Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 04.09.2019

Ziel ist gute Absicherung für alle

Wer einer Agrargemeinschaft, Interessentschaft, Konsortium oder Ähnlichem vorsteht, lebt mit der ständigen Angst, dass etwas passieren könnte. Weil es nämlich keine umfassende Haftpflichtversicherung für solche Gemeinschaften gibt, haftet in der Regel der Vorsitzende mit seinem Privatvermögen. Das soll sich nun ändern. von Bernhard Christanell

Vor allem bei der Instandhaltung von Straßen und Wegen greifen bestehende Versicherungen oft zu kurz. (Foto: pixabay.com)

Vor allem bei der Instandhaltung von Straßen und Wegen greifen bestehende Versicherungen oft zu kurz. (Foto: pixabay.com)

Wir schreiben den 15. Jänner 2014: Ein Milchwagen des Brixner Milchhofes Brimi kommt auf einer Straße in Lüsen Berg von der Straße ab und stürzt mehrere hundert Meter ab. Die tragische Folge: Ein Toter und ein Schwerverletzter. Der Unfall des Brimi-Milchwagens hat landesweit für großes Aufsehen gesorgt und beschäftigt mittlerweile seit mehreren Jahren auch die Justiz. Im Strafrechts-Verfahren schienen neben der Gemeindeverwaltung von Lüsen unter anderem auch der damalige Obmann der Obmann der Weginteressentschaft Lüsen, Hermann Kaneider, im Ermittlungsregister auf. Martin Kaser – Vizebürgermeister und Bauernbund-Ortsobmann von Lüsen – erinnert sich: „Es ist Gottseidank gelungen, die Weginteressentschaft wieder aus dem Ermittlungsregister herauszubekommen. Die Gemeindeverwaltung wurde Ende Februar 2018 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.“

Im folgenden Zivilrechts-Verfahren wird nun jedoch gegen alle Beteiligten – also auch gegen die Weginteressentschaft – wieder ermittelt. „Das Verfahren läuft noch, es drohen Schadenersatz-Forderungen, die die Existenz eines jeden Bauern nicht nur gefährden, sondern sicherlich zerstören würde“, berichtet Kaser. Eine Haftpflicht-Versicherung für Agrargemeinschaften oder ähnliche Vereinigungen gibt es nämlich bis zum heutigen Tag nicht, nach aktuellem Stand würde der Obmann der Interessentschaft mit seinem Privatbesitz haften.

Erhebung des Ist-Zustandes
Aufgrund dieser leidvollen Erfahrungen regt Martin Kaser bereits seit Jahren den Abschluss einer solchen Haftpflichtversicherung an. Nun will der Südtiroler Bauernbund dieses Thema konkret angehen und hat dazu auch bereits erste Gespräche mit Versicherungs-Experten geführt. Als erster Schritt gibt es nun eine Erhebung mittels eines Online-Fragebogens, in dem Informationen zu den bestehenden Vereinigungen gesammelt werden.

Abgefragt werden dort unter anderem die Art der Tätigkeit, den Einsatz von Maschinen, die ausgeübten Freizeitaktivitäten auf Flächen, die Beschäftigung von Arbeitnehmern sowie die produzierten Lebensmittel.

Viele Teilnehmer für gute Bedingungen
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner hofft auf viele Rückmeldungen: „Damit bei den Verhandlungen mit den Versicherungsgesellschaften möglichst gute Vertragsbedingungen für die Vereinigungen ausgehandelt werden können, ist es besonders wichtig, dass möglichst viele Agrargemeinschaften, Interessentschaften, Konsortien, Nachbarschaften und so weiter den Fragebogen ausfüllen und uns die Informationen übermitteln. Nur dann können wir eine starke und umfassende Versicherungspolizze abschließen.“ An der Erhebung beteiligen können sich auch Personen, die nicht Mitglied beim Südtiroler Bauernbund sind.

Knackpunkt Instandhaltung von Wegen
Sieghard Hainz, Bauernbund-Ortsobmann im Ahrntal, ist das Thema ebenfalls ein großes Anliegen: „Eine solche Haftpflichtversicherung ist dringend notwendig, vor allem wo es um die Instandhaltung von Straßen und Wegen geht. Dieser Punkt ist nämlich durch bereits bestehende Versicherungen noch nicht ausreichend abgedeckt.“ Vor allem ruft Hainz auch alle Verantwortlichen von kleineren Vereinigungen und inoffiziellen, nicht notariell eingetragenen Interessengemeinschaften auf, sich an der Erhebung zu beteiligen und die notwendigen Informationen zu übermitteln und ihr Interesse an einer gemeinsamen Haftpflichtversicherung zu bekunden. „Es gibt unzählige solcher kleinen Gemeinschaften im ganzen Land. Viele davon haben zwar schon eine Versicherung abgeschlossen, diese kostet aber natürlich wesentlich mehr als wenn es eine gemeinsame und umfassende Versicherung geben würde“, unterstreicht Hainz.

Ausfüllen online möglich
Der Fragebogen liegt – ab sofort und bis Ende Oktober – in ausgedruckter Form in den Bauernbund-Bezirksbüros auf. Wer möchte, kann den Fragebogen aber auch einfach online ausfüllen. Der Online-Fragebogen kann vom selben Computer nur einmal ausgefüllt werden.

Hier geht es direkt zum Fragebogen.