Südtiroler Landwirt, Politik, Bauernbund | 21.11.2019

„Endlich Schluss mit Untergriffen!“

Die Voraussetzungen und die Kontrollen für den Urlaub auf dem Bauernhof sollen verschärft werden. Gleichzeitig fordert Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner ein Ende der Vorwürfe und Unterstellungen gegen den Urlaub auf dem Bauernhof. von Michael Deltedesco

Der Urlaub auf dem Bauernhof ist ein enorm wichtiges Standbein für viele bäuerliche Familien.

Der Urlaub auf dem Bauernhof ist ein enorm wichtiges Standbein für viele bäuerliche Familien.

Südtiroler Landwirt: Der Urlaub auf dem Bauernhof ist in die Kritik geraten. Kritisiert wird, dass auch Nicht-Bauern einen Urlaub auf dem Bauernhof anbieten. Wie ist die Situation tatsächlich?

Siegfried Rinner: Der Urlaub auf dem Bauernhof ist ein enorm wichtiges Standbein für viele bäuerliche Familien, und das besonders im Berggebiet. Etwa zwei Drittel der UaB-Betriebe sind Grünlandbetriebe. Der Urlaub auf dem Bauernhof trägt wesentlich dazu bei, dass Höfe erhalten werden und die landwirtschaftliche Tätigkeit weitergeführt wird. 

Natürlich gibt es unter den 2800 UaB-Betrieben, wie in anderen Branchen auch, einige Schlaue, die einen Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, aber nicht bzw. nicht mehr die Voraussetzungen erfüllen. Deshalb muss kontrolliert werden, ob die Verbindung von landwirtschaftlicher Tätigkeit und UaB auf den Höfen gegeben ist.

Für uns ist klar: Wo Bauernhof draufsteht, muss auch Bauernhof drinnen sein. Denn das Gästeversprechen „Bauernhof spüren“ unserer Marke „Roter Hahn“ muss für alle Höfe gelten. Das sind wir unseren Gästen schuldig.

Was aber sicher nicht hilfreich ist, sind Unterstellungen und eine generelle Verunglimpfung des Urlaubs auf dem Bauernhof aus reinem politischen Kalkül und der billigen Schlagzeile wegen, obwohl in Sonntagsreden immer die große Bedeutung der Landwirtschaft und des bäuerlichen Zuerwerbs hervorgehoben wird.  

Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass die Kritiker verschiedene Bereiche miteinander vermischen ...

In der Tat werden Bestimmungen der Raumordnung mit lizenzrechtlichen Regeln vermischt. Einige möchten den Urlaub auf dem Bauernhof beschränken, indem sie bei der Raumordnung ansetzen und Bindungen vorsehen bzw. Verbote erlassen. 

Um Spekulationen weitestgehend zu verhindern, reicht es, wenn die lizenzrechtlichen Voraussetzungen klar sind, sie eingehalten werden und dies auch kontrolliert wird. Wenn die Autofahrer auf einer Straße zu schnell fahren, wird auch nicht die Straße entfernt bzw. das Autofahren generell verboten, sondern eben einfach mehr und gezielt kontrolliert.

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Der Zugang zum Urlaub auf dem Bauernhof ist u. a. mit einem Staatsgesetz, einem Landesgesetz und einem Beschluss der Landesregierung klar geregelt. Wer darf heutzutage Urlaub auf dem Bauernhof anbieten?

Es gibt mehrere Voraussetzungen für den Urlaub auf dem Bauernhof. Urlaub auf dem Bauernhof darf im Wohnvolumen eines landwirtschaftlichen Betriebes ausgeübt werden, und es muss eine landwirtschaftliche Tätigkeit aktiv ausgeübt werden. 

Diese Tätigkeit hat zeitlich vorwiegend zu sein, d. h., es muss eine festgelegte Mindestzeit in der Landwirtschaft gearbeitet werden. Bei Grünlandbetrieben kommt die effektive Haltung von Nutztieren am Hof als Kriterium hinzu. Der Südtiroler Bauernbund hat bereits im Sommer einige Verschärfungen der lizenzrechtlichen Voraussetzungen vorgeschlagen, die mit einem Beschluss der Landesregierung umgesetzt werden könnten (siehe „Südtiroler Landwirt“ Nr. 14 vom 2. August 2019). Darauf warten wir.

Geregelt ist auch die maximale Anzahl von Wohnungen bzw. Zimmern: Erlaubt sind maximal fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmer. In den anderen Provinzen gibt es diese letzte Einschränkung nicht, das ist eine Südtiroler Besonderheit. 

Trotz dieser Regeln fordert der Südtiroler Bauernbund seit Längerem strengere Zugangskriterien. Wieso ist der Bauernbund hier so hart?

Einige Schlaumeier haben Schlupflöcher gefunden, die wollen wir schließen. Damit wollen wir die überwältigende Mehrheit der UaB-Betriebe „schützen“, die alle Voraussetzungen erfüllen und für die der UaB genau das ist, was er sein sollte: ein wichtiger Zuerwerb zum landwirtschaftlichem Einkommen und eine Ergänzung des touristischen Angebots. 

Leider ist es heute so, dass von bestimmten politischen Parteien und Medien beinahe jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. 

Derzeit trifft es eben den Urlaub auf dem Bauernhof, und wie ich meine, ist diese Kritik am Urlaub auf dem Bauernhof stark überzogen und noch dazu in weiten Teilen fachlich völlig aus der Luft gegriffen. 

Ich habe den Verdacht, dass der Urlaub auf dem Bauernhof ganz bewusst in ein schlechtes Licht gerückt werden soll. Dieser Pauschalkritik können wir nur entgegentreten, indem die Betriebe kontrolliert und damit die aktiven landwirtschaftlichen Betriebe geschützt werden.

Wieso gibt es dennoch Situationen, die so nicht gewollt sind?

Weil eben zu wenig kontrolliert wurde. Wir fordern seit Längerem mehr Kontrollen. Ein Vorschlag wäre, bei den Einstufungen der Betriebe genauer zu kontrollieren. Hier wäre die Landesverwaltung gefordert. Kontrolliert werden sollte auch, wenn es Meldungen gibt, dass die Voraussetzungen für den Urlaub auf dem Bauernhof nicht mehr gegeben sind. 

Wir sind nicht daran interessiert, dass Nicht-berechtigte Urlaub auf dem Bauernhof anbieten! Wer die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt, muss die Lizenz zurückgeben. Aber ich halte in einem solchen Fall nichts davon, diesen Betrieben dann auch die alternative Privatzimmervermietungslizenz zu verweigern. Ein Ausstieg aus dem UaB muss genauso möglich sein wie ein Einstieg. Gerade im ländlichen Raum brauchen wir diese nichtgewerbliche Beherbergungstätigkeit. Das touristische Geschäft soll nicht nur den gewerblichen Betrieben wie Hotels überlassen bleiben. 

Kommen wir zur geplanten Gesetzesänderung: Wo soll das UaB-Gesetz konkret nachgebessert werden?

Die Verbindung von Landwirtschaft und Urlaub auf dem Bauernhof muss gestärkt werden. Zudem soll der Viehbesatz einen höheren Stellenwert bekommen, indem die Mindestanzahl an Tieren, die am Hof gehalten werden müssen und für die landwirtschaftliche Tätigkeit relevant sind, erhöht wird. Pferde sollen nur mehr bei Zuchtbetrieben berücksichtigt werden. 

Ohne diese Voraussetzungen darf es zukünftig keine UaB-Lizenz geben – oder sie muss zurückgegeben werden, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt werden können. Und, wie gesagt, soll mehr kontrolliert werden – gerne auch durch die Landesverwaltung.

Mit dem neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft können bis zu 1500 Kubikmeter für Urlaub auf dem Bauernhof genutzt werden. Weckt man damit nicht noch mehr Begehrlichkeit bei Nichtbauern, und erreicht damit eigentlich das Gegenteil von dem, was man eigentlich will?

Überhaupt nicht. Aktuell sieht das Gesetz 1000 Kubikmeter Wohnvolumen, 250 Kubikmeter speziell für Urlaub auf dem Bauernhof und nochmals 150 Kubikmeter vor – in Summe 1400 Kubikmeter, wobei auch die 1000 Kubikmeter schon jetzt „frei“ sind und für den Urlaub auf dem Bauernhof verwendet werden könnten. Das heißt, es ändert sich kaum etwas. Diese Regelung gilt bereits seit 25 Jahren, und es ist nichts passiert. Hier jetzt Missbrauch herbeizuspekulieren, ist einfach unseriös und untergriffig. 

Hinzu kommt, dass nicht klar ist, wie das Volumen von 1500 Kubikmetern berechnet wird. Es könnte durchaus sein, dass am Ende sogar weniger Bauvolumen zur Verfügung steht als derzeit.

Ein Kritikpunkt, der immer wieder zu hören ist, ist die Architektur. Bauernhöfe seien häufig nur mehr Villen, heißt es ...

Nostalgiker und Romantiker möchten Bauernhöfe wie im 19. Jahrhundert. Wir haben auch viele historische und gut erhaltene Bauernhöfe. Aber es muss auch Platz für moderne Architektur sein. Warum wird diese bei Schutzhütten über 3000 Metern prämiert und bei den Bauernhöfen verteufelt? Das soll mir mal einer erklären. 

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Gäste anspruchsvoller werden. Den Gast, der sich mit einem Badezimmer am Gang pro Stockwerk oder mit einem Strohsack begnügt, gibt es nicht mehr. Die Zahlen zeigen klar, dass besonders die 4- und 5-Blumen-Betriebe die beste Auslastung haben. Diese Betriebe bieten auch die beste Ausstattung und viele hofeigene Produkte. 

Das bedeutet, dass zwischen Ausstattung und Auslastung ein klarer Zusammenhang besteht. Genauso stellen die Gäste Ansprüche an die Architektur, die auch modern sein kann. Kritik kommt hier vor allem von jenen Menschen, die den UaB und generell die Landwirtschaft infrage stellen. Und eine gute Portion Neid und Missgunst ist natürlich auch mit im Spiel. Auch dieses Phänomen nimmt zu und macht uns zu schaffen.