Bauernbund | 28.01.2020

Schwieriges Jahr in Berg und Tal

Der Flughafen, der Druck von Konsumenten und Märkten auf die Landwirtschaft und die Gemeinderatswahl sind Themen, die die Unterlandler Bäuerinnen und Bauern beschäftigen. Klar wurde bei der Bauernbund-Bezirksversammlung in Tramin auch, dass es Zusammenhalt braucht.

Der feierliche Höhepunkt der Bezirksversammlung war die Ehrung von Johannes Karl Goller, von links: Schuler, Tiefenthaler, Goller, Golser, Dissertori.

Der feierliche Höhepunkt der Bezirksversammlung war die Ehrung von Johannes Karl Goller, von links: Schuler, Tiefenthaler, Goller, Golser, Dissertori.

Bis auf den letzten Stuhl besetzt war das Bürgerhaus in Tramin bei der diesjährigen Bauernbund-Bezirksversammlung des Unterlandes. Obmann Reinhard Dissertori ließ zunächst das Landwirtschaftsjahr Revue passieren. „Es war kein einfaches Jahr, weder für den Obstbau noch für die Berglandwirtschaft. Lediglich der Weinbau ist stabil, dank frühzeitiger Weichenstellungen steht die Weinwirtschaft insgesamt gut da. Im Obstbau brauchen wir aber neue Perspektiven“, sagte der Bezirksobmann. Die Preise seien – zumindest bei den Standardsorten – nicht zufriedenstellend.
Auch die Berglandwirtschaft leidet unter den tiefen Holzpreisen. Die Heuernte war qualitativ und mengenmäßig nicht ergiebig, zudem startete der Almsommer wegen des schlechten Wetters mit Verspätung. Daher musste das Vieh zwei Wochen länger durchgefüttert werden.

Dauerthema Flughafen
Verbandspolitisch hat sich der Bezirk Unterland mit dem Dauerthema Flughafen und der Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel beschäftigt. Dissertori ist enttäuscht, dass die Landebahn-Verlängerung nun doch Realität werden soll. „Die Landesregierung hätte nach dem Referendum mit der ENAC Verhandlungen aufnehmen können, das wurde aber nicht getan. Vielmehr wurde weiterhin die Salamitechnik angewandt“, bedauerte Dissertori. Bedenklich sei auch, dass der Druck auf Obst- und Weinbauern stetig steigt - wegen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, dem Ruf der Gesellschaft nach mehr Bioware, der vermehrten Bürokratie und der teils schlechten Preise. Auch das Wasser bleibe ein dringliches Thema der Unterlandler Bauern. Eine sichere Wasserversorgung werde aufgrund der Wetterextreme immer wichtiger.

"Starke bäuerliche Vertretung in den Gemeinden"
Auf die Gemeinderatswahl am 3. Mai wies SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler hin: „Es ist jetzt höchste Zeit, mögliche Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen und Bäuerinnen und Bauern für die Gemeinderatswahl zu gewinnen.“ Schließlich stünden in den Gemeinden wichtige Entscheidungen an, wie die Umsetzung des neuen Landesgesetzes für Raum und Landschaft. „Da ist es gut, wenn wir eine starke bäuerliche Vertretung in den Gemeinden haben.“

Johannes Karl Goller erhält Ehrenzeichen in Silber
Landesobmann Tiefenthaler nahm gemeinsam mit dem Bezirksobmann auch eine Ehrung vor. Johannes Karl Goller, langjähriger Ortsobmann von Margreid, erhielt das Ehrenzeichen des Südtiroler Bauernbundes in Silber für seinen Einsatz für die Landwirtschaft.

Landesrat Arnold Schuler ging auf die Förderungen ein: „Sie waren eine Zeit lang ausgesetzt, nun sind die ersten wieder zugänglich. Weitere werden in den nächsten Wochen und Monaten wieder aufgehen.“ Man habe sich auf neue Kriterien geeinigt, Grundlage dafür sei die Ökologisierung.
Im Obstbau steht besonders der Pflanzenschutz am Pranger. Entsprechend verschärfen sich die Regeln, die laut neuem PAN einzuhalten sind. So gelten künftig auch private Grundstücke als sensible Zonen. Zudem werde kein Unterschied mehr gemacht zwischen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und biologischen. Die Umstellung auf Injektordüsen zur Abdriftminderung wird nun auch für den Weinbau und den Bio-Anbau verpflichtend. 

Geschlossenheit wichtig
Der Landesrat plädierte für mehr Zusammenhalt innerhalb der Bauernschaft: „Das Ausland schaut mit Hochachtung auf die Südtiroler Landwirtschaft“, sagte er. „Und zwar nicht nur weil wir durchwegs die besseren Preise für unsere Produkte bekommen, sondern auch wegen unseres funktionierenden Genossenschaftswesens und wegen unserer hohen Produktqualität.“ Berg- und Talbauern sollten ihre Probleme intern besprechen und sich geschlossen zeigen.

Marlene als Marke stärken
SBB-Bezirksleiter Alexender Golser sprach über die Kontrollen in der Landwirtschaft.
VOG-Direktor Walter Pardatscher erläuterte den Bäuerinnen und Bauern die Strategien, die der VOG zur Einkommenssicherung seiner Mitglieder plant. Dabei nannte er die vier Mega-Trends Gesundheit und Genuss, Service und Snacking, Herkunft und Nachhaltigkeit 360 Grad. Pardatscher unterstrich, dass der VOG mit Marlene zwar eine gut etablierte Marke auf dem Markt habe, sie müsse aber weiter gestärkt werden, etwa durch eine enge Verknüpfung mit der Herkunft Südtirol, durch Differenzierung, (noch) höhere Qualität, Sortenerneuerung sowie soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. 
Der VOG-Direktor zeigte entlang der Produktionskette von Anbau über Ernte, Lagerung bis   hin zum Vertrieb einige Verbesserungspotentiale auf. Er unterstrich aber auch die große Stärke der Südtiroler Apfelwirtschaft: „Das sind die Bauern, die viel Erfahrung haben und viel leisten. Ich bin überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen!