Politik, Wirtschaft | 05.02.2020

Herausforderung Laufstall

Errichtet ein Landwirt einen Laufstall, muss er viele Faktoren berücksichtigen: Tierwohl, Wirtschaftlichkeit, Funktionalität. Aber auch das Landschaftsbild und die Architektur sollen beachtet werden, forderten die ­Vertreter der Architektenkammer und der Denkmalpflege bei einem Treffen im Jänner. von Anna Pfeifer

Bei Laufställen den Spagat zwischen Ästhetik und Funktionalität zu meistern, ist herausfordernd. Foto: BRING

Bei Laufställen den Spagat zwischen Ästhetik und Funktionalität zu meistern, ist herausfordernd. Foto: BRING

Milchviehbauern befinden sich aktuell in einer schwierigen Lage. Der Markt bzw. der Kunde verlangt immer mehr Tierwohl, und dabei wird auch der Ruf nach Laufställen immer lauter, weiß Joachim Reinalter. Der Obmann des Südtiroler Sennereiverbandes berichtete bei einem vom Bauernbund angeregten Workshop, dass in Deutschland gewisse Handelsketten wie Aldi nur noch Milch aus Laufstallhaltung vertreiben. Diese Entwicklung sei vor allem für das Südtiroler Berggebiet besorgniserregend. Nichtsdestotrotz müssten die Landwirte den Forderungen der Gesellschaft gerecht werden, um weiter am Markt bestehen zu können. Laufställe werden in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Alternative dazu sei eine Kombinationshaltung aus Anbindestall, regelmäßigem Auslauf und Weidehaltung. Allerdings sei noch nicht abschätzbar, ob diese Haltungsform den Vorstellungen der Kunden genügt und akzeptiert wird.

Hermann Stuppner von der Bauernbund-Betriebsberatung erklärte: „Entscheidet sich nun ein Landwirt, einen Laufstall zu errichten, muss er viele Faktoren berücksichtigen: die Wirtschaftlichkeit, das Tierwohl, die Arbeitsbelastung, die örtlichen Begebenheiten wie Steillagen am Hof.“ Johann Vonmetz von der Architektenkammer ergänzte, dass auch die Architektur, das Landschaftsbild und der Denkmalschutz bei der Planung eines Laufstalles nicht zu kurz kommen sollten. 

Um diese Vielzahl an Einflussfaktoren zu erörtern, hatte der Bauernbund dieses Treffen mit dem Südtiroler Sennereiverband, dem BRING, dem Amt für ländliches Bauwesen, der Architektenkammer und der Stiftung Architektur sowie dem Amt für Denkmalpflege einberufen. Bei dem Workshop konnten die Anwesenden ihre Anliegen vorbringen und ihren Standpunkt offenlegen. 

Tierwohl und Finanzen

Einer der wichtigsten Faktoren beim Bau eines Laufstalls ist das Tierwohl. Schließlich wird der Stall für das Milchvieh errichtet und sollte diesem maximalen Komfort bieten – denn nur Kühe, die sich rundum wohlfühlen und gesund sind, können beste Qualität und hohe Leistungen erzielen. 

Kurzum: Beim Bau eines Laufstalles sollten der Planer und der Landwirt den Stall aus den Augen einer Kuh sehen, um ihre Bedürfnisse zu verstehen. Auch bei den neuen Förderrichtlinien des Landes geht der Trend in Richtung mehr Tierwohl, bei Neubauten will man auf die Errichtung von Laufställen setzen. 

Immer größere Gebäude

Die Investitionsbeiträge des Landes decken nur einen Teil der Kosten. In vielen Fällen sind diese sehr hoch, weshalb der Landwirt gut planen muss. Berater können hier wesentlich dazu beitragen, das beste Ergebnis mit möglichst geringen Kosten zu erzielen. Einfluss auf die Kosten haben auch die örtlichen Begebenheiten. Steillagen erschweren den Bau eines Laufstalles. 

Josef Gräber vom BRING erklärte: „Im Allgemeinen benötigt ein Laufstall ein Drittel mehr Fläche als ein Anbindestall für dieselbe Tierzahl. Das und auch die zunehmende Produktion von Heumilch, bei der große Lagerräume für das Grundfutter notwendig sind, führen zu großen Wirtschaftsgebäuden.“ 

Architektur und Landschaftsschutz

Diese Bauten fügen sich oft nur schwer in das Landschaftsbild ein. Den Vertretern von Architektur und Denkmalschutz ist es ein Anliegen, dass bei der Planung eines Laufstalles auch die Ästhetik einbezogen werden muss. Die einzigartige Südtiroler Landschaft solle nicht durch unansehnliche Bauten zerstört werden. Auch alte (Wirtschafts-)Gebäude sollten bei der Planung berücksichtigt werden, um dem Denkmalschutz gerecht zu werden. 

Lösungen noch zu finden

Aktuell sind 70 Prozent der Ställe in Südtirol Anbindeställe. Diese Zahl verdeutlicht, dass sich die Südtiroler Milchwirtschaft in den nächsten Jahren sehr großen Herausforderungen stellen muss, da die Gesellschaft vermehrt eine Laufstallhaltung fordern wird. Die Kosten für neue Laufställe sind sehr hoch, und noch höher werden diese, wenn das Landschaftsbild und die Ästhetik berücksichtigt werden sollen. Hier müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden.