Südtiroler Gärtner, Südtiroler Gärtnervereinigung | 20.02.2020

Nachwuchs früh anwerben

Wie bringt man Kindern die Natur und den Gärtnerberuf näher? Die Aktion „Gärtnerei in der Schule“ will Schülerinnen und Schülern gezielt dafür sensibilisieren. Gelingt das? Der „Südtiroler Landwirt“ hat nachgefragt. An der Quelle – in der Fachschule Laimburg, beim Gärtnernachwuchs. von Renate Anna Rubner

Im Biennium Gartenbau und Floristik werden die Grundkenntnisse vermittelt – in Theorie und Praxis (wie hier im Bild).

Im Biennium Gartenbau und Floristik werden die Grundkenntnisse vermittelt – in Theorie und Praxis (wie hier im Bild).

Ab 17. Februar werden Grundschüler aus dem ganzen Land wieder Südtirols Gärtnereien besuchen. Innerhalb von zwei Wochen werden dann Schulklassen von diesmal 82 Schulen landesweit je einen halben Tag lang in den Beruf der Gärtnerin/des Gärtners hineinschnuppern können. 

Die Initiative „Schule in der Gärtnerei“ wurde von der Südtiroler Gärtnervereinigung im Jahr 2007 ins Leben gerufen, sie findet heuer zum 13. Mal statt. Bisher konnten so knapp 40.000 Grundschülerinnen und -schüler Einblick nehmen in das Berufsbild GärtnerIn. Denn das war und ist der Sinn hinter der Aktion, wie Valtl Raffeiner, Obmann der Südtiroler Gärtner, erklärt: „Mit dieser Aktion wollen wir den Kindern die Natur näherbringen und zeigen, was in einer Gärtnerei gemacht wird. Sie dürfen dann auch selber etwas topfen und ihr Pflänzchen mit nach Hause nehmen, damit sie dort beobachten können, was daraus wird.“

Die Schüler- als Nachwuchsaktion?

Die Aktion kommt bei Kindern und Lehrerinnen gleichermaßen gut an: Mit Interesse hören die Schülerinnen und Schüler zu, wenn ihnen von der Aufzucht von Pflanzen erzählt wird. Noch größer ist die Begeisterung, wenn sie dann selber zur Gärtnerin oder zum Gärtner werden dürfen und mit Topf, Erde und Pflanzen hantieren können. 

Erfüllt „Schule in der Gärtnerei“ aber auch noch einen anderen Zweck? Bringt sie den Kindern nicht nur die Natur, sondern auch den Beruf Gärtner/Gärtnerin näher? Entscheidet sich durch den Gärtnereibesuch der eine oder die andere sogar für die Gärtneraus­bildung? Diesen Fragen wollte der „Südtiroler Landwirt“ auf den Grund gehen: Was liegt da näher, als die Fachschule Laimburg ­aufzusuchen und die Schülerinnen und Schüler des Bienniums zu fragen, wie sie zum Entschluss gekommen sind, sich für die Fachrichtung Gartenbau und Floristik an der Schule Laimburg anzumelden. 

Praxisunterricht für alle Klassen

Die Klassen des Bienniums haben heute Praxis im Nachmittagsunterricht. Es ist Dienstag, so gegen drei, draußen scheint die winterliche Sonne vom Himmel, die Temperaturen sind für Anfang Februar angenehm, es ist ein bisschen windig. Eine Gruppe der zweiten Klasse ist im Freiland und übt den fachgerechten Rosenschnitt. Sechs Mädchen und Buben der Klasse 1 C sind gerade dabei, die Pflänzchen, die sie selber ausgesät, pikiert und dann getopft haben, in Balkonkästen zu pflanzen: Stiefmütterchen, Gänseblümchen, Vergissmeinnicht, Goldlack und Mühlenbeckien. Die Kästen werden später die Balkone der Schule und des Schülerheimes zieren. Der Rest der Pflanzen, die im Folientunnel bleiben, werden im März in die Wechselbeete im Schulhof gepflanzt. 

Die übrigen Schülerinnen und Schüler des Fachbienniums (der ersten und zweiten Klasse) sind inzwischen in der Floristik: Ein ­radiäres dekoratives Gesteck sollen sie anfertigen, lautet der Arbeitsauftrag der Praxislehrerinnen. Dafür stehen den Schülerinnen und Schülern Steckschwämme zur Verfügung, verschiedene Schnittblumen, Arbeitstische und natürlich das nötige Werkzeug. Es ist trotz der vielen Leute im Raum erstaunlich ruhig, (fast) alle arbeiten mit Eifer an ihrem kleinen Kunstwerk. Am Ende der Stunde werden die Werkstücke benotet. 

René Gamper (14 Jahre alt) gefällt es, mit Blumen zu hantieren und draus dekorative Sträuße und Gestecke zu fertigen. Er ist sich zwar noch nicht sicher, aber er spielt mit dem Gedanken, sich nach dem Biennium zum Floristen ausbilden zu lassen. Aber eigentlich gefällt ihm der Praxisunterricht insgesamt gut, die Theorie weniger. Besonders auf Mathematik könnte er verzichten. Auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen sei, Gärtner oder Florist zu lernen, antwortet er: „Ich habe mir überlegt, was ich gerne mache. Und da ist mir klar geworden, dass ich gerne draußen arbeite, gerne mit Pflanzen zu tun habe. Also habe ich mich für das Biennium Gartenbau und Floristik hier an der Fachschule Laimburg entschieden.“ Die Aktion „Schule in der Gärtnerei“ hat er für diese Entscheidung nicht gebraucht, als Grundschüler hat er sie auch gar nicht mitgemacht. 

Beste Erinnerungen an „Schule in der Gärtnerei“

Wohl aber Nina Oberhofer (ebenfalls 14): Sie weiß zwar nicht mehr genau, wann das war, etwa in der zweiten oder dritten Klasse, aber an den Tag in der Gärtnerei Schenk in Nals kann sie sich noch sehr gut erinnern. Besonders daran, dass sie einen Graskopf machen und ihn dann mit nach Hause nehmen durften. Einen Graskopf, was ist das denn? Nina erklärt: „Wir haben in der Gärtnerei Erde und Gras­samen in einen Strumpf gefüllt. Daheim haben wir den dann feucht gehalten, und mit der Zeit ist aus dem Strumpf Gras gewachsen. So entstand ein Graskopf, das sah witzig aus.“ 

Trotzdem war der Besuch in der Gärtnerei nicht ausschlaggebend dafür, dass sie jetzt Gärtnerin werden will. Zumindest nicht direkt. „Interessant war das schon. So habe ich zum ersten Mal gesehen, was man in einer Gärtnerei so macht. Aber ich war natürlich noch zu klein, um mir konkrete Gedanken darüber zu machen, was ich später einmal werden möchte.“ Erst in der dritten Mittelschule überlegte sie, wie es nach dem Abschluss weitergehen sollte. Den Beruf der Gärtnerin fand sie einfach „flott“. Und er gefällt ihr immer noch. Tendenziell geht es für Nina nach dem Biennium in Richtung Garten- und Landschaftsbau, das würde ihr gefallen. Im zweiten Schuljahr hat sie über zwei Betriebspraktika in Südtiroler Gärtnereien schon einmal die Möglichkeit in die GaLa-Bau-Realität hineinzuschnuppern. 

Beruf des Gärtners kennenlernen

Auch Niklas Ladurner zieht es in Richtung Garten- und Landschaftsbau. Bei ihm ist dieser Wunsch schon konkreter: Denn er besucht bereits die zweite Klasse des Bienniums und hat auch schon ein Betriebspraktikum hinter sich: in der Gärtnerei Galanthus in Lana, wo Niklas auch herkommt. Deshalb ist er als Grundschüler mit seiner Klasse zur Aktion „Schule in der Gärtnerei“ auch dort gewesen. 

Besonders cool fand er bei diesem Lehrausgang, dass er einen Topf mit Kresse besäen und dann mit heimnehmen durfte. „Daheim habe ich den Topf dann aufgestellt, und konnte so die Kresse beim Aufgehen und Wachsen beobachten“, erzählt er, das habe ihm gefallen. Den Beruf des Gärtners hat er bei dem Gärtnereibesuch kennengelernt, die Entscheidung, selber diesen Weg einzuschlagen, kam dann in der zweiten oder dritten Klasse Mittelschule. Besonders gut gefällt ihm das Pflastern und Plattenlegen. Auch der Pflanzenschutz inte­ressiert ihn sehr. 

Aber für heute ist noch Floristik angesagt. Die Schülerinnen und Schüler räumen gerade auf, auch das gehört zum Praxisunterricht.Die Fachlehrerin vergibt währenddessen die Noten für das Gesteck. Dann ist auch dieser Schultag an der Fachschule Laimburg wieder  zu Ende …