Bauernbund | 20.11.2019

2020 geht es „um die Wurst“

Mehrere Ehrungen und ein Ausblick auf kommende Herausforderungen – das waren die Schwerpunkte des Bäuerinnen- und Bauerntages am Dienstagabend in der Kellerei Meran Burggräfler. von Bernhard Christanell

Die Erbhofurkunden wurden an drei Familien überreicht.

Die Erbhofurkunden wurden an drei Familien überreicht.

Feierlicher Höhepunkt der Bezirksversammlung war die Überreichung von drei Erbhofurkunden an Bauernfamilien aus dem Bezirk Burggrafenamt. Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler, der die Urkunden und die entsprechenden Plaketten übergab, dankte den Familien für ihren Einsatz: „Ein Erbhof befindet sich seit über 200 Jahren im Besitz derselben Familie. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass unsere bäuerlichen Familien in Generationen denken und nicht auf den kurzfristigen Profit schauen – und eine klare Antwort auf viele Zwischenrufe, die der Landwirtschaft immer öfter das Gegenteil vorwerfen.“

Verliehen wurden die Erbhofurkunden an die Familien von Robert Tribus vom Unterbichl-Hof in Tisens, Günther Garber vom Talgütl-Hof in Partschins und Matthias Prünster vom Beaten-Hof in Dorf Tirol. Wegen der schlechten Straßenverhältnisse konnte die vierte Erbhof-Familie – jene von Elisabeth Gapp vom Thaler-Hof in Algund/Aschbach – nicht zur Versammlung kommen.

Bauernbund-Bezirksobmann Bernhard Burger dankte den vielen freiwilligen Helfern, die in den vergangenen Tagen mit den Aufräumarbeiten nach den heftigen Schnee- und Regenfällen im Einsatz waren und ehrenamtlich ihre Zeit geopfert haben. Viel ehrenamtlichen Einsatz haben auch mehrere langjährige Funktionäre geleistet. Beim Bäuerinnen- und Bauerntag wurden folgende Funktionäre für ihren langjährigen Einsatz an führender Position auf Orts- bzw. Bezirksebene mit der Ehrennadel in Silber ausgezeichnet: Rudolf Christian Gögele, Josef Pichler, Josef Alois Pixner, Alois Pöhl, Karl Raich, Oswald Schwarz und Karl Trenkwalder nahmen die Ehrennadel in Empfang. Alois Haller und Elmar Lösch konnten aus gesundheitlichen Gründen bzw. wegen der schlechten Witterung nicht zur Versammlung kommen, sie werden die Ehrennadel bei einer anderen Gelegenheit erhalten.

Gemeinderatswahlen: Bäuerliche Vertretung sichern
Auf die Landwirtschaft kommt 2020 einiges zu – das teilte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner den Bäuerinnen und Bauern mit: „Euren vollen Einsatz brauchen wir bei den Gemeinderatswahlen. Helft mit, damit der Bauernstand auch weiterhin gut in den Gemeinderäten und -ausschüssen vertreten ist. Nur wenn wir mit am Tisch sitzen, können wir mitentscheiden, sonst machen es andere für uns. In den kommenden Jahren stehen viele wichtige Entscheidungen an, bei den Wahlen im Frühjahr geht es um die Wurst!“

Neben diesem eindringlichen Appell hatte Rinner eine Fülle von Informationen für die Burggräfler Bäuerinnen und Bauern. Entscheidend wird das Jahr 2020 auch, was die Zukunft der EU-Agrarpolitik anbelangt: „Die neuen Regeln werden wohl erst ab 2022 gelten. Wie viel Geld der Landwirtschaft dabei zur Verfügung steht, ist noch nicht klar – infolge des Brexits und neuer Schwerpunkte der neuen EU-Kommission muss die Landwirtschaft aber mit Kürzungen rechnen“, berichtete Rinner. Der Bauernbund setze sich dafür ein, dass die Gelder aus dem ländlichen Entwicklungsplan zumindest auf dem bisherigen Niveau bleiben und dass die Betriebsprämien auf Staatsebene endlich angeglichen werden. „Sollte es zu Kürzungen kommen, so zählen wir darauf, dass die Landesregierung diese mit den Mitteln aus dem Landeshaushalt ausgleicht“, betonte Rinner.

Baumwanze und Wolf
Neben der EU-Agrarpolitik haben die Burggräfler Bauern aber auch im Alltag mit vielen konkreten Problemen zu kämpfen: In den Tallagen sind dies neue Schädlinge wie die Marmorierte Baumwanze, die immer mehr um sich greift. „Bis wir hier eine wirksame Lösung haben, wird es noch dauern. In der Zwischenzeit soll ein Mutualitätsfonds eingerichtet werden, in den die Bauern einen bestimmten Beitrag einzahlen und über den betroffene Landwirte ihre Ausfälle abfedern können“, berichtete Schuler. Für die Bergbauern ist und bleibt der Wolf ein großes Sorgenkind: „Wir arbeiten auf allen Ebenen darauf hin, dass der Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene gesenkt wird und wir die Möglichkeit bekommen, sensible Gebiete auszuweisen, in denen auch ein Abschuss möglich ist“, erklärte Schuler.