Südtiroler Landwirt, Bäuerlicher Notstandsfonds | 11.04.2019

Großes Vertrauen, großer Dank

Wenn der „Bäuerliche Notstandsfonds – Menschen helfen“ zu seiner Jahresversammlung einlädt, kommen Freunde aus allen Landesteilen. Sie sehen eine beeindruckende Bilanz der Hilfe. Dem Verein war es wichtig, für das große Vertrauen aller Unterstützer zu danken. 

Wie der Bäuerliche Notstandsfonds als Teil eines großen Netzwerkes arbeitet, wurde auf der diesjährigen Vollversammlung einmal mehr deutlich.

Wie der Bäuerliche Notstandsfonds als Teil eines großen Netzwerkes arbeitet, wurde auf der diesjährigen Vollversammlung einmal mehr deutlich.

Seit 29 Jahren lädt Obmann Sepp Dariz einmal im Jahr zur Jahreshauptversammlung des „Bäuerlichen Notstandsfonds – Menschen helfen“ (BNF) ein. Jedes Mal wächst die Schar der Teilnehmer und verdeutlicht einmal mehr das kaum überschaubare Ausmaß der Hilfstätigkeit dieses Vereins. Für Dariz ist es vor allem Gelegenheit, die Öffentlichkeit auf das oft stille Leid der Betroffenen hinzuweisen. Mit dem Motto „Euer Vertrauen, unsere Stärke“ brachte Dariz seinen Dank zum Ausdruck: „Wer uns auch nur einen Euro spendet, zeigt uns damit, dass er uns vertraut.“
Dieser Vorschuss der Südtiroler Bevölkerung sei eine große Herausforderung, aber er motiviere den Vorstand auch weiterzumachen.“ Wie weit das Netz dieses Vertrauens reicht, zeigt allein die Liste der Gäste bei der Versammlung am Donnerstag vergangener Woche in der Kellerei Burggräfler Meran in Marling: Amtierende und ehemalige Mitglieder der Landesregierung, Vertreter aller bäuerlichen Organisationen, anderer Wirtschaftsverbände und Hilfsorganisationen, dazu die vielen Partner, privaten Unterstützer und Firmen, die durch ihre Tätigkeit oder mit Spenden und Benefizaktionen das ganze Jahr über dafür sorgen, dass der Bäuerliche Notstandsfonds über eine so große finanzielle Basis für seine umfangreiche Hilfstätigkeit verfügen kann.

1,75 Mio. Euro Hilfe ausbezahlt
Diese Basis konnte sich auch im Jahr 2018 sehen lassen: Rund 1,66 Millionen Euro an Spenden gingen auf den Konten des Bäuerlichen Notstandsfonds ein. Gleichzeitig gewährte der Verein 1,75 Mio. Euro an Unterstützung. 45.000 Euro davon kamen aus dem „Steuerbeitrag fünf Promille“, den Steuerzahler in ihrer Steuererklärung dem Notstandsfonds zugewiesenen haben. In zwölf Sitzungen hat sich der Vorstand mit 120 Ansuchen beschäftigt. 14 davon musste der BNF ablehnen. 65 der unterstützten Familien kamen aus bäuerlicher, 55 aus nicht-bäuerlicher Herkunft. Die Ursachen waren vielfältig: Tod und schwere Krankheiten, aber auch Brand- und Unwetterkatastrophen. Insbesondere bei Krankheits- und Todesfällen ist rasche und unkomplizierte, finanzielle Soforthilfe notwendig. Dariz erinnerte: „Man glaubt es nicht, aber es gibt die versteckte Armut. Manchmal ist nicht einmal das Geld für Beerdigungskosten vorhanden.“
Gerade für diese unkomplizierte, schnelle Hilfe erntete der Notstandsfonds Lob von höchster Stelle: Sowohl Landeshauptmann-Stellvertreter und Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler als auch die Landesrätin für Soziales Waltraud Deeg wiesen darauf hin, dass die Landesverwaltung zwar oft helfen kann, aber nicht immer. So sagte Schuler: „Wir haben zum Glück ein gutes soziales Auffangnetz. Trotzdem bleiben Lücken, und ihr füllt diese Lücken!“ Ähnlich sprach Deeg über „die einzuhaltenden Amtswege, die oft eine flexible, schnelle Hilfe erschweren. Wenn dann Menschen in Not zu mir kommen, ist es gut zu wissen, dass ich bei euch anrufen kann.“

Hilfe auf vielen Schienen
Dankend nahm Dariz dieses Argument auf: Oft brauchen Menschen nicht nur Geld, sondern noch mehr konkrete Hilfe: ein Dach über dem Kopf oder die koordinierende Hilfe beim Wiederaufbau, oder eine ordnende Hand, die hilft, mit dem Geld wieder richtig umzugehen. Hier richtete sich Dariz in seiner unverwechselbaren Mischung aus freundlichem Witz und verbindlicher Bitte an den für Zivilschutz zuständigen Landesrat Schuler: „Unsere Blockhäuser geben Menschen nach Katastrophen ein Dach über dem Kopf. Wir bräuchten sogar mehr solche Häuser. Aber wenn sie gerade nicht gebraucht werden, müssen wir sie irgendwo zwischenlagern.“ Der Verband der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols wäre bereit zu helfen. „Aber das muss die Politik genehmigen“, sagte Dariz und ging davon aus, dass Schuler verstand.
Ausführlich berichtete Dariz darüber, auf wie viel verschiedenen Schienen der BNF hilft: Zum Beispiel durch die Förderkredite mit günstigem Zinssatz, die über „Ethical Banking“ mit der Raiffeisenkasse Bozen und Partnerkassen in Südtirol ausbezahlt werden. Oder Sonderprojekte in der Berglandwirtschaft, um jungen Familien eine Zukunftsperspektive zu geben. Besonderes Augenmerk galt den Kindern und Jugendlichen in familiär schwierigen Situationen. Über das Projekt „Zukunft schenken“ wurden Schul- und Studienbeihilfen gewährt. Dabei gehen die Spendengelder zur Gänze an die Betroffenen und müssen nicht für Verwaltungsausgaben verwendet werden, die zu drei Vierteln mit Hilfe der Steuerzahler gedeckt ist – durch die Zuwendung der fünf Promille aus der Einkommenssteuer.

Schecks von Flugrettern und Kiwanis Club Bozen
Dariz blickte auch auf die vielen Spenden und Spendenaktionen von Privaten, Hilforganisationen udn Firmen im Jahr 2018 zurück. Symbolisch für alle übergaben zwei der treuesten und Unterstützer direkt bei der Versammlung einen beträchtlichen Spenden-Scheck: Zum einen die Flugretter von der Südtiroler Landesflugrettung und von Aiut Alpin. 23.000 Euro hatten sie mit ihrer jährlichen Kalenderaktion gesammelt, bei der Freiwillige insgesamt 2000 Flugretter-Kalender verteilen.
Der zweite Scheck über 10.000 Euro kam vom Kiwanis Club Bozen, der damit das Projekt „Zukunft schenken“ unterstützt.

Vorbild für die Gesellschaft
Voll des Lobes waren die Ehrengäste. Schuler sagte: „Ihr handelt immer gerecht. So werdet ihr zum Vorbild. Denn auch in unserer modernen Gesellschaft müssen wir zusammenhalten!“ Wie Schuler sprach auch Deeg das Vertrauen an, das der BNF genießt: „Es ist euer größtes Kapital“, sagte sie und verglich den BNF mit Schutzengeln, die auch die Menschen in größter Not finden.“
Der Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler erkannte die Belastung an, der sich Dariz und die Vorstandsmitglieder immer wieder aussetzen: „Ihr beschäftigt euch tagtäglich mit dem Leid anderer.“ Auf der anderen Seite steht aber auch die Freude: „Ihr könnt immer wieder neu helfen, und das beschert euch mit eurem Ehrenamt dann doch wieder viel Genugtuung.“
Wie schon Schuler und Deeg zuvor, sicherte auch Tiefenthaler dem Verein seine Hilfe zu: „Wie du, Sepp Dariz, gesagt hast: Gemeinsam sind wir BNF! Wir vom Bauernbund werden weiterhin stark mithelfen.“

Lesen Sie in der aktuellen Printausgabe des „Südtiroler Landwirt“, wie der ehemalige SBB-Vizeobmann Viktor Peintner den BNF sieht.