Wirtschaft | 24.05.2019

Positiver Rückblick, wechselhafter Ausblick

Die Südtiroler Landwirte schätzen die im Jahr 2018 erhaltenen Auszahlungspreise sehr positiv ein. Was die Erwartungen für 2019 betrifft, so gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen der Landwirtschaft. Dies geht aus dem Landwirtschaftsbarometer des WIFO hervor.

Im Vergleich mit den Wien- und Milchbauern sind die Obstbauern im Land am wenigsten optimistisch.

Im Vergleich mit den Wien- und Milchbauern sind die Obstbauern im Land am wenigsten optimistisch.

Die im Jahr 2018 erhaltenen Auszahlungspreise waren für 89 Prozent der Südtiroler Bauern und Bäuerinnen zufriedenstellend. Über die Hälfte der Landwirte meldet sogar „gute“ Auszahlungen. Darüber hinaus ermöglichten die im Vergleich zum Vorjahr deutlich günstigeren Wetterbedingungen eine Rückkehr zu den üblichen Produktionsmengen von Trauben und Äpfeln. Das Jahr 2018 war aber auch von ungünstigen Entwicklungen gekennzeichnet, wie der starke Rückgang der Apfelpreise und die Teuerung der Futtermittel. Dies beeinträchtigt teilweise auch die Erwartungen der Landwirte für 2019, insbesondere im Obstbau. Zwar gehen heuer sieben von zehn Südtiroler Bauern und Bäuerinnen von zufriedenstellenden Auszahlungspreisen aus, allerdings bestehen zwischen den verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft große Unterschiede.

Weinbauern positiv gestimmt
In der Weinwirtschaft ist die Stimmung besonders positiv und zwei Drittel der Winzer bewerten die im vergangenen Jahr von den Kellereien ausgezahlten Erzeugerpreise als „gut“. Darüber hinaus war die Weinlese 2018 mit einer Traubenernte von über einer halben Million Dezitonnen um 25 Prozent ertragreicher als im Vorjahr. Die Produktion von DOC- und IGT-Weinen überschritt 326.000 Hektoliter und erreichte somit wieder das Durchschnittsniveau der letzten Jahre. Die Qualität wird von den Kellermeistern als sehr gut bezeichnet, dank des günstigen Klimas im Sommer. Aus diesem Grund erwarten fast alle Bauern und Bäuerinnen auch heuer befriedigende bis gute Auszahlungspreise bzw. gute Verkaufspreise beim selbstvermarkteten Wein.

Milch: Gute Preise, hohe Kosten
Die Milchwirtschaft profitierte im Jahr 2018 von günstigen Marktbedingungen. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Milchprodukten stieg an, getrieben von den asiatischen Ländern. Gleichzeitig wuchs das Angebot in Europa nur um 0,9 Prozent und die Preise blieben über dem Langzeitdurchschnitt. Die Milchproduktion war auch in Südtirol steigend und fast alle Bauern und Bäuerinnen waren mit den Auszahlungspreisen zufrieden, welche durchschnittlich 50,6 Cent pro Kilogramm betrugen. Im Hinblick auf 2019 bestehen Bedenken hinsichtlich der Futterpreise, deren Produktion durch die Dürre im vergangenen Herbst beeinträchtigt wurde. Auch aus diesem Grund beklagen sich die Südtiroler Züchter über einen starken Anstieg der Kosten. Gleichzeitig sind sie aber auch zuversichtlich, dass die Auszahlungspreise weiterhin zufriedenstellend sein werden. Auch Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, kommentiert die Entwicklung: „Der erwirtschaftete Milchpreis ist eine große Leistung der Südtiroler Molkereien. Sorgen bereiten jedoch die steigenden Kosten für Energie, Verpackung und Entsorgung bei den Landwirten als auch bei den Molkereien. Weiters nehmen die Anforderungen der Gesellschaft an die Landwirte zu. Dieser Mehraufwand muss von den Konsumenten bezahlt werden, damit die Wirtschaftlichkeit der Bergbauernbetriebe nicht weiter sinkt.“

Obstbau: Wenig erfreuliche Aussichten
Auch in der Obstwirtschaft profitierte die Ernte 2018 von günstigeren klimatischen Bedingungen als im Vorjahr. Die Südtiroler Apfelproduktion belief sich auf knapp eine Million Tonnen und kehrte somit wieder auf das übliche Niveau der letzten Jahre zurück. Allgemein in Europa und insbesondere in Polen war die Produktion sogar überdurchschnittlich. Dies hat erneut zu einem Überangebot geführt, welches durch die Fortsetzung des russischen Embargos und die politischen Krisen in Nordafrika verschärft wird. In den letzten Monaten 2018 sanken die bis zum letzten Sommer außergewöhnlich hohen Apfelpreise daher stark. Heuer könnte sich dieses Problem bei einem Brexit ohne Vereinbarung noch verschärfen, da das Vereinigte Königreich ein relevanter Markt für europäische Äpfel ist. Die Bewertungen der Südtiroler Obstbauern spiegeln die Marktentwicklung wider: Die Auszahlungspreise 2018 werden von 87 Prozent der befragten Landwirte zumindest als zufriedenstellend bezeichnet – in zwei Dritteln der Fälle sogar als gut. Für 2019 hingegen befürchtet jeder zweite Obstbauer unbefriedigende Erzeugerpreise.

Auszahlungspreise2018

Hohe Qualität hat ihren Preis
Handelskammerpräsident Michl Ebner unterstreicht die Bedeutung der Landwirtschaft für Südtirol: „Landwirtschaft und Viehzucht spielen nach wie vor eine wichtige Rolle, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch bei der Erhaltung der Landschaft. Darüber hinaus trägt die hohe Qualität der Südtiroler landwirtschaftlichen Produkte zum positiven Image unseres Landes in Italien und im Ausland bei.“ Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler unterstreicht die Stärken der heimischen Landwirtschaft: „Eine hohe Qualität der Produkte, die Professionalität der Bauern und Bäuerinnen und das Genossenschaftswesen sind die Grundpfeiler der Landwirtschaft und der Erfolgsgarant. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Landwirtschaft in einem großen internationalen Wettbewerb steht. Um zu bestehen, müssen die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“