Südtiroler Landwirt, Produktion | 24.04.2019

Klare Regeln für Einsatz von Phosphonaten

Neue Bio-Rückstandsregelungen für Phosphonate führen zu Problemen im Grenzbereich zwischen Bio- und integrierter Produktion. Das Rahmenabkommen für ein Nebeneinander der beiden Wirtschaftsweisen aus dem Jahr 2014 wurde für die Pflanzenschutzsaison 2019 dahin gehend ergänzt.  von Hermann Stuppner

Für Pflanzenschutz im Grenzbereich zwischen integrierter und biologischer Produktion gibt es neue verpflichtende Vorschriften. (Foto: Matthias Matscher)

Für Pflanzenschutz im Grenzbereich zwischen integrierter und biologischer Produktion gibt es neue verpflichtende Vorschriften. (Foto: Matthias Matscher)

Im Jahr 2014 wurde die Rahmenvereinbarung für ein konfliktfreies Nebeneinander zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Obstbauflächen zwischen VOG, VI.P, AGRIOS, dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Südtiroler Bauernbund, Bioland, Verein Bio Vinschgau,
OG Biosüdtirol, OG Osiris, FOS und Fruttunion abgeschlossen. Ziel der Vereinbarung war es, anhand der festgelegten Richtlinien ein konfliktfreies Nebeneinander von benachbarten biologischen und integrierten Produzenten zu erleichtern.
Inhaltlich umfasst die Rahmenvereinbarung technische Richtlinien zur Vermeidung von Abdrift sowie die Möglichkeit zur Schlichtung von Streitfällen. Die Rahmenvereinbarung – darin sind sich alle unterzeichnenden Parteien einig, hat wesentlich zur Entspannung der Abdrift-Problematik beigetragen.

Reaktion auf neue staatliche Regeln
Im Herbst 2018 wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Phosphonate (Phosphite) auf staatlicher Ebene im Biobereich geändert. Demnach werden Phosphonate nicht mehr als falschpositiv eingestuft, sondern unterliegen derzeit einem gesetzlichen Grenzwert von <0,01 mg/kg.
In Anbetracht des Agrios-Grenzwerts von <75 ­mg/kg­ im integrierten Anbau, wo Phosphonate vorrangig zur Bekämpfung von Alternaria und Schorf eingesetzt werden, sowie des ungünstigen Rückstandsverhaltens in der Pflanze erachteten Verbände und Organisationen es als notwendig, spezifischere Ausbringungsregelungen zu erlassen. Damit soll ein Miteinander von Produzenten unterschiedlicher Produktionsweise weiter gefördert, sollen Beeinträchtigungen durch die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln vermieden und soll Folgeproblemen vorgebeugt werden.
Aufbauend auf verschiedenen Feldversuchen sowie positiven Erfahrungen der Rahmenvereinbarung von 2014 wurde am 10. April dieses Jahres eine Zusatzvereinbarung zwischen den oben angeführten Parteien unterzeichnet. Diese beinhaltet – in Ergänzung zur weiterhin gültigen Rahmenvereinbarung – technische Richtlinien für den Einsatz von phosphonathaltigen Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern im Grenzbereich zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Obstbauflächen für die Pflanzenschutzsaison 2019. Die Vorschriften sind für alle Bauern verpflichtend und müssen ab sofort eingehalten werden.

Keine Ausbringung ohne Zusatzausrüstung
Von wesentlicher Bedeutung ist dabei der Grundsatz, dass phosphonathaltige Pflanzenschutzmittel und Blattdünger im Grenzbereich zwischen biologisch und integriert bewirtschafteten Obstbauflächen ohne technische Zusatzausrüstung des Gebläsesprühgeräts nicht eingesetzt werden dürfen. Sofern eine technische Zusatzausrüstung gegeben ist, unterscheidet die Zusatzvereinbarung zwischen Behandlungen entlang der Grundstücksgrenze, der Reihenköpfe, in Jung- und Beetanlagen.
Die Vorschriften sehen grundsätzlich einen Mindestabstand von sechs Metern zur Grundstücksgrenze vor. In diesem Bereich dürfen Phosphonate nur in Richtung des Grundstücks­inneren ausgebracht werden.
Davon abweichen kann man nur bei Behandlungen entlang der Grundstücksgrenze und nach Blühbeginn, sofern folgende Ausstattung gegeben ist: Sprühgerät mit Gebläseaufsatz und Vollbestückung mit Injektor-Flachstrahldüsen sowie Abdeckblech oder alternativ zum Abdeckblech eine Abdriftbarriere (Hecke oder Abdriftnetz mit Kulturhöhe). In diesem Fall reduziert sich der Mindestabstand für Behandlungen in Richtung des Feldinneren auf drei Meter von der Grundstücksgrenze, jedenfalls jedoch auf die erste Baumreihe.

Wissenschaftlich begleitetes ­Monitoring vorgesehen
Die Zusatzvereinbarung sieht zudem den Aufbau eines wissenschaftlich begleiteten Monitorings für die Pflanzenschutzsaison 2019 vor. Primäres Ziel dessen ist es, die in der Zusatzvereinbarung definierten Vorschriften zur Vermeidung von Abdrift auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Details dazu werden von den unterzeichnenden Organisationen in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg festgelegt.

In der aktuellen Printausgabe des „Südtiroler Landwirt“ ist ausführlich nachzulesen, was die Rahmenvereinbarung beinhaltet.