Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 06.06.2019

Landesbauernrat in Klausur

Was sind die Arbeitsschwerpunkte des Südtiroler Bauernbundes in den nächsten Jahren? Auf einer Klausur­tagung hat der Landesbauernrat die großen Herausforderungen definiert: Berglandwirtschaft, Zu- und Nebenerwerb, Wasserversorgung und Pflanzenschutz. von Michael Deltedesco

In Brixen zog sich der Landesbauernrat für zwei Tage zurück, um intensiv über die anstehenden Themen in den kommenden fünf Jahren zu diskutieren.

In Brixen zog sich der Landesbauernrat für zwei Tage zurück, um intensiv über die anstehenden Themen in den kommenden fünf Jahren zu diskutieren.

Zwei Tage lang haben die Mitglieder des Landesbauernrates zusammen mit der Geschäftsleitung des Bauernbundes die großen Themen der kommenden Jahre diskutiert und zahlreiche Maßnahmen definiert, die Schritt für Schritt angegangen werden sollen.
Dass nicht alles umgesetzt werden kann und vor allem nicht von heute auf morgen, ist klar. Klar wurde aber auch, dass dem Bauernbund auch in den nächsten Jahren die Herausforderungen nicht ausgehen werden.

Weiterentwicklung der Berglandwirtschaft
Ein Schwerpunkt des Bauernbundes wird die Berglandwirtschaft bleiben. Aufzuchtbetriebe, die es derzeit nicht einfach haben, ein gutes Betriebsergebnis zu erwirtschaften, sollen verstärkt unterstützt werden, so der Vorschlag des Landesbauernrates. „Damit möchten wir verhindern, dass mehr Tiere aus dem Ausland angekauft werden müssen“, erklärte Alberich Hofer, der Vertreter der Bergbauern im Landesbauernrat. Zudem soll ein Tier erst ab einem Alter von 30 Monaten als Großvieheinheit gelten.
Ein immer größeres Thema wird das Tierwohl. „Auch wenn Anbindeställe nicht zwangsläufig weniger Tierwohl bieten, geht der Trend dennoch hin zum Laufstall – besonders wenn ein Neubau ansteht. Hinzu kommt, dass erste Handelsketten Milch von Tieren aus Laufställen fordern“, fasste Hofer zusammen.
Daher spricht sich der Landesbauernrat für mehr Unterstützung beim Bau von Laufställen aus – mit einer Ausnahme: „Wenn ein Laufstall aus verschiedenen Gründen nicht gebaut werden kann, sollen auch Anbindeställe gefördert werden.“
Zudem müssten die anerkannten Kosten angepasst werden. „Häufig ist beispielsweise eine Förderung von 50 Prozent in Wirklichkeit aufgrund der deutlich höheren effektiven Kosten nur eine 25-Prozent-Förderung. Damit ist gerade einmal die Mehrwertsteuer gedeckt.“
Auch bei der Maschinenförderung könnte es Änderungen geben. „Derzeit
ist es leider so, dass die Förderung beim Maschinenhändler landet. Je höher die Förderung, desto höher, so die Erfahrung, auch der Preis.“ Daher sollte überlegt werden, nur mehr Schwerpunkte zu setzen. „Auf alle Fälle verstärkt gefördert werden sollten
Heutrocknungsanlagen, damit mehr Bauern in die Heumilchproduktion einsteigen können.“
Ein Thema war auch die Erhebung des Schlachtviehs. „Wir fordern einen Zugang zur Viehdatenbank“, stellte Hofer klar. Diskutiert wurde auch über die Gülleverordnung in Natura-2000-Gebieten.

Neue Zu- und Nebenerwerbsmöglichkeiten
Ein zweiter Schwerpunkt auf der zweitägigen Klausurtagung des Landesbauernrates war der Zu- und Nebenerwerb. Für immer mehr Betriebe stellt ein Zuerwerb – der Urlaub auf dem Bauernhof, eine bäuerliche Schanktätigkeit, die Direktvermarktung von Qualitätsprodukten, das bäuerliche Handwerk oder soziale Dienstleistungen – ein wichtiges Zusatzeinkommen dar.
Da beim Obstbau, beim Weinbau und in der Milchwirtschaft keine besonders großen Zuwächse mehr zu erwarten sind, räumt der Landesbauernrat dem Zu- und Nebenerwerb das größte Wachstumspotential ein.

Das würden auch die Zahlen der letzten Jahre zeigen. „Beim Urlaub auf dem Bauernhof haben sich die Ankünfte in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. Die Übernachtungen weisen ein Plus von über 250 Prozent auf“, berichtete Kienzl. Sorge bereiten derzeit die Ein- und Zwei-Blumen-Betriebe, die mit einer sehr niedrigen Auslastung zu kämpfen haben. Daher benötigen diese Betriebe eine besondere Aufmerksamkeit und eine Unterstützung, um drei oder mehr Blumen zu erreichen.
Als Herausforderungen für die Zukunft sieht Kienzl eine bessere Kontrolle. „Urlaub auf dem Bauernhof oder ein Schankbetrieb sollen aktiven Landwirten vorbehalten sein, denn es ist ein Ziel, den Gästen das Leben auf einem Bauernhof zu vermitteln. Das geht aber nur auf einem bewirtschafteten Hof.“

Einsetzen will sich der Landesbauernrat auch für neue Zuerwerbsmöglichkeiten. Im Gespräch sind der Urlaub auf der Alm und Camping am Bauernhof. „Für beide Vorhaben soll es klare Vorgaben geben. So sollen nur aktive Viehwirtschaftsbetriebe einen Almurlaub anbieten dürfen. Zudem darf es maximal eine bereits bestehende Almhütte für maximal eine Familie geben. Eine Zufahrtsgenehmigung für die Gäste gibt es nicht“, stellte Kienzl klar. Auch beim Camping am Bauernhof sind strenge Kriterien vorgesehen.
Dem Landesbauernrat ist klar, dass die Verhandlungen über die zwei neuen Zuerwerbsmöglichkeiten schwierig werden, da der Gegenwind nicht ausbleiben wird. „Versuchen werden wir es aber trotzdem“, sagte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.  
Wasserversorgung langfristig sichern
Angesichts der immer heißeren und trockeneren Sommer wird die sichere Wasserversorgung zu einem zentralen Thema     der kommenden Jahre. Daher wird der
Landesbauernrat die Ausweisung von Trockengebieten fordern. „Für diese Gebiete
soll ein spezifischer Plan ausgearbeitet werden, der eine nachhaltige Nutzung gewährleistet“, sagte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner.
Mehr Flexibilität brauche es bei der Vorverlegung des Bewässerungszeitraumes. „Aufgrund des immer früheren Vegetationsbeginns brauchen die Bauern früher das Wasser als in vielen Konzessionen vorgesehen. Die Vorverlegung muss einfach und rasch möglich sein. Vor allem aber brauchen wir schnell eine neue Regelung“, forderte Rinner.
Auch für die Verlegung bzw. die Sanierung von Bewässerungsanlagen hat der Landesbauernrat klare Vorstellung, die der Politik bereits mitgeteilt wurden: „Die Genehmigungsverfahren sind zu aufwändig und dauern zu lang. Was wir dringend brauchen, sind Vereinfachungen“, forderte Tiefenthaler.
Gleiches gilt übrigens auch für die ­Doppelnutzung Bewässerung-Strompro­duktion. „Es spricht wirklich nichts gegen eine Doppelnutzung, wie sie auch im Trentino praktiziert wird“, erklärte der Landes­obmann.
Ein Thema dürfte in der nächsten Zeit der Wasserzins werden. „Wir fordern eine einfache und kostengünstige Lösung.
Die eingehobenen Wasserzinse sollen dazu verwendet werden, das Bewässerungssystem insgesamt zu verbessern“, unterstrich Tiefenthaler.
Ein Auge hat der Landesbauernrat auch auf die Umweltgelder geworfen. „Diese sollen für die Finanzierung von Bewässerungsnetzen verwendet werden. Gleichzeitig möchten wir auch staatliche Finanzierungen verstärkt nutzen“, erklärte Rinner.
Bei gebietsübergreifenden Projekten muss eine besondere Finanzierung vorgesehen werden. „Was wir brauchen, ist ein Konzept für eine langfristige Wasserversorgung mit dazugehörigen Finanzierungsplänen und Kosten für die Wassernutzung, die angemessen sind“, sagte Rinner.

Pflanzenschutz nachhaltig weiterentwickeln
Das vierte Schwerpunktthema, über das der Landesbauernrat diskutiert hat, war der Obstbau im Allgemeinen und der Pflanzenschutz im Speziellen. Einig war sich der Landesbauernrat, dass der Pflanzenschutz unverzichtbar ist, er aber trotzdem weiterentwickelt und noch nachhaltiger werden muss. „An abdriftmindernden Maßnahmen, wie eine entsprechende technische Ausstattung des Sprühgerätes, führt kein Weg vorbei“, stellte Tiefenthaler klar.
Es wurden aber auch weitere ökologische Maßnahmen diskutiert, wie der Pflanzenschutz auf ein Minimum reduziert werden kann. Ein Thema waren auch Initiativen für mehr Biodiversität, wie das Pflanzen von Hecken anstatt der Abdriftfolien, die das Landschaftsbild stark beeinträchtigen. Gleichzeitig sollen Maßnahmen zur Sensibilisierung, wie Schule am Bauernhof oder die Milch- oder Apfelbotschafterinnen, ausgebaut werden.