Wirtschaft | 30.04.2019

Tiervermarktung auf Abruf

Mit großer Effizienz nimmt das Südtiroler Viehvermarktungskonsortium Kovieh seinen Bauern die Vermarktungsarbeit ab. Dafür erntete es bei seiner Jahreshauptversammlung vor zwei Wochen viel Lob. Der neue Vermarktungsrekord – auf den die Verbandsführung zurück blickte – war der beste Beleg dafür. von Guido Steinegger

SBB-Vertreter Daniel Gasser (stehend) lobte das Kovieh, rief es aber auch auf, sich aktiv an den Fusionsgesprächen der Tierzuchtverbände zu beteiligen.

SBB-Vertreter Daniel Gasser (stehend) lobte das Kovieh, rief es aber auch auf, sich aktiv an den Fusionsgesprächen der Tierzuchtverbände zu beteiligen.

Das Jahr 2018 war ein neues Rekordjahr für das Viehvermarktungskonsortium Kovieh: Auf 91 Versteigerungen konnte es 44.508 Tiere versteigern – noch einmal 248 mehr als im Vorjahr, wie das Konsortium im Haus der Tierzucht in Bozen bekannt gab.
Auch der Viehumsatz erreichte mit 19,18 Millionen Euro (ohne MwSt.) fast die Summe des Vorjahres. Entsprechend zufrieden blickten Obmann Lorenz Gasser und Geschäftsführer Martin Tröger auf das Jahr 2018 zurück. Dennoch fanden sie ein paar Wermutstropfen: die Preisrückgänge in den Herbstmonaten, die angespannte Vermarktungssituation bei den Kleintieren und auch die Kälberpreise, die leicht unter jenen des Vorjahres lagen.

Kleinstbetriebe sichern
„Höchste Priorität“ ist es laut Tröger, die Vermarktung im oberitalienischen Raum auszubauen und regionale Vermarktungswege zu stärken. Für Regionalität sorgt vor allem das Kovieh-Qualitätsfleischprogramm: Im Jahr 2018 waren rund 250 Produzenten mit 414 Qualitätstieren beteiligt, etwas weniger als im Vorjahr. Dennoch fördere das Programm das Weiterbestehen vieler kleiner Nebenerwerbsbetriebe. Als Schwierigkeit nannte Prossliner einen Widerspruch: „Kunden haben hohe Tierwohl-Ansprüche, greifen dafür aber selten tiefer in die Brieftasche.“ Von der Politik erwartet Prossliner, „die Schlachthöfe zu erhalten! Ohne diese Strukturen landet unser Vieh sicher nicht auf dem heimischen Markt.“
Weiterhin ausbauen will das Kovieh sein Dienstleistungsangebot – vom intakten Fuhrpark bis zum Mitglieder-Service. Eine große Herausforderung bei der Digitalisierung war die Umstellung auf die elektronische Rechnung, nun steht die Umstellung auf das elektronische „Modell 4“ bevor. Zudem investiert das Kovieh in das Tierwohl: Umbauarbeiten im Ablade- und Wiegebereich  bei der Versteigerungsanlage in Bozen soll den ganzen Versteigerungsablauf verbessern – vom Abladen bis zur Vermarktung.

St. Lorenzen hat sich bewährt
Als „richtige Entscheidung“ bezeichnete Lorenz Gasser auch den Umbau und das Festhalten am Vermarktungsstandort St. Lorenzen: „Das bestätigen die Auftriebszahlen.“ Bei den 18 Versteigerungen hat das Kovieh dort mehr als 3000 Tiere vermarktet.

Viel Lob von Ehrengästen
Die Ehrengäste lobten die Effizienz des Kovieh. Der Landtagsabgeordnete Franz Locher sprach von einem „Musterbeispiel für eine funktionierende landwirtschaftliche Organisation.“ Er versprach, sich im Landtag für die Landwirtschaft stark zu machen, zum Beispiel mit dem, im Tourismus einen Euro pro Nächtigung für die Landwirtschaft einzuheben: „Das hat für viel Aufregung gesorgt, aber wir werden uns weiter wehren!” Robert Nicolussi vom Raiffeisenverband lobte die ausgeglichene Bilanz mit leichtem Plus.
Der Obmannstellvertreter des Südtiroler Bauernbundes Daniel Gasser sagte, die Vermarktungsstruktur funktioniere so gut, dass die Bauern fast nicht bemerken, was hier alles geleistet wird: „Ein Anruf beim Kovieh genügt, das Tier wird geholt, versteigert und bezahlt. Der Tierhalter muss sich um nichts mehr kümmern!“
Für die Viehzucht sieht Daniel Gasser viele Herausforderungen: „Beim Wolf müssen wir der Gesellschaft zeigen, dass diese Tiere nichts bei uns zu suchen haben.“ Sorge hat er auch mit Blick auf die Europawahlen: „Die Agrarbetriebe in Europa werden immer größer. Ich fürchte, dass in Zukunft noch mehr die Großen schaffen. Umso mehr brauchen wir in Europa eine Stimme, die unsere kleinstrukturierte Südtiroler Landwirtschaft verteidigt!“ Schließlich wünscht sich Gasser, dass das Kovieh beim geplanten Fusions-Konzept der Rinderzuchtverbände von Anfang an mit eingebunden ist: „Es soll ein großer, starker, einiger Verband zum Wohle der Viehbauern werden, wo ihr von Anfang an mit entscheidet und die Schritte mit teilt.“

20 Jahre beim Kovieh
Schließlich ehrte das Kovieh auch fünf Vorstandsmitglieder bzw. Mitarbeiter. So hatte auch Lorenz Gasser selbst vor 20 Jahren seine Tätigkeit im Kovieh aufgenommen, seit 2008 ist er Obmann. Geehrt wurden auch Roland Thomaser (20 Jahre Verwaltungsrat), Othmar Oberrauch und Hannes Pichler (beide 20 Jahre landwirtschaftliche Mitarbeiter) und der aus dem Dienst ausgeschiedene Tier-Nachkennzeichner und Markierer Peter Zuenelli.