchtungsprogramms am VZ Laimburg: (v. l.) Michael Oberhuber, Walter Guerra, Hermann Mantinger und Reinhold Stainer.

Wie lange es dauert, bis aus klassischer Sortenzüchtung mit Kreuzungen und Selektionen eine vielversprechende neue Sorte entsteht, belegt die Tatsache, dass das Sortenzüchtungsprogramm des Versuchszentrums Laimburg im Jahr 1995 seinen offiziellen Anfang nahm: unter Hermann Mantinger, der damals Direktor des Versuchzentrums war.

Kürzlich stellte der aktuelle Direktor, Michael Oberhuber, das Sortenzüchtungsprogramm der Öffentlichkeit vor: „An der Laimburg wird seit über 20 Jahren auf diesen Tag hin gearbeitet“, sagte er. Nun sei der Moment gekommen, an dem man mit den Lizenznehmern den entsprechenden Vertrag unterzeichnen könne. Er sei froh darüber, dass man über einen transparenten, sicheren Weg zwei kompetente Südtiroler Lizenznehmer – nämlich VOG (Verband der Obstgenossenschaften Südtirols)  und VI.P (Vinschgauer Produzenten) – habe ausfindig machen können, in deren Hände man die neu entwickelten Sorten nun legen könne.

Bei der Vorstellung des Programms wurde auch der entsprechende Lizenzvertrag zwischen Versuchszentrum Laimburg und den beiden Vermarktungsorganisationen unterzeichnet.

Mit VOG und VI.P kompetente Lizenznehmer
Walter Guerra, der als Leiter der Arbeitsgruppe Pomologie nun schon seit Jahren an dem Züchtungsprogramm arbeitet, hatte eine ganze Reihe vielversprechender neuer Sorten als Anschauungsmaterial mitgebracht. Mit seinem Team, das aus mittlerweile acht ­Personen besteht, hat er in akribischer Kleinarbeit bestäubt, ausgesät, bonitiert und ausselektioniert. Die Südtiroler Apfelvermarkter haben ihre Erfahrung und ihre Expertise in dieses Sortenzüchtungsprogramm mit eingebracht, schließlich lautet die letztendliche Frage in der Züchtung neuer Sorten: Was verlangt, der Markt? „Dieser Input war und ist maßgeblich für den Erfolg des Sortenzüchtungsprogramms, nun braucht es kompetente Partner, die die neuen Sorten auch am Markt einführen können“, sagte Guerra, der mit dem Lizenzvertrag nun seine „Kinder“ in die Hände von VOG und VI.P weitergibt.

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Nächster Schritt: Prüfung auf Herz und Nieren
Deren Obmänner Georg Kössler und Thomas Unterhofer unterzeichneten den Vertrag als Lizenznehmer. Kössler äußerte seine Freude darüber, dass die rechtlichen und formellen Hürden endlich auch genommen seien. Nun ist es Aufgabe des VOG und der VI.P, sozusagen als Adoptivväter die vielversprechendsten Sorten in Zusammenarbeit mit dem Sortenerneuerungskonsortium Südtirol (SKS) in verschiedenen Standorten und Höhenlagen Südtirols zu testen und ihre Eigenschaften auf Herz und Nieren zu prüfen. Dazu gehört neben der Ausfärbung zum Beispiel auch das Lagerverhalten der Sorten. Parallel dazu werden laut Kössler auch Konsumentenbefragungen durchgeführt, um deren Meinung zu den neuen Sorten einzuholen, damit am Ende all dieser Untersuchungen eine klare Entscheidung getroffen werden kann, nämlich ob diese Sorten am Markt eingeführt werden sollen. „Das ist noch ein langer Weg, aber wir werden ihn nun gemeinsam beschreiten, und ich bin zuversichtlich, dass wir Erfolg damit haben“, sagte Kössler.

Noch Züchtungsnummern als Namen
Ganz konkret geht es vor allem um zwei Sorten, die aus dem Sortenzüchtungsprogramm als besonders vielversprechend hervorgegangen sind und nun von den Vermarktern bei VOG und VI.P unter ihre Fittiche genommen werden: Noch tragen sie Züchtungsnummern als Namen, nämlich einerseits Lb 17906, eine Kreuzung aus Topas und Goldrush, die beide Vf-Resistenzgene tragen und sie an ihre Nachkommen weitergegeben haben. Eine Sorte, die laut Walter Guerra eher spät reift und super lagerfähig ist.
Andererseits die Nummer Lb 4852, eine Kreuzung zwischen Golden Delicious und Braeburn: Dieser Apfel ist sowohl äußerlich als auch vom Geschmack her etwas Einzigartiges: Er ist relativ klein und hat eine raue Schale, wie man sie von der alten Sorte Lederer kennt. Im Geschmack hebt er sich auch sehr deutlich von den bekannten Sorten ab und erinnert an eine reife Birne oder sogar exotische Früchte. Er hat zwar keine bekannte Resistenzquelle, erweist sich aber im Feld als robust. Auch diese Sorte ist eher spät reifend und muss deshalb vor allem noch auf ihre Eignung für höhere Lagen hin geprüft werden.

In unserer Printausgabe lesen Sie, was Hermann Mantinger zu den neuen Sorten zu erzählen hat.