Arbeitsberatung, Produktion | 22.10.2019

Strenge Kontrollen bei Erntehelfern

Gerade jetzt, wo die Ernte in den Obstwiesen und Weinbergen in vollem Gang ist, nehmen auch die Kontrollen zu: Im ganzen Land wird geprüft, ob Erntehelfer regulär gemeldet sind. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. von Bernhard Christanell

Welche Verwandten und Verschwägerten bei der Ernte ohne Bezahlung mithelfen dürfen und welche nicht, ist gesetzlich genau geregelt.

Welche Verwandten und Verschwägerten bei der Ernte ohne Bezahlung mithelfen dürfen und welche nicht, ist gesetzlich genau geregelt.

Wer in diesen Tagen in den Obstwiesen oder im Weinberg bei der Ernte ist, achtet dabei immer auch auf ein ganz bestimmtes Geräusch – jenes eines heranfahrenden Autos. Sind es nur Nachbarn, ist es das verdiente Mittagessen – oder ist eine Kontrolle im Anmarsch? Wie bereits im vergangenen Jahr gibt es auch heuer verstärkte Kontrollen im Bereich der Schwarzarbeit in der Landwirtschaft: Die Inspektionen werden vor allem von den verschiedenen Finanzwachen, aber auch vom Arbeitsinspektorat und den Inspektoren der INPS vorgenommen. Die Kontrollen finden derzeit in ganz Südtirol statt, sowohl in Obstbau- als auch in Weinbaugebieten. Auch die Gesamtzahl der Kontrollen ist deutlich gestiegen. Worauf zu achten ist, wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb Arbeiter beschäftigt, war bereits mehrfach Thema im „Südtiroler Landwirt“, zuletzt auch in der Ausgabe vom 19. Juli 2019 (der Artikel ist auch hier abrufbar).

Wer ohne Bezahlung mithelfen darf
Weil es nach wie vor oft unklar ist, wer bei der Ernte unentgeltlich mithelfen darf und wer nicht, soll dies hier noch einmal genau beschrieben werden. Ohne großen ­bürokratischen Aufwand und ohne vorherige Meldung beim Arbeitsamt dürfen Verwandte und Verschwägerte bis zum vierten Grad bei der Ernte mithelfen. Darunter fallen etwa Brüder, Schwestern, Söhne, Töchter, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen des Betriebsinhabers bzw. des Ehepartners. Unter Verschwägerte versteht man die Blutsverwandten des Ehepartners. Bei der Mithilfe muss es sich um eine gelegentliche Beschäftigung über einen kurzen Zeitraum handeln (z.B. die Ernte). Für die Beschäftigung darf kein Entgelt entrichtet werden.

Eine ähnliche Regelung betrifft die sogenannte Nachbarschaftshilfe oder der Arbeitsaustausch zwischen landwirtschaftlichen Kleinunternehmern. Dabei können Betriebsinhaber und ihre Familienmitglieder sich gegenseitig bei der Ernte unterstützen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Beteiligten – also die Betriebsinhaber und die mithelfenden Familienmitglieder – bauernversichert sind. Der gegenseitige Dienst muss ohne Bezahlung erfolgen und der Arbeitsumfang, bei dem sich die beiden Betriebe behilflich sind, muss auf beiden Seiten in etwa gleich hoch sein.

Arbeitsverhältnisse frühzeitig melden
Alle übrigen Arbeitsverhältnisse müssen ordnungsgemäß gemeldet werden – und zwar spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn beim Amt für Arbeitsmarktbeobachtung. Wie dabei vorzugehen ist, ist ebenfalls im oben genannten „Landwirt“-Artikel vom Juli dieses Jahres angeführt.

Eine Ausnahme für die Weinlese ist in den offiziellen Gebräuchen der Handelskammer Bozen verankert worden. Allerdings wurden diese bisher von den Behörden nicht anerkannt.

Derzeit laufen Bemühungen, dies zu ändern, das Ergebnis dieser Bemühungen ist derzeit allerdings noch offen. Das heißt, das laut derzeitigem Stand Freunde und Bekannte gleich zu behandeln sind wie alle übrigen Arbeitnehmer.
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler unterstreicht, dass der Bauernbund laufend an Lösungen arbeitet: „Wir arbeiten laufend daran, möglichst unbürokratische Lösungen zu finden, die unseren Bauern die Arbeit erleichtern. Natürlich müssen wir dabei aber immer darauf achten, dass diese Lösungen auch rechtlich abgesichert sind.“

Höhe der Strafen hängt vom nicht gemeldeten Zeitraum ab
Stellen die Kontrolleure fest, dass Arbeiter nicht regulär gemeldet sind, so gilt dies als Schwarzarbeit und der Betriebsinhaber muss mit hohen Strafen rechnen.
Die Höhe der Strafe hängt vom nicht gemeldeten Zeitraum ab und beträgt derzeit im Durchschnitt 3600 Euro pro schwarz beschäftigtem Arbeiter. Die Strafe erhöht sich, falls der Arbeiter länger als 30 Tage schwarz beschäftigt war bzw. erhöht sie sich nochmals, falls er mehr als 60 Tage schwarz beschäftigt war. Zusätzlich verliert der Betrieb für den Zeitraum, in dem die Arbeiter schwarz beschäftigt waren, für alle Arbeiter die sogenannte Reduzierung Berggebiet auf die Sozialabgaben.

Einen Unterschied macht es jedoch, wenn es sich um Nicht-EU-Bürger ohne gültige Papiere handelt. In diesem Fall könnte zusätzlich zur Verwaltungsstrafe auch noch eine Strafanzeige gestellt werden.