Produktion, Südtiroler Landwirt, Wirtschaft | 23.01.2020

Treffpunkt der Berglandwirtschaft

Automatisierung in der Rinderhaltung – Wie viel Technik braucht die Kuh? Dieser Frage widmete sich die 13. Auflage der Südtiroler Berglandwirtschaftstagung im Forum in Brixen. Die Tagung wurde vom Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) organisiert.

Matthias Engl stellte die einzelnen Automatisierungsschritte auf seinem Milchviehbetrieb vor. Foto: BRING

Matthias Engl stellte die einzelnen Automatisierungsschritte auf seinem Milchviehbetrieb vor. Foto: BRING

In seinen Eröffnungsworten wies BRING-Obmann Daniel Gasser darauf hin, dass sich die Berglandwirtschaft ständig weiterentwickelt. Das Bild von Nostalgie, das viele mit der Arbeit am Bergbauernhof verbinden, entspreche nicht der Wirklichkeit. Mit Automatisierung erreicht man Arbeitserleichterung und Zeiterparnis. Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler gab einen kurzen Überblick über das neu ausgerichtete Fördersystem: Tierwohl, Ökologisierung und aktive Landwirtschaft spielen dabei eine zentrale Rolle. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler betonte die Bedeutung der Jugend für die Berglandwirtschaft und forderte in Hinblick auf die Großraubwildproblematik entsprechende Lösungen.

Technik am Milchviehbetrieb 

Dieter Hanselmann, Produktions- und Managementberater beim Besamungsverein Neustadt an der Aisch (Bayern) zeigte Möglichkeiten auf, die die Arbeitsqualität und idealerweise die Sozialkomponente auf Milchviehbetrieben individuell verbessern. Prinzipiell sei Technik sehr wichtig und gut, sie helfe und motiviere, aber nicht immer passe für jeden Betrieb die gleiche Ausstattung. Speziell Melk- und Fütterungstechnik seien entscheidend dafür, wer „Herr“ der Lage bleibt. Der Landwirt müsse laut Hanselmann aber auch kritisch hinterfragen, wie viel eine Technisierung kostet und inwieweit sie Stress verursacht. Jeder Betrieb müsse je nach Ausstattung mit Personal, Kapital und Neigung die am Markt angebotenen Systeme prüfen. Kritisch zu hinterfragen sei, was die Ausstattung an Arbeitsqualität und -zeit bringt und was sie den Betrieb kostet. Betriebswirtschaftliche Aufzeichnungen und Berechnungen seien ein Muss. 

Schlagkräftige und richtig eingesetzte Technik erleichtert den Alltag, motiviert die Betriebsnachfolger und schont im Idealfall die Übergeberfamilie, sagte Hanselmann. Für jeden Betrieb gebe es Lösungen und Verbesserungen. Wie erledige ich das Melken, Füttern, Kälbertränken, Futterschieben und vieles mehr? Solche Fragen dürfen stets abgewogen und kalkuliert sein. Wichtig sei aber auch, den „Personaleinsatz“ richtig zu planen. Feierabend, Wochenende und Auszeiten dürfen für die jüngere Generation, auch in der Milchviehhaltung, kein „Tabu-Thema“ sein. „Egal ob 20 oder 170 Kühe, es muss für die Hauptbereiche Melken, Füttern und Herdenmanagement Personen geben, die den Betriebsleiter regelmäßig vertreten können“, sagte der Berater.

Automatische Fütterungssysteme

„Nach dem automatischen Melken ziehen nun auch in der Grundfuttervorlage Roboter in die Ställe ein“, erklärte Franz Tiefenthaler, Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Automatische Fütterungssysteme (AFS), auch als Fütterungsroboter bezeichnet, werden von einer ganzen Reihe von Herstellern angeboten. 

Ein Fütterungsroboter legt die Ration meist mehrmals am Tag frisch vor. Zugleich übernimmt er auch das Anschieben des Futters. Dadurch erspare man sich je nach Betriebsgröße eine halbe bis drei Stunden pro Tag. Arbeitszeitersparnis und -erleichterung seien daher auch die Hauptgründe für die Anschaffung von AFS, weniger die Steigerung der Leistung. Weitere Effekte sind mehr Ruhe im Stall bei der Futtervorlage, weniger Futterreste und eine Steigerung der Futteraufnahme. Auf die Milchleistung seien aber keine Effekte im Vergleich zur einmaligen Futtervorlage zu erwarten. Mit AFS kann man sehr hohe Tierzahlen mit niedrigem Arbeitsaufwand füttern. Es können verschiedene Rationen eingestellt werden, z. B. für trockenstehende, frischkalbende oder spätlaktierende Tiere. Auch Futtermischungen für Jungvieh oder Mastrinder können hergestellt und mehrmals täglich vorgelegt werden.

Technik im Praxiseinsatz

Der Milchbauer Matthias Engl vom Stocknerhof in Terenten setzt in seinem Betrieb sehr viel Technik ein: Die 45 Kühe der Rasse Braunvieh werden von einem automatischen Melksystem gemolken. Das brachte dem Betrieb eine gewisse Flexibilität bei der täglichen Stallarbeit. Der Futteranschieber mit eingebauter Lockfütterung passte ideal zu dem bereits vorhandenen Mischwagen und animiert die Tiere dazu, öfter zu fressen. Außerdem ist am Betrieb ein Kälbertränkeautomat sowie ein Spaltenroboter im Einsatz.

Matthias Engl ist sehr technikaffin. Die Automatisierungstechnik passt sehr gut zu seinem Betrieb. Trotz der Automatisierung verbringt er zwar nicht weniger Zeit im Stall, er setzt sie nur anders ein. Überzeugt ist Matthias Engl davon, dass ein Bauer, der Technik einsetzt, in erster Linie die Kühe im Blick haben muss.