Produktion, Südtiroler Landwirt | 20.06.2019

Boden ist unser Kapital

Nicht nur innovative Technik, sondern auch ein fruchtbarer, gesunder Boden ist unverzichtbar, um eine hohe Trauben- und Weinqualität zu garantieren. Deshalb befasste sich der diesjährige Tag der Technik im Weinbau in der Sonderschau mit Gründüngung und Einsaaten. von Renate Anna Rubner

Beim diesjährigen Tag der Technik im Weinbau war die Sonderschau den Themen Gründüngung, Einsaattechnik und Bodenvorbereitung gewidmet.

Beim diesjährigen Tag der Technik im Weinbau war die Sonderschau den Themen Gründüngung, Einsaattechnik und Bodenvorbereitung gewidmet.

Alle zwei Jahre trifft sich alles, was sich in Südtirol und auch über die Landesgrenzen hinaus für Weinbau interessiert, zum Tag der Technik am Versuchszentrum Laimburg in Pfatten. Diesmal fand dieser Informationstag am 13. Juni satt: Bei strahlendem Wetter und heißen Temperaturen gaben sich Maschinen- und Gerätehersteller ein Stelldichein in den Weingütern hinter dem Versuchszentrum, um den potentiellen Kundinnen und Kunden ihre Neuheiten zu präsentieren. Der Tag der Technik im Weinbau wurde auch diesmal wieder vom „Absolventenverein Landwirtschaftlicher Schulen“ (ALS) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Landwirtschaft, dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau und dem Versuchszentrum Laimburg organisiert. 

Sonderschau Gründüngung
Im Mittelpunkt standen heuer – neben den vielen technischen Neuerungen im Weinbau – der Boden und seine Vitalität. Die Sonderschau befasste sich deshalb mit den Themen Gründüngung, Einsaattechnik und Bodenvorbereitung. Das Versuchszentrum Laimburg hat dazu bereits Versuche laufen und zeigte sie im Rahmen der Sonderschau. Florian Haas, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Versuchszentrum, erklärte den Besuchern, was mit den verschiedenen Einsaaten bezweckt wird und welche Erfahrungen man bisher damit gemacht hat. Schließlich sei es im Zuge der Veränderungen, die es infolge des Klimawandels anzugehen gilt, notwendig, sich zu rüsten. Der Boden sei ein Schlüssel dazu. Denn ein guter und fruchtbarer Boden sei Grundvoraussetzung für eine hochwertige Ernte. 
Das unterstrich auch Jakob Ganterer, Vorsitzender des Organisationskomitees zum Tag der Technik, in seinen Begrüßungsworten. „Die Anforderungen des Marktes und der Konsumenten werden immer höher, deshalb geht es vermehrt um eine naturnahe Produktion von Weinen höchster Qualität. Das erfordert den Einsatz innovativer Technik und einen gesunden Boden“, unterstrich Ganterer.

Technik und Nachhaltigkeit
Landesrat Arnold Schuler bezeichnete den Tag der Technik als zentrale Veranstaltung für den heimischen Weinbau. Schließlich gebe es hier für Bäuerinnen und Bauern die Gelegenheit, sich über technische Neuheiten zu informieren und sich ein Bild über ihre Arbeits- und Funktionsweise zu machen. Nirgendwo sonst könne man sich so umfassend über Neuerungen in der technischen Ausstattung eines Weinbaubetriebes machen wie hier. Deshalb sei die Veranstaltung für heimische Weinbauern und für jene aus den Nachbarprovinzen ein Muss. „Der Tag ist deshalb auch ein gesellschaftliches Ereignis, wo sich Weinbäuerinnen und Weinbauern treffen und austauschen, sich informieren und beraten lassen können.“ Auch das Thema Nachhaltigkeit sprach der Landesrat an: „Von alters her sind wir gewohnt, nachhaltig zu denken und zu agieren, denn wir übernehmen Betriebe von unseren Vorfahren und bewirtschaften sie mit dem Gedanken und der Mission, sie an unsere Nachkommen weiterzugeben: wirtschaftlich erfolgreich und gesund.“ Dabei komme innovativer Technik immer stärkere Bedeutung zu. Und dem Boden. „Denn der Boden ist unser Kapital“, sagte Schuler bei der Eröffnung. 

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Interview mit Jakob Ganterer
(Vorsitzender des Organisationskomitees des Tages der Technik im Weinbau)

Südtiroler Landwirt: Herr Ganterer, beim Tag der Technik stehen in der Regel Maschinen und Geräte im Vordergrund. Wieso hat man sich heuer für Bodenbegrünung und Einsaattechnik als Themen der Sonderschau entschieden?

Jakob Ganterer: Aus einem ganz einfachen Grund: Wenn der Boden nicht in Ordnung ist, dann ist alles andere nichts. Dann kann nämlich auch die beste Technik nichts mehr ändern. Und ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass der Boden in den letzten 20, 30 Jahren einfach etwas vernachlässigt wurde. Wir müssen deshalb schauen, dass wir dem Boden etwas von dem zurückgeben, was wir ihm Jahr für Jahr entziehen. 

Womit kann konkret eingesät werden?
Zum einen gibt es natürlich Leguminosen-Einsaaten, die neben organischer Substanz auch viel Stickstoff in den Boden bringen. Dieser Stickstoff wird gebunden, sprich, er wird nicht ausgewaschen. Das ist der große Vorteil mineralischen Düngern gegenüber, die ausgewaschen werden. Getreideeinsaaten bringen organische Masse in den Boden, sie sind vor allem als Gründüngung anzusehen. Und diese Einsaaten gehen schnell auf, sie verhindern also die Erosion und sind zudem eine Konkurrenz für Unkräuter, zum Beispiel Brennnesseln. 

Wie ist das arbeitstechnisch? Noch wird bei uns ja viel in Handarbeit erledigt: das Auslauben zum Beispiel. Steht man dann praktisch knie- bzw. hüfthoch in der Einsaat?
Also, die Einsaat wird ja nur in einem schmalen Streifen gemacht, in der Traktorspur nicht. Dort ist dann noch genug Platz fürs Arbeiten an der Rebe. Also muss man nicht mitten in den Pflanzen drinstehen. Aber ja, es ist schon ein anderes Arbeiten in eingesäten Rebflächen, bequemer ist es vielleicht ohne Einsaat. Man kann eben nicht alles haben …

Wie ist es mit der Konkurrenz? Sind Einsaaten ein Problem für die Wasser- und Nährstoffversorgung der Rebe?
Kaum, die Einsaaten wurzeln ja nicht so tief, die Rebe dagegen ist ein Tiefwurzler. Die ersten beiden Jahre ist vielleicht schon achtzugeben, da kann unter Umständen schon eine Konkurrenzsituation entstehen. Deshalb ist am Anfang innerhalb der Rebzeilen mechanisch offen zu halten. Aber danach ist das kein Thema mehr. Eher im Gegenteil: Die Einsaaten verbessern die Wasserhaltekraft des Bodens, sie bringen Humus und Nährstoffe in den Boden und machen ihn dadurch fruchtbarer und widerstandsfähiger. Und das kommt der Rebe allemal zugute. 

Interview: Renate Anna Rubner