Produktion, Südtiroler Landwirt | 17.12.2019

REBECKA: Rebflächen bewerten

Die Eignung landwirtschaftlicher Flächen für den Weinbau bewerten kann ein neues digitales Tool: Die Weinbauexperten des Versuchszentrums Laimburg stellten das Interreg-Projekt REBECKA mit ihren Forschungspartnern aus Südtirol und Kärnten kürzlich vor. von Franziska Hack, Julia Rizzo, Versuchszentrum Laimburg

Weinbau in Südtirol. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Weinbau in Südtirol. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Die Landwirtschaft im Alpenraum steht unter Druck: Aufgrund der ungünstigen topografischen und sozioökonomischen Voraussetzungen und den Auswirkungen des Klimawandels sind die Voraussetzungen schwierig, besonders durch die Globalisierung steigen die Herausforderungen stetig. 

Im Weinbau wird das Ausweisen neuer Parzellen kontrovers diskutiert: Einerseits erlaubt der Weinbau eine hohe Wertschöpfung, andererseits stellt die Rebe aber auch hohe Anforderungen an den Standort. Südtirol ist topografisch sehr vielseitig und weist deshalb auf engstem Raum Flächen unterschiedlicher Höhenlagen, Exposition, Hangneigung und klimatischer Bedingungen auf, die nicht alle zur Produktion qualitativ hochwertiger Weine geeignet sind. Darum bestehen schon seit Langem Bestrebungen, mittels naturwissenschaftlicher Methoden und objektiver Kriterien zu bestimmen, welche Zonen sich am besten für den Weinbau eignen.  

Ein Bewertungsmodell 

Im Projekt REBECKA, das vom Versuchszentrum Laimburg koordiniert wird und an dem außerdem Eurac Research, Joanneum Research und die Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten beteiligt sind, haben die Wissenschaftler nun ein digitales Modell erarbeitet, mit dem die weinbauliche Eignung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen bewertet werden kann. 

Dieses Modell liefert verlässliche Informationen darüber, inwieweit einzelne Grundparzellen in Südtirol und in Kärnten für den Weinbau geeignet sind. Wegen der fortschreitenden Klimaveränderung ist das Modell so aufgebaut, dass es an die weitere Entwicklung angepasst werden kann. Das Modell wurde kürzlich bei einer Pressekonferenz dem ­Publikum vorgestellt. 

Grundlage für Entscheidungen im Weinsektor

„Aufgabe des Versuchszentrums Laimburg ist es, wissenschaftlich fundierte Daten und Fakten zu liefern, damit die jeweiligen Entscheidungsträger in Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie die Weichen für die Zukunft stellen können“, betonte der Direktor des Versuchszentrums Laimburg, Michael Oberhuber, bei der Vorstellung und fügte hinzu: „Das im Interreg-Projekt REBECKA erarbeitete Bewertungsmodell liefert objektive und wissenschaftlich fundierte Informationen, auf deren Grundlage nun der Weinsektor entscheiden kann, wo in Südtirol und in Kärnten künftig Weinbau betrieben werden kann und soll.“ 

„Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind für die gesamte Landwirtschaft im Alpenraum bedeutsam, da die Ergebnisse auch auf andere Gebiete mit ähnlichen Bedingungen und Problematiken übertragbar sind“, ergänzte Projektleiterin Barbara Raifer, die am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich Weinbau verantwortet.

Projektpartner Hermann Katz von Joanneum Research und Erwin Gartner von der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten erklärten: „Der grenzüberschreitende Charakter des Projekts hat es uns ermöglicht, verschiedene Situationen zu berücksichtigen sowie Erfahrungen und Forschungs­methoden auszutauschen. Dadurch ist das Bewertungsmodell noch aussagekräftiger geworden.“ Das Projekt REBECKA wurde vom Versuchszentrum Laimburg koordiniert und zusammen mit den Forschungspartnern Eurac Research, Joanneum Research und der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten erarbeitet und aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms Interreg V-A Italien-Österreich 2014–2020 finanziert. 

Interdisziplinär und grenzüberschreitend

Im Projekt REBECKA wurden verschiedene Klima- und Weinbaudaten sowie historische Daten aus Südtirol und Kärnten zusammengeführt und in ein statistisches Bewertungsmodell integriert. 

Für die Erhebung und Auswertung der Daten aus den insgesamt 40 Weinbauflächen, 30 in Südtirol und zehn in Kärnten, waren das Versuchszentrum Laimburg und das Zentrum für Obst- und Weinbau der Landwirtschaftskammer Kärnten verantwortlich. Erhoben wurden Wetterdaten, phänologische Daten wie Austrieb, Blüte und Reifebeginn, verschiedene Ertragsparameter wie das Trauben- und Beerengewicht sowie verschiedene Qualitätsparameter. In allen untersuchten Weinbauanlagen wurden Wetterstationen installiert.

Die Kärntner Forschungsgesellschaft Joanneum Research analysierte die historischen Erntedaten der letzten 20 Jahre von fünf bedeutenden Südtiroler Kellereigenossenschaften sowie die historischen Daten von zehn Weinbaubetrieben in Kärnten der letzten zwölf Jahre und wertete diese statistisch aus. 

Die Wissenschaftler von Eurac Research führten die Weinbaudaten dann mit dem Prognosemodell aus den historischen Erntedaten der Kellereigenossenschaften zusammen und erarbeiteten daraufhin das Bewertungsmodell.

Ergebnisse allgemein zugänglich 

Das Bewertungsmodell liefert Informationen zu objektiv bewertbaren Parametern wie Temperatur, Strahlung, Topografie und Bewölkungsgrad und ermöglicht dadurch spezifische Lagencharakterisierungen und -vergleiche. Es handelt sich um ein dynamisches Modell, das kontinuierlich aktualisiert und verbessert werden kann und das auch künftigen naturräumlichen und klimatischen Veränderungen Rechnung tragen kann, um aktuell zu bleiben.

Das Bewertungsmodell kann als Entscheidungshilfe für die Neuausweisung von Weinbauflächen dienen und wird allen Forschungspartnern, assoziierten Partnern des Projekts, der öffentlichen Verwaltung und den landwirtschaftlichen Genossenschaften kostenfrei zur Verfügung gestellt. 

Es wird auch in den Weinbauzonenbrowser des Amtes für Obst- und Weinbau integriert und so allgemein einsehbar gemacht. Unter http://www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/obst-weinbau/wein.asp können Interessierte selber Einblick in das Bewertungsmodell nehmen.

Weitere Informationen zu Zielsetzungen, Methodik und Ergebnissen des Projekts sind in einem Bericht über das Interreg-Projekt REBECKA im Laimburg Journal, der frei ­zugänglichen wissenschaftlichen Online-­Zeitschrift des Versuchszentrums Laimburg, einsehbar.