Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 18.12.2019

Getrübte Stimmung mit Lichtblicken

Ein Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr ist ein Fixpunkt in unserer letzten Ausgabe vor Weihnachten. Heuer haben wir uns bei den sechs Bauernbund-Bezirksobmännern umgehört, wie das Landwirtschaftsjahr bei ihnen verlaufen ist. von Renate Anna Rubner, Anna Pfeifer und Bernhard Christanell

Viele Sorgen, aber dennoch einige positive Aussichten – so lässt sich die Stimmung in den Bauernbund-Bezirken zusammenfassen. Foto: www.pixabay.de/Manfred Richter

Viele Sorgen, aber dennoch einige positive Aussichten – so lässt sich die Stimmung in den Bauernbund-Bezirken zusammenfassen. Foto: www.pixabay.de/Manfred Richter

Verbandspolitisch war das Jahr 2019 nicht nur auf Landesebene sehr intensiv – auch in den Bezirken gab es eine Reihe von Themen, die den Bäuerinnen und Bauern Kopfzerbrechen bereiteten. Für Kopfschütteln hat bei vielen der plötzliche Stopp bei den Landesförderungen im Frühsommer gesorgt. Daniel Gasser, Bezirksobmann im Eisacktal, berichtet: „Viele Bauern, die Investitionen bereits geplant hatten, müssen diese nun verschieben. Wir hoffen sehr, dass ab Februar wieder Ansuchen gestellt werden können.“ 

Vor allem in der Berglandwirtschaft ist die Sorge groß, wie der Pustertaler Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler betont: „Die Berglandwirtschaft braucht jede Unterstützung, damit sie weiterhin flächendeckend betrieben wird. Deshalb ist es nun entscheidend, welche Weichen von der Politik gestellt werden, denn damit zeigt sich, wie stark sich die Bergbauern von der Politik gestützt fühlen.“ 

Entwicklung Schritt für Schritt planen

Die Entwicklung in Richtung Ökologisierung und Tierwohl sei zwar zu begrüßen, nur müssten die Bauern Zeit und Unterstützung bekommen, um sich Schritt für Schritt in diese Richtung bewegen zu können.

Zu kämpfen haben die Bäuerinnen und Bauern im Land immer mehr mit der ständig steigenden Bürokratie, wie Oswald Karbon, Obmann des Bauernbund-Bezirks Bozen, unterstreicht: „Ob es die Meldung der Mitarbeiter und die Führung der Pflanzenschutzregister im Obst- und Weinbau oder die immer neuen Auflagen in Sachen Tierwohl für die Bergbauern sind – der bürokratische Aufwand ist für Kleinstbetriebe, wie wir sie haben, nicht mehr zu bewältigen.“ Der Südtiroler Bauernbund biete mit seinen Mitarbeitern zwar eine gute Unterstützung, dennoch bleibe viel an den Betrieben hängen. 

Ein Thema, das nahezu das ganze Land bewegt hat, ist die Ausbreitung des Wolfes mit den damit verbundenen Rissen. Raimund Prugger, Bezirksobmann im Vinschgau, nennt als Beispiel die Risse am Vinschger Sonnenberg: „Wenn nach langen Diskussionen solche Fälle nicht als Wolfsrisse anerkannt werden, dann haben die betroffenen Bauern dafür einfach wenig Verständnis.“ 

Bernhard Burger, Bezirksobmann im Burggrafenamt, sieht die Lage ähnlich: „Bei uns sind vor allem das Ultental und der Deutschnonsberg betroffen. Viele Bauern überlegen sich, ob sie die Tiere im kommenden Sommer noch auf die Almen auftreiben sollen oder nicht.“ Vielen gehe die Suche nach einer Lösung schlichtweg viel zu langsam. Ähnlich denken auch die Bauern am Tschögglberg (Bezirk Bozen), in Aldein und Truden (Bezirk Unterland) sowie in Trens und Ratschings (Bezirk Eisacktal). Lediglich im Pustertal seien bislang noch keine Wolfsrisse zu verzeichnen. 

Pflanzenschutz, Flughafen und Versicherungen

Daneben gab es noch einige verbandspolitische Themen, die sich eher auf einzelne Bezirke beschränkten: Im Vinschgau ist nach dem Urteil zum Pesitizidverbot der Gemeinde Mals die Bioregion oberer Vinschgau wieder ein Thema. „Der Bauernbund hat bereits vor Jahren betont, dass er einer solchen Idee aufgeschlossen gegenübersteht – vorausgesetzt, dass die Entscheidung von der Basis ausgeht und alle Sektoren in die Pflicht genommen werden und nicht nur die Landwirtschaft“, erklärt Prugger. 

Mit einbezogen werden wollen auch die Bauern im Bezirk Bozen, wenn es um den geplanten Ausbau der Zugstrecke zwischen Bozen und Terlan geht. Im Unterland sind laut Bezirksobmann Reinhard Dissertori viele Bauern nach wie vor enttäuscht über den Verkauf des Bozner Flughafens an eine private Investorengruppe. In Sachen Zulaufstrecke zuzm Brennerbasistunnel im Unterland gehe seit geraumer Zeit nichts weiter, was nicht im interesse der Bauern sei, betont Dissertori. Im Burggrafenamt war unter anderem das Thema Versicherungen ein Thema. Zwar strebe die Politik eine Absicherung von Ernteausfällen durch Mutualitätsfonds an, aber es gebe, sagt Bernhard Burger, noch viele offene Fragen und Klärungsbedarf. 

Der Bezirksbauernrat im Eisacktal hat im auslaufenden Jahr verstärkt den Kontakt und den Austausch mit der Fachschule Salern gesucht. Schließlich gehe es in den Fachschulen um die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe. „Die Ausbildung unserer Jugend liegt uns sehr am Herzen“, sagt Bezirksobmann Gasser, „darin müssen wir investieren!“

Im Pustertal macht sich Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler Sorgen um die Zukunft der bäuerlichen Betriebe: Durch die mangelnde – finanzielle, aber auch moralische  – Wertschätzung der Berglandwirtschaft würden immer mehr Betriebe zusperren bzw. aus der arbeitsintensiven Milchwirtschaft aussteigen. „Die jungen Leute, vor allem wenn sie einen Beruf gelernt haben, merken einfach, dass sich mit einem Handwerk einfach leichter Geld verdienen lässt als mit der Landwirtschaft. „Und wenn man dann zudem das Gefühl hat, dass die Politik eigentlich nicht hinter einem steht, dann ist das eigentlich noch schlimmer, als wenn zu wenig Fördergelder fließen“, sagt Tschurtschenthaler. Zu- und Nebenerwerbszweige sind für viele Betriebe die einzige Möglichkeit zu überleben, deshalb sei Urlaub auf dem Bauernhof für den Erhalt der Berglandwirtschaft überlebensnotwendig.

Weinbauern sind zufrieden

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Sektoren, so fällt auf, dass die Weinbauern im Land am zufriedensten mit ihrer aktuellen Situation und dem abgelaufenen Jahr zu sein scheinen. Im Unterland  gab es zwar mancherorts Probleme mit Pilzbefall, im Allgemeinen war das Jahr aber sehr gut. Im Bezirk Bozen klagen die Bauern über die Folgen heftiger Hagelschläge im Sommer, davon abgesehen sei die Qualität der Trauben aber gut. Im Bezirk Eisacktal sind die Traubenqualität und die Güte der Weine, wie Bezirksobmann Gasser betont, „sehr gut und die Stimmung im Weinsektor daher positiv“. 

Im Burggrafenamt haben sich die Hagelschäden in Grenzen gehalten, das Problem mit der Kirschessig­fliege ist laut Bezirksobmann Burger „weitgehend im Griff“. 

Obstbauern hoffen auf besseres Jahr

Von „ernüchternd“ bis „katastrophal“ reicht die Palette der Urteile, wenn es um das abgelaufene Vermarktungsjahr im Obstbau geht. Im Eisacktal etwa hat der Obstbau gleich mehrere schwierige Jahre mit Frost, Hagel und qualitativen Einbußen hinter sich – worunter laut Gasser „die Investitonsfreudigkeit stark leidet“. Im Burggrafenamt hat das Vermarktungsjahr 2018/19 „die schlimmen Befürchtungen sogar noch übertroffen“, die Ernte des neuen Jahres gebe aber Grund zur Hoffnung. 

Problematisch war bei den Auszahlungspreisen der vorjährigen Ernte vor allem, dass diese bei einigen Sorten laut dem Unterlandler Bezirksobmann Dissertori unter den Produktionskosten lagen. 

Die Fruchtgröße war landauf, landab geringer als ursprünglich angenommen, was sich auch in der Erntemenge widerspiegelt. „Im Vinschgau gab es für die Biobauern vermehrt Probleme mit Schorfbefall, ansonsten ist die Qualität der Ernte zufriedenstellend“, berichtet Raimund Prugger. Ein Problem, das im Vinschgau noch nicht so akut ist wie in anderen Bezirken, ist das der Marmorierten Baumwanze. Je weiter man im Obstbaugebiet Richtung Süden geht, desto lauter werden die Klagen über empfindliche Ernteausfälle. Vor allem dort, wo die Obstwiesen an Wälder oder Biotope grenzen, ist der Befall besonders hoch. „Das Problem mit der Baumwanze wurde anfangs sicherlich ein wenig unterschätzt, die wirklichen Folgen haben sich erst bei der Ernte gezeigt“, unterstreicht Dissertori. 

Gutes Futterjahr trotz Wetterkapriolen

„Im Frühjahr war es lange zu nass und im Sommer dann zonenweise zu trocken“, sagt Anton Tschurtschenthaler rückblickend auf das Landwirtschaftsjahr im Pustertal. Besonders das Gadertal und im Haupttal ab Innichen westwärts litten sowohl das Grünland als auch Kulturen wie Mais und Kartoffeln stark. In den von Trockenheit heimgesuchten Zonen waren der zweite und dritte Schnitt wenig ergiebig, die Kartoffeln blieben klein und auch qualitativ gab es Einbußen. Der Herbst verlief im Pustertal aber wieder gut, sodass das von den Almen heimkehrende Vieh auf der Weide gehalten werden konnte. Im Eisacktal sind die Milchviehbetriebe vor allem deshalb auch guter Hoffnung, weil mit dem neuen Molkepulverwerk in Vintl, das in Kooperation zwischen Milchhof Brixen Brimi und dem Rittner Waffelhersteller Loacker entstanden ist, bessere Preise für die Molke in Aussicht stehen. Im Vinschgau ist der Almsommer sehr gut verlaufen, im Grünland blieben die Bauern von längeren Trockenperioden verschont. 

Ausbaufähig ist vor allem für die Bauern in der westlichen Landeshälfte der Anbau von Gemüse. Im Vinschgau war die Karfiolernte sehr zufriedenstellend, im Burggrafenamt denken immer mehr Bauern darüber nach, auf Gemüseanbau umzusteigen. Wenig erfreulich war das Jahr 2019 für die Forstwirtschaft. Die Windwurfschäden vom Herbst 2018 wirkten noch nach und drückten die Holzpreise in den Keller. In einigen Bezirken gab es im November dieses Jahres größere Schäden aufgrund der heftigen Schneefälle. „Wie groß diese ausfallen, kann man aber erst im Frühjahr sagen, weil viele Wälder wegen der Schneemassen noch nicht erreichbar sind“, erklärt Tschurtschenthaler.