Politik, Produktion | 12.04.2019

IP: „Aschenputtel“ der Landwirtschaft?

Was haben die integrierte, biologische und bio-dynamische Anbauweise mit „Aschenputtel“ gemeinsam? Im Märchen wird die Stieftochter vernachlässigt und allen Übels beschuldigt. In der Landwirtschaft nimmt diese Position vielfach die integrierte Anbauweise (IP) ein. Die italienische Politik erkennt und reagiert.

Bauern wollen beim Pflanzenschutz weder sich selbst noch die Konsumenten gefährden. (Foto: Matthias Matscher)

Bauern wollen beim Pflanzenschutz weder sich selbst noch die Konsumenten gefährden. (Foto: Matthias Matscher)

Elena Cattaneo ist italienische Pharmakologin, Universitätsprofessorin an der Universität Mailand und seit 2013 Senatorin auf Lebenszeit im Senat des italienischen Parlaments. In der italienischen Tageszeitung „Il Messaggero“ äußert sie sich über einen Pestizid-Antrag, der Ende Februar in der italienischen Abgeordnetenkammer behandelt wurde. Dieser Antrag unterstützt eine innovative Landwirtschaft, die gesunde und bezahlbare Lebensmittel sichert.
„Pflanzenschutzmittel schützen die Pflanzen vor ihren Feinden und sind in der richtigen Dosierung anzuwenden. Eingesetzt werden sie sowohl in der biologischen als auch in der integrierten Produktion“, erklärt Cattaneo.

IP-Lebensmittel sind sicher 
Die integriert und biologisch arbeitenden Landwirte sind darauf bedacht, die Pflanzenschutzmittel in der richtigen Dosis einzusetzen, damit weder die Landwirte selbst noch die Konsumenten gefährdet sind. „Pflanzenschutzmittel sind die am besten überprüften Moleküle, die Zulassung langwierig, teuer und streng“, betont die Senatorin.
Die Lebensmittel aus der integrierten Anbauweise gelten als die sichersten. Dass dem so ist, betont auch Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) in Deutschland: „Kein Bereich ist so gut kontrolliert wie der Pflanzenschutz. Staatliche Institutionen bewerten Risiken und legen Rückstandshöchstgehalte in Lebensmitteln fest. Diese müssen so niedrig sein, dass man auch bei lebenslanger Einnahme keinen gesundheitlichen Schaden erleidet“, erklärt Hensel die Reglementierung.

Pflanzenschutzmittel sind notwendig 
Pflanzenschutzmittel sind für die Landwirtschaft notwendig, um Lebensmittel in bestimmter Qualität und Menge zu produzieren. Die Erträge aus einer Produktion ohne Pflanzenschutzmittel reichen nicht aus, um die Menschen zu ernähren. „Die integriert arbeitenden Landwirte setzen die Pflanzenschutzmittel mit Bedacht ein. Sie überprüfen mit Intelligenz, Erfahrung und den Regeln entsprechend, welche der zahlreichen Technologien für ihre Felder am besten geeignet sind. Auch in der biologischen und biodynamischen Anbauweise kommen Pflanzenschutzmittel zur Anwendung, auch wenn sie im Falle von Kupfer mehr verschmutzen als die entsprechenden chemischen Produkte“, erklärt Cattaneo.

Apfelkonsortium begrüßt den Antrag 
Der Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, Georg Kössler, begrüßt den Antrag der italienischen Abgeordnetenkammer. „In letzter Zeit war die integrierte Obstwirtschaft immer wieder sehr viel Kritik ausgesetzt. Dabei produzieren wir nicht nur schöne und schmackhafte, sondern auch gesunde Äpfel. Demnach freut es mich, dass auch die italienische Politik die Bedeutung der integrierten Landwirtschaft erkennt und eine ständig nachhaltigere Landwirtschaft fördert“, resümiert Kössler.
Mit dem Antrag der Abgeordnetenkammer verpflichtet sich die italienische Regierung Forschungsprogramme zu unterstützen, mit denen zunehmend nachhaltig produziert werden kann.