Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 09.05.2019

Trends sprechen für Milchbauern

Das Leben auf Südtirols Bergbauernhöfen ist auch im Jahr 2018 nicht einfacher geworden. Dennoch steht Südtirols Milchwirtschaft weiterhin gut da – auch weil Megatrends wie Regionalität und bewusster Konsum ihr in die Karten spielen. von Bernhard Christanell

Viel Applaus gab es für die besten Milchlieferanten: die Familie Innerbichler aus Prettau.

Viel Applaus gab es für die besten Milchlieferanten: die Familie Innerbichler aus Prettau.

Bei der Vollversammlung des Sennereiverbandes Südtirol zogen Obmann Joachim Reinalter und Direktorin Annemarie Kaser Bilanz über ein „Jahr mit großen Herausforderungen“. Die Milchwirtschaft gerate auch in Südtirol immer mehr unter Druck – sei es wegen der ständig steigenden Produktionskosten, sei es wegen anderer Produkte, die eigentlich fälschlicherweise den Begriff „Milch“ in sich tragen, aber aus Mandeln, Soja oder anderen Stoffen hergestellt werden. In diesem schwierigen Umfeld klingt es fast wie ein Wunder, dass Südtirols Milchhöfe ihre Vormachtstellung immer weiter ausbauen: „Unsere Milchhöfe konnten den Umsatz im vergangenen Jahr um drei Prozent steigern – und auch der Marktanteil am Hauptmarkt Italien ist trotz Konsumrückgang weiter gestiegen“, berichtete Reinalter.

Mehr Milch, weniger Lieferanten
Leicht gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr die angelieferte Milchmenge, die 2018 bei knapp über 405,8 Millionen Kilogramm lag. Leider setze sich auch ein weiterer langjähriger Trend fort: Über 80 Milchlieferanten stiegen aus der Milchproduktion aus. Ende 2018 waren es noch 4691 – rund ein Viertel weniger als noch zur Jahrtausendwende. „Der Trend läuft hierzulande zwar langsamer ab als im restlichen Europa, bedauerlich ist die Entwicklung trotzdem“, betonte Kaser.

Stabiler Milchpreis
Verwunderte Blicke auf die mit der größten Spannung erwarteten Zahl – jener des durchschnittlichen Milchpreises – erwiderte Reinalter mit einem erfreuten Lächeln: „Nein, das ist kein Tipp- und auch kein Rechenfehler – der Preis liegt bei 50,64 Cent pro Kilogramm Milch und ist damit exakt gleich hoch wie im vergangenen Jahr.“ Der Preis sei gut, aber auch in dieser Höhe absolut notwendig, um den unter Südtiroler Bedingungen arbeitenden Milchbauern ein einigermaßen akzeptables Einkommen zu sichern. Dennoch spielen die Förderungen nach wie vor eine zentrale Rolle für das Überleben der Südtiroler Bergbauernhöfe. Möglich sei ein solcher Milchpreis nur dank des weiter steigenden Verarbeitungsgrades – so wird mittlerweile kaum noch Versandmilch verkauft, und auch die Produktion von H-Milch geht zurück. Noch nie wurden in Südtirol so viel Joghurt (fast 150 Millionen Kilogramm) und Käse (21,4 Millionen Kilogramm) produziert wie 2018.

Auch wenn das Umfeld also immer schwieriger wird, blickt der Sennereiverband dennoch mit Zuversicht in die Zukunft. Grund für diesen Optimismus sind zwei Trends im Ernährungssektor, die ganz im Sinne der Südtiroler Milchprodukte sind: „Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden sich beim Einkauf immer öfter für Produkte, die Einzigartigkeit versprechen und sich von Massenprodukten abheben. Das ist ein Trend, der unseren Produkten mit ihrer langen Tradition und der beeindruckenden Herkunft zugutekommt“, erklärte Kaser und verwies auf Aussagen von Trendforschern, laut denen im Jahr 2030 70 Prozent des Sortiments in den Supermärkten aus regionalen Produkten bestehen wird.

Für die Milchbauern im Land ist der Sennereiverband auch ein wichtiger Dienstleister: Im Rohmilchlabor wurden 2018 über 792.000 Proben analysiert, die Bauern in rund 162.000 E-Mails und 408.000 SMS über die Ergebnisse informiert. Auch die Zahl der Produktkontrollen ist um über zehn Prozent auf über 80.500 gestiegen. Im internationalen Spitzenfeld angekommen sind auch die Südtiroler Alm- und Hofkäsereien.

Bester Milchlieferant aus Prettau
Ein sichtbares Ergebnis für die hohe Qualität der Südtiroler Milch war bei der Versammlung auch diesmal wieder die Auszeichnung des besten Milchlieferanten. Für das Jahr 2018 ging diese Auszeichnung an Franz Josef Innerbichler vom Götschhof in Prettau im Ahrntal. Der Hof verfügt über vier Hektar Wiese mit 126 Erschwernispunkten und eine Bergwiese. Die Spitzenmilch kommt von den vier Melkkühen im Stall.

Von den Ehrengästen gab es rundum Lob und Anerkennung für die ausgezeichnete Familie Innerbichler. Landesrat Arnold Schuler unterstrich die Bedeutung der Entscheidung, auf flächenbezogene Milchproduktion zu setzen: „Wenn wir Geschichten zu unseren Produkten erzählen, dann müssen diese auch stimmen. Die Entscheidung in Richtung Nachhaltigkeit war daher kein leichter, aber ein richtiger Schachzug.“ EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann kündigte an, dass es mit der neuen Förderperiode die längst fällige Angleichung der Betriebsprämien auf Staatsebene geben werde und die unrühmliche Praxis der Verpachtung von Almflächen an Provinzfremde damit ein Ende haben sollte. bch