Südtiroler Landwirt, Seniorenvereinigung | 20.06.2019

Mehr Sichtbarkeit für eine starke Gemeinschaft

Die Seniorenvereinigung hat ihren 30. Geburtstag gefeiert. Zu diesem besonderen Jubiläum ­wurde von Diözesanpriester Josef Torggler die neue Fahne der Seniorenvereinigung gesegnet. Sie soll dieser starken Vereinigung mehr Sichtbarkeit und Identität geben.  von Renate Anna Rubner

Zum 30. Geburtstag schenkte sich die Seniorenvereinigung eine eigene Fahne.

Zum 30. Geburtstag schenkte sich die Seniorenvereinigung eine eigene Fahne.

Am 16. Juni 1989 fand im Kulturheim Gries in Bozen die erste Landesversammlung der Seniorenvereinigung statt. Und genau an demselben Ort und Tag wurde auch der Geburtstag der Vereinigung gefeiert. „Mit 30 Jahren seid ihr die Jüngsten in der Familie des Südtiroler Bauernbundes“, scherzte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler, „denn der Bauernbund wurde 1904 gegründet, die Bauernjugend 1969 und die Bäuerinnenorganisation im Jahr 1979.“ Tiefenthaler lobte die Weitsicht der Gründerväter, die damals erkannt hatten, dass die Anliegen der Altbäuerinnen und Altbauern unter das Dach des Südtiroler Bauernbundes gehören. Das habe sich bewährt, so bleibe die „Familie“ geschlossen.
Diözesanpriester und Seniorenseelsorger Josef Torggler unterstrich in seiner Predigt die Bedeutung der Seniorenvereinigung für den Lebensabend der Bäuerinnen und Bauern: „Heute helft ihr auf euren Höfen zwar noch und tragt auch mit Sorge für den guten Fortbestand der Südtiroler Landwirtschaft, die Geselligkeit und das Beisammensein mit anderen älteren Menschen sind aber wichtig, um nicht zu vereinsamen und trübselig zu werden.“ Es sei nun auch Zeit, loszulassen, zufrieden zurückzuschauen und Sorgen, die zuweilen aufkeimen mögen, voll Vertrauen in Gottes Hände zu legen. Hierin solle der 
hl. Josef ein großes Vorbild sein. 

Fahnensegnung mit Fanfare
Nicht von ungefähr ist der hl. Josef auf der Fahne der Seniorenvereinigung, die zu diesem besonderen Jubiläum gesegnet wurde, abgebildet: „Er ist uns als Patron der Kirche, der Arbeitenden und der Sterbenden ein Vorbild“, sagte Landespräsident Gottfried Oberstaller, als er die Fahne im Detail erklärte. „Seine Demut, Bescheidenheit und Einfachheit charakterisieren auch unsere Generation“, erklärte Oberstaller. 
Die Fahne hat zwei Patinnen: Theresia Agreiter Larcher und Maria Bertolini Koppelstätter, die aus gesundheitlichen Gründen leider nicht dabei sein konnte. „Ich weiß aber, dass Maria in Gedanken ganz bei uns ist“, sagte Theresia Larcher in ihren Dankesworten. Als Fähnrich konnte kein Geringerer als Viktor Peintner gewonnen werden. Mit Stolz und Würde trug er die Fahne durch die voll besetzten Reihen im Kulturheim Gries, sodass alle Anwesenden das Kunstwerk aus der Nähe bewundern konnten. Die „Rittner Bauernsenio-renmusig“ spielte gleichzeitig eine extra dafür komponierte „Fanfare für die Fahnenweihe“, ein Stück aus der Feder von Konrad Kofler. 

Rückblick und Dank
Wie es sich für ein Jubiläum gehört, gab es auch einen Rückblick auf die Anfänge der Seniorenvereinigung: Herta Ploner, Dienstälteste im aktuellen Landesvorstand, erzählte von den etwas holprigen, aber nicht minder schwungvollen ersten Jahren der Seniorenvereinigung unter dem ersten Präsidenten Josef Burger und dem Landessekretär Klaus Unterholzer: „Zunächst ging es ja vor allem um die soziale Absicherung von Altbäuerinnen und Altbauern“, erklärte sie. Die Geselligkeit und das Organisieren von Veranstaltungen seien erst nach und nach dazu gekommen. Das sei aber nicht minder wichtig, unterstrich Ploner: „Denn wir bäuerlichen Senioren sind einfach anders als andere Senioren." 
Der ehemalige Landespräsident Johann Messner beschwor die Einheit der bäuerlichen Organisationen als Fundament für eine gesunde Landwirtschaft, und Landespräsident Gottfried Oberstaller gab einen Einblick in die aktuelle Situation: „Die Seniorenvereinigung hat 14.000 Mitglieder, besteht aus 62 Ortsgruppen mit insgesamt 400 Funktionären“, berichtete er. Es sei Ziel der Vereinigung, weiterzuwachsen und neue Ortsgruppen zu gründen. Auch am Netzwerk mit anderen Seniorenorganisationen werde ständig gearbeitet. 
Zum Schluss dankte Gottfried Oberstaller seinen Vorgängerinnen und Vorgängern, den Vertretern aller bäuerlichen Organisationen, den Funktionärinnen und Funktionären und den beiden Mitarbeiterinnen im Sekretariat, der Landessekretärin Karin Alber und der Mitarbeiterin Andrea Vieider: „Ihr habt alles so gut organisiert, ohne euch wäre das nicht möglich gewesen!“ 


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Interview mit Gottfried Oberstaller

„Die Fahne soll größere Sichtbarkeit und eine stärkere Identität verleihen“

Südtiroler Landwirt: Herr Oberstaller, wa­rum hat der Landesausschuss der Seniorenvereinigung beschlossen, eine Vereinsfahne anfertigen zu lassen?
Gottfried Oberstaller: Wir wollten „unserer“ Organisation zu ihrem 30. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk machen. So sind wir auf die Idee gekommen, eine Vereinsfahne anfertigen zu lassen. Alle drei anderen bäuerlichen Organisationen haben ja schon eine Fahne. Nun freuen wir uns sehr, dass auch uns dieses Vorhaben geglückt ist! Die Fahne soll der Seniorenvereinigung künftig eine größere Sichtbarkeit und eine stärkere Identität verleihen. Sie soll das Miteinander und das Füreinander in der Gemeinschaft der bäuerlichen Senioren vertiefen und die Werte, die in der Vereinigung gelebt werden, weiter in die Zukunft tragen.

Was ist auf der Vereinsfahne abgebildet?
Auf der einen Seite der Fahne stehen das Logo, also der Lorbeerzweig, und die Bezeichnung „Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund“– im Mittelpunkt. Außerdem ist dort das Wappen des Landes Südtirol abgebildet, welches zeigt, dass die Vereinigung eine landesweit tätige Gemeinschaft ist. Weiters ist eine weiße Lilie zu sehen, die auf die andere Seite der Fahne verweist. Dort steht nämlich der hl. Josef im Mittelpunkt, die Lilie ist eines seiner Attribute. Der hl. Josef hat für uns bäuerliche Senioren und für unsere Organisation eine große Bedeutung: Einerseits haben wir zu ihm als Patron des Landes Tirol, der Familie, der Arbeitenden und der Sterbenden eine besondere Beziehung. Er begleitet uns im Laufe unseres Lebens und unterstützt uns, wenn wir mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Andererseits verbindet uns mit dem Hl. Josef seine Selbstlosigkeit, Bescheidenheit, Einfachheit und Zufriedenheit: Diese Eigenschaften zeichnen auch unsere Generation aus.

Die Fahne wurde bei der 30-Jahr-Feier der Seniorenvereinigung gesegnet. Wer hat die Patenschaft übernommen?
Unsere Fahne hat zwei Patinnen: unsere Ehrenpräsidentin Maria Bertolini Koppelstätter und unsere Landespräsident-Stellvertreterin Theresia Agreiter Larcher. Beide gemeinsam stehen für die 30-jährige Geschichte unserer Vereinigung: Während Maria vor allem am Aufbau und an der Festigung der Organisation mitgewirkt hat, arbeitet Theresia fest an deren Weiterentwicklung in der jüngeren Vergangenheit mit. Als Fähnrich konnten wir Viktor Peintner, der für viele Jahre kooptiertes Mitglied unseres Landesausschusses war, gewinnen. Dass wir mit diesen drei Personen alle „Ämter“ so passend besetzen konnten, freut mich sehr!

Interview: Andrea Vieider