Südtiroler Bauernjugend, Südtiroler Landwirt, Innovation | 10.10.2019

Drei Bewerber: Auf zum Online-Voting!

Der Innovationsgrad, der Nutzen für Betrieb und Kunden und die Langfristigkeit der Projekte sind die Kriterien, nach denen eine Jury kürzlich drei Bewerber für den Innovationspreis IM.PULS ausgewählt hat. Sie stellen sich ab 17. Oktober dem Online-Voting. von Renate Anna Rubner

Drei Projekte wetteifern beim Ideenwettbewerb IM.PULS um den Sieg.

Drei Projekte wetteifern beim Ideenwettbewerb IM.PULS um den Sieg.

Ein multifunktioneller Biohof mit innovativem Vermarktungs- und Kommunikationskonzept, eine Edelpilzzucht mit Verarbeitung und eine weiterentwickelte Rodungs- und Schneidezange buhlen im Online-Voting um die Gunst des Publikums. Vielmehr sind es die jungen Leute, die hinter diesen innovativen Ideen und Konzepten stehen und die von einer Jury aus den Bewerbungen für den Innovationspreis der Südtiroler Bauernjugend IM.PULS herausgefiltert worden sind. Nun entscheidet das Online-Voting unter www.sbj.it/impuls (mit Start am 17. Oktober), welches von den drei Projekten zum Sieger gekürt wird.
Aber beginnen wir von vorne: Die Südtiroler Bauernjugend hat vor nunmehr sechs Jahren den Innovationspreis IM.PULS ins Leben gerufen: Damit sollen junge Südtirolerinnen und Südtiroler dazu ermutigt werden, zukunftsweisende neue Projekte für die heimische Landwirtschaft in Angriff zu nehmen. Alle zwei Jahre findet dieser Wettbewerb statt, teilnehmen können alle, die eine wirklich innovative Idee hatten, sie umgesetzt haben und belegen können, dass dieses neue oder verbesserte Produkt oder diese innovative Dienstleistung einen Zusatznutzen für landwirtschaftliche Betriebe und für die Kunden bietet. Als weiteres Kriterium für die Jury gilt die Langfristigkeit des Projekts, will heißen, ob es dazu taugt, dem Hof eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunftsperspektive zu bieten.
Beim ersten Innovationswettbewerb siegte Robert Thurner vom Afingsbruckhof, der die Jury mit seiner enormen Gemüsevielfalt und deren Verarbeitung zu Chutneys und Eingelegtem begeisterte. Bei der zweiten Ausgabe war es Stefan Rottensteiner vom Oberweidacherhof, der die Jury mit seiner Wagyu-rinderzucht überzeugte. Beide jungen Bauern haben ihren Weg konsequent weiterverfolgt und stehen heute solide da.

IM.PULS: die dritte Runde
Nun sind wieder zwei Jahre vergangen, der Innovationswettbewerb geht in die dritte Runde. Aus den Einsendungen, die nach dem Aufruf zur Teilnahme am Wettbewerb im Büro der Südtiroler Bauernjugend eingegangen sind, hat die Jury fünf Projekte ausgewählt. Diesen fünf Einbringern wurde kürzlich die Gelegenheit gegeben, sich und ihr innovatives Projekt persönlich vorzustellen.
Es ist ein Samstagvormittag Mitte September: In Bozen ist es spätsommerlich warm, im Sitzungssaal im fünften Stock des Südtiroler Bauernbundes sitzt Christian Gruber vom ROI-Team, der schon zum dritten Mal in der Jury mit dabei ist. Franz Schöpf, Direktor des Amtes für Innovation, Forschung und Entwicklung, Astrid Weiss von der Abteilung Innovation und Energie im Südtiroler Bauernbund, Michael Riedl vom Frauenhofer-Institut, sowie Christian Fischer, Professor an der Freien Universität Bozen, sind zum zweiten Mal mit dabei, während der Direktor der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft, Klaus Gasser, zum ersten Mal mit in der Jury sitzt.

Projektvorstellung und Fragerunde
Die sechs Mitglieder der Jury kennen sich bereits, sie kennen auch die fünf Projekte. Zumindest anhand der Unterlagen, die die Bewerber eingereicht haben. Heute wird es spannend: Je zehn Minuten hat jede/-r Zeit, sich und seine Innovation persönlich vorzustellen. Im Anschluss daran kann die Jury Fragen stellen, um Unklarheiten zu beseitigen oder etwas nachzubohren.  
Pünktlich um 8.30 Uhr begleitet Landessekretärin Evi Andergassen die ersten beiden Bewerber in den Raum. Es sind Andreas Kalser und Josef Obkircher, zwei junge Burschen aus Aldein, die seit Anfang des Jahres 2018 unter dem Namen „Kirnig Südtiroler Edelpilze“ biologisch Kräuterseitlinge und Shiitake-Pilze züchten und sie frisch und in getrockneter sowie eingelegter Form vermarkten. Die Innovation dabei ist das Produkt selbst: Bio-Edelpilzzucht gab es in Südtirol bisher noch keine. Weil die Produktion nicht im Freien erfolgt, kann das ganze Jahr über geerntet werden, sodass dieses sonst saisonabhängige Produkt ganzjährig angeboten werden kann.

Kirnig: kernig und gesund
Die jungen Bauern, die beide den Hof daheim schon von ihren Eltern übernommen haben, wollten sich mit den Pilzen ein neues gemeinsames Standbein schaffen. Dabei sei die Idee gar nicht von ihnen selber gekommen, vielmehr sei es Josefs Vater gewesen, der die Idee zur Edelpilzzucht geboren hat. Die beiden Freunde haben sie dann umgesetzt: Sie haben sofort strukturell investiert und Produktions- und Verarbeitungsräume eingerichtet, mit den ersten Substratballen begonnen und sind auch gleich vermarktungstechnisch in die Offensive gegangen: Nun verkaufen sie die Pilze zu zwei Drittel über die Gastronomie, der Rest geht über „Biokistl“ und Biofeinkostläden an die Kunden. Dabei läuft die Produktion noch nicht auf vollen Touren, räumen sie ein: Ihr Produktionspotenzial liegt bei 700 bis 900 Kilogramm pro Woche, momentan ernten sie rund 40 Prozent davon. Das soll sich aber bald ändern, denn die beiden rührigen Jungbauern sind auf der Suche nach einer interessierten Handelskette.

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„Wie viel Arbeit steckt in diesem neuen Betriebszweig?“, will ein Jurymitglied wissen. Schließlich sei die Pilzzucht nur ein Standbein der Höfe. Andreas sagt: „Zuerst haben wir alles alleine gemacht, das war irgendwann nicht mehr möglich. Deshalb haben wir nun zwei Arbeitskräfte eingestellt, die zwar nicht in Vollzeit für uns arbeiten, aber zu je 75 Prozent.“ Das sei fürs Erste ausreichend. „Und woher kommt der Name ,Kirnig‘?“, fragen die Juroren. „Das ist ein typisches Aldeiner Wort für ein kernig gesundes Kind oder auch Kälbchen. Wir fanden das passend“, sagt Josef und lacht verschmitzt. Der Name prangt nicht nur auf den Kartonkörbchen, in denen die Pilze verkauft werden, sondern auch auf den trachtigen Westen, die die beiden Burschen tragen. Als die beiden fertig sind, haben sie hoffnungslos überzogen, der zweite Bewerber hat etwas Geduld aufbringen müssen. Leider schaffen es er und Bewerber Nummer drei nicht ins Online-Voting. Die Jury beschließt das nach Präsentation und Befragung, einer schriftlichen Bewertung der Projekte, die jedes Jurymitglied für sich ausfüllt, und der abschließenden Diskussion. Die Wahl fällt nicht leicht, aber die Bewerber, die am Online-Voting teilnehmen dürfen, müssen auf drei Betriebe eingegrenzt werden.

60 Gemüse-, Kräuter- und Obstarten
Lukas Unterhofer, ein schlacksiger junger Mann mit blondem Haar und kantigem Gesicht, strahlt Souverenität aus, als er den Saal betritt. Entsprechend selbstsicher stellt er auch seinen Hof – den Valentinhof in Meran – vor, den er in den letzten Jahren vom reinen Obsthof zu einem multifunktionellen Biohof mit einer großen Vielfalt an Gemüse, Obst und Kräutern umstrukturiert hat: Rund 60 Arten werden nach biologischen Richtlinien produziert, am Gemüseacker wird eine siebenteilige Fruchtfolge eingehalten.
Der junge Bauer vermarktet seine Produkte, die auf insgesamt acht Hektar Fläche angebaut werden, über den Bauernladen, den er direkt am Valentinhof betreibt. Durch seine zentrale Lage gelingt dieses Konzept ideal, in Spitzenzeiten kommen täglich 100 bis 150 Kunden in den Bauernladen, der dreimal pro Woche geöffnet ist.

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Wirklich innovativ ist das Konzept der Direktvermarktung von Obst und Gemüse zwar nicht, findet die Jury, was aber überzeugt, ist das Gesamtkonzept des Hofes: So investiert Lukas Unterhofer sehr viel Zeit und Energie in das Marketing und die Kundenbindung. Er hat unter www.valentinhof.bio einen professionellen Internetauftritt, bespielt verschiedene Social-Media-Kanäle mit Videos, Fotos und Posts, bindet seine Kunden direkt mit ein und organisiert Events am Hof, zum Beispiel Gartenkino, Brunch mit hofeigenen Produkten, ein Café mit frisch gebackenen Kuchen und Torten, einem Streichelzoo und einem Spielplatz für Kinder.
Innovativ ist auch der Fahrrad-Lieferservice, den er gemeinsam mit einem Partner im Großraum Meran anbietet.

Begeisterung und harte Arbeit
Die Jury ist beeindruckt, die Vielschichtigkeit von Angebot, Bewerbung und Kundenservice lässt die Frage aufkommen, wie das alles zeitlich zu schaffen ist. Natürlich hat Lukas Unterhofer Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und vor allem für die Ernte eingestellt, er selbst sieht seine Hauptaufgaben in der Produktionsplanung und -konzeption und im Marketing.

„Können Sie sich auch vorstellen, einen Betriebsleiter anzustellen, der die Produktionsplanung künftig übernimmt?“, fragt man aus der Jury. Lukas Unterhofer antwortet mit einem klaren Nein, die vielen verschiedenen Kulturen machen die Anbauplanung so komplex, das könne er niemand anderem überlassen. Seine Mutter geht ihm aber zur Hand, vor allem ist sie für die leckeren Kuchen im Hof-Café zuständig.
„Der Gemüseanbau und die Direktvermarktung bieten meiner Familie und mir mehr Spaß, mehr Herausforderung und Abwechslung als der reine Apfelanbau“, sagt der junge Bauer und ergänzt: „Zum Erfolg braucht es aber nicht nur Begeisterung für die Sache sondern auch harte Arbeit.“ Das glaubt ihm die Jury aufs Wort.

Weiterentwicklung eines bestehenden Rodungsgerätes
Eine Rodungs- und Schneidezange als Weiterentwicklung einer bereits existierenden Maschine präsentiert Sandra Telser der Jury. Die junge Frau vom Tröghof in Laas macht einen ruhigen, kompetenten Eindruck, als sie ihr Projekt vorstellt. Sie hat die TFO besucht und erklärt der Jury, dass sie diese Maschine als Maturaprojekt weiterentwickelt hat. Und zwar mit der Firma Vimas aus Latsch: „Es gab bereits ein Rodungsgerät, aber ohne zusätzliches Schneidegerät. Es wies einige Nachteile auf, da die Stämme vor der eigentlichen Rodung oberhalb der Veredelungsstelle mit der Motorsäge abgeschnitten werden mussten. Der Wurzelstock blieb im Boden und musste dann mit der Zange herausgezogen werden. Zur Verarbeitung zu Hackschnitzeln konnte er so nicht verwendet werden, weil nur Holz ohne Erde oder Steine in die Häckselmaschine gelangen darf.“

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Doppelt gespart: Zeit und Mühe
Die Weiterentwicklung der jungen Vinschgerin hat einen großen Vorteil, der Zeit und somit Geld sparen lässt: An der bereits bestehenden Rodungszange brachte sie eine Schneidevorrichtung an, sodass der gesamte Rodungsvorgang in einem einzigen Arbeitsschritt erfolgen kann. Der Apfelbaum wird von der Maschine als Ganzes ausgerissen, die Erde abgeschüttelt und dann der Wurzelstock voll-automatisch abgeschnitten. So bleibt die Veredelungsstelle ohne Wurzel am Baum, sodass auch die Holzausbeute größer wird: also doppelt gespart!

Die Jury staunte nicht schlecht, als die junge Frau einen Film abspielen lässt, mit dem sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen können, dass die Maschine funktioniert und das Roden der Apfelbäume dadurch deutlich erleichtert wird. Ein weiterer Pluspunkt für diese Maschine, weil sie damit die körperliche Anstrengung beim Roden von Apfelanlagen deutlich reduziert. Aber nicht nur die Maschine selbst beeindruckt die Jury, sondern auch die fachliche Kompetenz der jungen Frau und die Beharrlichkeit, mit der sie sich an ihre Entwicklung gemacht hat: Sie machte Vermessungen und Erhebungen, wog ab, welche Materialien sie verwenden sollte, fertigte Skizzen an und verbesserte mithilfe eines Tutors, der ihr von der Firma Vimas zur Seite gestellt wurde, den Prototyp, bis die Maschine einwandfrei funktionierte.
Die junge Vinschgerin ist sichtlich stolz auf ihre Maschine. Einmal mehr, weil sie auch nachgerüstet werden kann. So können alle Kunden, die die Rodungszange bereits einsetzen, diesen arbeits- und kostensparenden Zusatz anbringen lassen. „Die Grundidee der Schneideeinheit ist durch den Input von Bauern entstanden“, erklärt Sandra Telser. Sie wünschten sich ein komplettes Rodungsgerät. Diesen Wunsch haben wir damit umgesetzt“, sagt sie. Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Der Erfolg am Markt ist so gut wie garantiert.

Die Jury hat ihre engere Auswahl getroffen, nun liegt es am Publikum, ihren Liebling zu küren: Beim Online-Voting, das von 17. bis 31. Oktober unter www.sbj.it/impuls stattfindet, können alle mitwählen. Wer am meisten Stimmen hat, gewinnt den Innovationspreis IM.PULS 2019. Aber egal, wer das Rennen macht, Sieger sind sie alle.

Die dritte Auflage des Innovationspreises „IM.PULS“ ist ein Projekt der Südtiroler Bauernjugend und wird unterstützt vom Südtiroler Bauernbund, den Südtiroler Raiffeisenkassen, der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft, der Abteilung für Innovation, Forschung und Universität der Provinz Bozen sowie den Medienpartnern Dolomiten, stol.it, Südtirol 1 und dem Südtiroler Landwirt.

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