Bauernbund | 08.01.2020

„Grundeigentümer in Entscheidungen rechtzeitig einbinden“

Große Infrastrukturprojekte, der Wolf und die Flächennutzung für Freizeitaktivitäten: Die Herausforderungen für die Bäuerinnen und Bauern im SBB-Bezirk Bozen waren im letzten Jahr groß. Daran wird sich auch heuer nichts ändern, wurde auf der Bezirksversammlung in Terlan klar.

Verdiente Funktionäre haben das Bauernbund-Ehrenzeichen in Silber erhalten: Bezirksleiter Andreas Mayr, Rainer Mahlknecht, der ehemalige Bezirksobmann Karl Framba, Bezirksobmann Oswald Karbon, Peter Pardatscher, Isidor Kompatscher und Helmut Alessandrini.

Verdiente Funktionäre haben das Bauernbund-Ehrenzeichen in Silber erhalten: Bezirksleiter Andreas Mayr, Rainer Mahlknecht, der ehemalige Bezirksobmann Karl Framba, Bezirksobmann Oswald Karbon, Peter Pardatscher, Isidor Kompatscher und Helmut Alessandrini.

Ein gutes Jahr für den Weinbau, mit Ausnahme der starken Hagelschläge im Frühsommer, ein zufriedenstellendes für die Milchwirtschaft und ein schwieriges Jahr mit tiefen Preisen, Hagel und der marmorierten Baumwanze für den Obstbau, so fasste SBB-Bezirksobmann Oswald Karbon das abgelaufene Jahr im Bezirk zusammen. Nicht zu rechtfertigen sei der Preisverfall beim Holz. Hier würde die Holzindustrie den Windwurf von Ende 2018 schamlos ausnutzen.

Mit Großprojekten beschäftigt
Auch auf politischer Ebene war 2019 kein ganz einfaches Jahr. 2019 musste sich der Bezirksbauernrat gleich mit mehreren Großprojekten, wie der geplanten Verlegung der Hochspannungsleitungen oder der diskutierten Verschiebung der Autobahn beschäftigen. „Wir fordern, dass bei solchen Großprojekten, die auch immer bäuerliche Gründe betreffen, die Grundeigentümer frühzeitig in die Diskussion eingebunden werden. Nur dann lassen sich für alle Seiten akzeptable Lösungen finden. Entscheidungen, die über den Köpfen der Eigentümer getroffen werden, werden wir nicht mehr akzeptieren“, stellte Karbon klar.
Sehr kritisch sieht der Bezirksbauernrat den Verkauf des Flughafens. „Die weitere Entwicklung werden wir sehr genau im Auge behalten“, machte Karbon klar.

Wildwuchs bei Bikerouten stoppen
Karbon sprach sich für die „öffentliche“ Ausweisung von Radwegen aus, sofern Entschädigung, Haftung, Instandhaltung usw. klar geregelt sind - um das Radfahren besser steuern zu können. Dafür müsse der Wildwuchs bei Mountainbikerouten gestoppt werden. „Immer wieder werden in Mountainbikeführern neue Routen präsentiert, ohne dass zuvor jemals mit den Eigentümern gesprochen wurde.“
Ein immer größeres Problem ist der Wolf. „Besonders am Tschögglberg, im Sarntal und in Kastelruth hat es vermehrt Schafrisse gegeben. „Bereits jetzt überlegen sich viele Bauern, ob sie ihre Tiere noch auf die Almen bringen sollen. Andere denken sogar darüber nach, ihre Schafe und Ziegen zu verkaufen“, sagte Karbon. „Daher braucht es eine rasche Lösung, die die traditionelle Alpung schützt.“

Gute bäuerliche Vertretung in Gemeinderäten so wichtig wie noch nie
Ein Ziel des Bezirks für heuer ist eine starke bäuerliche Vertretung in den Gemeinderäten. Wie wichtig diese ist, zeigte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner auf. „Wahrscheinlich war eine gute Vertretung im Gemeinderat auch aufgrund des neuen Landesraumordnungsgesetzes noch nie so wichtig wie dieses Mal. Die neuen Gemeinderäte müssen nämlich den Gemeindeentwicklungsplan für die nächsten Jahre, die Siedlungsgrenzen, weitere Planungsinstrumente oder die neue Gemeindekommission für Raum und Landschaft bestimmen. Damit entscheiden sie über die zukünftige Nutzung von Grund und Boden mit.“ Rinner appellierte an die etwa 150 Anwesenden, sich als Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung zu stellen. Das häufig gehörte Argument, keine Zeit zu haben, lässt Rinner nicht gelten. Auch SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler hofft auf eine starke bäuerliche Vertretung in den Gemeinden.

Ökologie, Tierwohl und aktive Landwirtschaft
Landesrat Arnold Schuler präsentierte die Neuausrichtung der Förderungen. „Die Förderungen werden sich in Zukunft an der Ökologisierung, dem Tierwohl und der aktiven Landwirtschaft orientieren“, so Schuler. So sollen in Zukunft, bis auf einige Ausnahmen, nur mehr Laufställe gefördert werden. Mehr Investitionsförderungen gebe es bei der Bioproduktion sowie bei denkmalgeschützten Gebäuden. Ein weiteres Kriterium wird die Haltung von traditionellen Nutztieren sein. Eine neue Strategie brauche es auch für die Bewässerungsförderung. 

Verdiente Funktionäre geehrt
Der feierliche Höhepunkt der SBB-Bezirksversammlung war die Ehrung verdienter Funktionäre. Helmut Alessandrini war zwischen 2003 und 2018 SBB-Ortsobmann von Bozen und Peter Pardatscher im selben Zeitraum Ortsobmann von Eppan. Ebenfalls 15 Jahre lang war Rainer Mahlknecht SBB-Ortsobmann von Eggen und Albert Obkircher SBB-Ortsobmann von Reinswald-Durnholz. Franz Locher war von 2003 bis 2013 SBB-Ortsobmann von Sarnthein und von 2014 bis 2019 Bezirksobmann-Stellvertreter. Isidor Kompatscher war von 2003 bis 2013 Ortsobmann von Völs gehörte von 2014 bis zum letzten Jahr dem Bezirksbauernrat an. Alle Geehrten erhielten auf der Bezirksversammlung das Ehrenzeichen in Silber.

Wie wichtig es ist, die Landwirtschaft zu „erklären“, darüber sprach der Kommunikationsberater Markus Sturm.
Für Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer gehören Landwirtschaft und Landschaftsschutz zusammen. Sie sehe sich in ihrer neuen Funktion als Vermittlerin. Bei der Denkmalpflege sei wichtig, dass die Bäuerinnen und Bauern den Wert ihrer historisch wertvollen Gebäude kennen.