Produktion, Innovation | 04.12.2019

Nutzhanfanbau als Alternative

Der Anbau von Nutzhanf hat auch in Südtirol das Interesse einiger Bauern geweckt. Der Bauernbund-Innovationsschalter hat deshalb einen Informationstag zu diesem Thema organisiert. von Michael Eisendle

Nutzhanf kann zur Gewinnung von Samen, Ölen und Fasern eingesetzt werden. Foto:  Julia Teichmann, Pixabay.com

Nutzhanf kann zur Gewinnung von Samen, Ölen und Fasern eingesetzt werden. Foto: Julia Teichmann, Pixabay.com

Früher hatte der Hanfanbau zur Fasergewinnung in Südtirol bereits Tradition, aktuell gibt es aber nur noch wenige Südtiroler Betriebe, die Nutzhanf anbauen, unter anderem weil es rechtlich eine Zeit lang nicht mehr möglich war. 2016 wurde der Hanfanbau für THC-arme Sorten in Italien vereinfacht, wodurch auch in Südtirol verstärkt Bedarf für Beratung zum Thema Nutzhanf entstanden ist. 

Der Bauernbund-Innovationsschalter hat deshalb einen Informationstag unter dem Motto: „Hanf – Eine Nische für Südtiroler Landwirte?“ organisiert. Die rund 60 Teilnehmer erhielten dabei Informationen zur aktuellen Rechtslage, Tipps für den Anbau und die Ernte von Samen und Fasern auf kleinen Flächen sowie Einblicke in zwei Praxisbetriebe im Trentino und in Osttirol.  

Vielseitige Anwendung

Hanf gilt als anspruchslose Pionierpflanze. Sie braucht kaum Düngung und Bewässerung und es gibt Sorten, die für verschiedene Höhenlagen und Verwendungszwecke geeignet sind. Zu vermeiden sind Böden, welche zu Staunässe neigen. Hanf ist zudem sehr gut für den Fruchtwechsel geeignet, da durch die tiefen Wurzeln der Boden gelockert und entgiftet wird. Versuche haben gezeigt, dass der Ertrag von Getreide bis zu 15 Prozent gesteigert werden kann, wenn Hanf in die Fruchtfolge eingebunden wird.

Die Hanfpflanze ist vielseitig, nahezu alle Teile können verarbeitet werden. Aus Nutzhanf werden nicht nur Textilien, Schuhe, Kosmetik und sogar Brillen hergestellt, sondern auch Lebensmittel und Baustoffe. Als Lebensmittel zählt der Hanf mit seiner geballten Ladung an Inhaltsstoffen zum Superfood. So enthalten zum Beispiel Hanfkörner alle acht essenziellen Aminosäuren und reichlich Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren.

Wertschöpfungskette aufbauen

Hanf kann ein Standbein für klein strukturierte Betriebe sein, vor allem in der Direktvermarktung. Jedoch gilt es, noch einige Herausforderungen zu meistern. Es gibt viele Hanfsorten mit unterschiedlichen Anforderungen an die Ernte (Samen, Fasern). Für die maschinelle Ernte kleiner Flächen müssen individuelle Lösungen gefunden werden. Kooperationen für eine gemeinschaftliche Ernte und Verarbeitung müssen erst aufgebaut werden. Zudem sind die Preise für zertifiziertes Saatgut sehr unterschiedlich und zum Teil sehr hoch. Wichtig ist auch, die Sortenwahl an den Standort anzupassen, sich streng an die gesetzlichen Grundlagen zu halten und die weitere Entwicklung im Auge zu behalten.

Der Südtiroler Bauernbund will die Nische Hanf mit Partnern genauer unter die Lupe  nehmen. Gemeinsam mit Stakeholdern soll die Wirtschaftlichkeit geprüft, eine Beratung und eine regionale Wertschöpfungskette aufgebaut werden. Nicht zuletzt soll der Bedarf an standortspezifischen wissenschaftlichen Versuchen gedeckt werden.