Südtiroler Bauernjugend | 06.05.2019

Bauernjugend fordert zukunftsfähiges Wolfmanagement

Im Rahmen des 4-Länder-Junglandwirtetreffens in Berlin haben die Vertreterinnen und Vertreter der Landjugenden bzw. Jungbauernschaften aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol ihre Bedenken in Bezug auf die Wolfsansiedelung in Europa geäußert und entsprechende Forderungen erarbeitet.

Die Jungbauern in Europa haben eine klare Meinung zum Wolf (Bild: Pixabay).

Die Jungbauern in Europa haben eine klare Meinung zum Wolf (Bild: Pixabay).

Der Schutzstatus des Wolfes muss in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Berner Konvention gesenkt oder mit weiteren Ausnahmeregelungen für bestimmte Populationen erweitert werden, lautete eine der Forderungen. „Durch die Senkung des Schutzstatus des Wolfs ermöglicht man den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ein angepasstes Wolfsmanagement auf die gegebenen Herausforderungen“, so die Junglandwirte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Im Dialog mit Jägerschaft und Experten müsse entschieden werden, ob und welche Obergrenze regionsspezifisch sinnvoll ist. Dabei muss die Umsetzbarkeit zwingend gegeben sein.

Entnahme von auffälligen Wölfen muss vereinfacht werden
Die Regulierung des Wolfsbestandes darf nicht wahllos erfolgen, sondern muss die sozialen Strukturen des Rudels beachten und sich auch zu Nutzen machen. Junge Tiere lernen von den Leittieren. Sobald ältere Tiere des Rudels Weidezäune als Grenze ihres Reviers respektieren, geben sie dies an die jungen Tiere weiter. Andersrum müssen Wölfe, die verhaltensauffällig sind, entnommen werden. Dies ist der Fall, wenn sich Wölfe ohne Scheu Wohngebieten nähern oder verstanden haben, wie man einen Zaun überwindet und somit regelmäßigen Schaden an Weidetieren anrichten können. Für diese grundsätzliche Entnahme müssen unbürokratische Verfahren entwickelt werden.

Herdenschutzmaßnahmen vollständig fördern
Für tierhaltende Bäuerinnen und Bauern ist der Tierbestand die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs. Allein aus diesem Grund treffen sie präventive Herdenschutzmaßnahmen, um einen Wolfsangriff zu verhindern, sofern diese möglich sind. Die Kosten dieser Vorsorgemaßnahmen sollten vollständig gefördert werden. Doch in einigen Fällen können präventive Herdenschutzmaßnahmen aufgrund von regionalen Gegebenheiten oder Betriebsstrukturen nicht durchgeführt werden. In solchen Fällen können Herdenschutzhunde eine Lösung sein, wobei nicht außer Acht gelassen werden darf, dass diese Tiere mit Haushunden nicht zu vergleichen sind. Herdenschutzhunde sind zum einen sehr kostenintensiv in Anschaffung und Ausbildung und zum anderen können sie bei mangelnder oder fehlender Ausbildung im Welpenalter für Menschen und andere Tiere gefährlich werden. Aufgrund der vorherigen genannten Probleme sprechen sich die Junglandwirtinnen und Junglandwirte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol dafür aus, in Regionen, wo keine Herdenschutzmaßnahmen möglich sind, sogenannte Weidetierschutzgebiete einzurichten. In diesen Schutzgebieten sollen Wölfe vereinfacht entnommen werden dürfen, um die zukünftige Weidetierhaltung sicherzustellen.

Angemessene Entschädigung bei Schäden
Landwirte dürfen für den Wunsch der Gesellschaft und Politik, den Wolf in Europa wieder zu etablieren, nicht das Nachsehen haben. Aus diesem Grund sollten die Verluste eines Wolfsangriffs angemessen ausgeglichen werden. Zudem müssen die Schadenszahlungen auf alle durch den Wolfsangriff verletzten und getöteten sowie fehlenden Tiere der Herde ausgeweitet werden. Derzeit greifen Schadenszahlungen ausschließlich für die Tiere, die beim Angriff getötet oder verletzt wurden. Zudem müssen die Schadenszahlungen national einheitlich gestaltet werden und dürfen nicht an die Herdenschutzmaßnahmen gekoppelt sein.

Beweislast-Umkehr
Derzeit muss nach einem Angriff auf die Herde eindeutig nachgewiesen werden, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat. Dies ist für die Landwirte nicht tragbar. Daher wird gefordert, dass bei Übergriffen auf die Herde zukünftig die Beweislast-Umkehr gilt: Es muss eindeutig und zeitnah nachgewiesen werden, dass kein Wolf für den Schaden verantwortlich ist.

Wolfshybriden aus den Rudeln entnehmen
Verpaarungen von Wolf und Hund müssen weiterhin streng unterbunden und Wolfshybriden schnellst möglichst aus den Rudeln entnommen werden. Außerdem werden sie in den Schadenszahlungen an die Landwirte im Falle eines Angriffs auf die Herde nicht berücksichtigt. Dies kann zu einer großen finanziellen Belastung werden und ist somit nicht akzeptabel für die Landwirte.