Marketing, Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 01.08.2019

UaB: Noch stärker an Landwirtschaft binden

Wer künftig Urlaub auf dem Bauernhof anbieten möchte, soll neuen Kriterien unterliegen: Das hat der Landesbauernrat bei seiner letzten Sitzung einstimmig gutgeheißen. Nun gehen die Änderungsvorschläge des Bauernbundes an die Landesregierung.

Urlaub auf dem Bauernhof ist ein solides Standbein für landwirtschaftliche Betriebe.

Urlaub auf dem Bauernhof ist ein solides Standbein für landwirtschaftliche Betriebe.

Neben der landwirtschaftlichen Fläche eines Betriebes soll bald als Zugangskriterium für Urlaub auf dem Bauernhof die landwirtschaftliche Tätigkeit eines Betriebes entscheidend sein, lautet die Forderung des Landesbauernrates.
Schon seit März hat eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Landesbauernrates rund um Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund und für die Qualitätsmarke „Roter Hahn“ verantwortlich, Vorschläge zur Verschärfung der Zugangskriterien für Urlaub auf dem Bauernhof (UaB) diskutiert. 
Die Arbeitsgruppe war der Meinung, dass nicht die Flächen, sondern der GVE-Besatz angehoben werden sollen. Außerdem sollen Pferde, Ponys, Esel, Kamele in Zukunft nicht mehr als GVE-Besatz zur Erfüllung der Mindestvoraussetzungen für UaB gezählt werden, außer es handelt sich um einen Reitbetrieb. Diese und andere Abänderungsvorschläge wurden bei der letzten Sitzung des Landesbauernrates am 19. Juli vorgestellt, besprochen und einstimmig gutgeheißen. 
Nun liegt der Ball bei der Landesregierung: Sie soll aber nicht nur die Zugangskriterien für Urlaub auf dem Bauernhof ändern. Im Landesgesetz „Urlaub auf dem Bauernhof“ soll auch die Kontrollbefugnis durch die Landesverwaltung festgeschrieben werden, lautet der Wunsch des Landesbauernrates. 

Höherer Viehbesatz
Die Änderungsvorschläge des Landesbauern­rates betreffen die Voraussetzungen, welche Betriebe erfüllen müssen, um künftig Urlaub auf dem Bauern­hof anbieten zu dürfen: So soll für Grünlandbetriebe ohne Obst-, Wein- oder Gemüseanbau der GVE-Besatz von 0,4 auf 0,5 angehoben werden, jeder Betrieb muss aber mindestens 1,8 Großvieheinheiten halten. Und zwar an der eigenen Hofstelle. Nicht berücksichtigt werden dabei Equiden (also Pferde, Ponys, Esel oder Zebras) sowie Lamas, Alpakas oder Kamele. Pferde und Ponys zählen nur, wenn es sich um einen gemeldeten Reitbetrieb mit mindestens fünf Pferden und/oder Ponys handelt. 
Betriebe mit weniger als einem Hektar Obst-, Wein- oder Gemüse-Anbaufläche, oder weniger als zwei Hektar Wiese, Acker- oder Ackerfutterbaufläche müssen bei Tätigkeitsbeginn eine Produktecke oder einen Hofladen mit mindestens drei hofeigenen Produkten nachweisen können, so der Vorschlag des Landesbauernrates.

Landesverwaltung soll kontrollieren
Neben diesen Verschärfungen der Zugangsvoraussetzungen soll es laut Landesbauernrat auch bessere Kontrollen  geben: Nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Landesverwaltung soll jährlich bei sechs Prozent der Betriebe prüfen, ob die Voraussetzungen für Urlaub auf dem Bauernhof bzw. Hof- oder Buschenschank eingehalten werden. Bei Übertretungen drohen Sanktionen: Geldbußen und das Einstellen der Tätigkeit, bis diese wieder den geltenden Vorschriften entspricht.  
Diese Kontrollbefugnis durch die Landesverwaltung muss im Landesgesetz „Urlaub auf dem Bauernhof“ festgeschrieben werden. Wie auch die Unvereinbarkeit zwischen Urlaub auf dem Bauernhof und gewerblichen Beherbergungsbetrieben (z. B. einem Hotelbetrieb), lautet der Vorschlag des Landesbauernrates. Eine Erleichterung gibt es für Lebenspartner, die den Eheleuten gleich gestellt werden, zum Beispiel für die Ausbildung. 

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Zugangskriterien für UaB - Die Änderungsvorschläge:

Verschärfte Zugangsvoraussetzungen

Betriebe mit Grünland müssen immer Vieh halten sofern die Voraussetzungen nicht durch andere Kulturen (z.B. Obstbau) gegeben sind.

Der Viehbesatz erfährt eine Erhöhung auf 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar, mindestens aber 1,8 Großvieheinheiten pro Betrieb.

Das Vieh muss an der eigenen Hofstelle gehalten werden.

Equiden (Pferde, Esel und ähnliche), Lamas, Alpakas und Kamele zählen nicht zu den Großvieheinheiten (Ausnahme bilden gemeldeten Reitbetriebe).

Kleinbetriebe mit weniger als einem Hektar Obstbau oder zwei Hektar Grünland müssen mindesten drei Produkte herstellen und verkaufen.

Weitere Änderungen

Die Landesverwaltung führt jährliche Kontrollen von sechs Prozent der UaB-Betriebe durch.

Verboten ist die Kombination von UaB-Beherbergung und gewerblicher Beherbergungstätigkeit (Hotels etc.).

Die Lebenspartner werden anerkannt, beispielsweise für die Ausbildung.