Politik, Wirtschaft | 05.03.2020

Garant für unabhängige Beratung

Die Mitglieder des Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau haben bei seiner Vollversammlung nicht nur ihre Führungsspitze, sondern auch die grundlegende Ausrichtung des Beratungsrings bestätigt. von Bernhard Christanell

In Nals trafen sich die Mitglieder und Mitarbeiter des Beratungsrings zur Vollversammlung.

In Nals trafen sich die Mitglieder und Mitarbeiter des Beratungsrings zur Vollversammlung.

Gleich am Beginn der Versammlung ging Obmann Manuel Santer auf die Turbulenzen ein, die es bei den Wahlen auf Bezirksebene gegeben hatte: „Zwei Kandidaten wurden ausgeschlossen, weil die fachliche Unabhängigkeit, die sich unsere Gründerväter auf die Fahnen geschrieben haben und die auch in unseren Statuten festgeschrieben ist, nicht gegeben war. Das war ein ganz regulärer Vorgang, der in der Vergangenheit schon des Öfteren vorgekommen ist.“ 

Bei den fälligen Wahlen des Obmanns und seiner Stellvertreter wurden Manuel Santer (als Obmann) sowie Michael Bradlwarter und Peter Reisinger (als Stellvertreter) mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Im Anschluss gab es viel Lob für Santer – unter anderem von Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler, der Santer als „Garant für eine unabhängige Beratung“ bezeichnete und ihm so den Rücken stärkte. 

Digitale Dienste sind auf dem Vormarsch

Santer stellte aktuelle Zahlen zur Nutzung der digitalen Dienste des Beratungsrings vor: Knapp ein Drittel der Mitglieder nutzt die Beratungsring-App für ihre tägliche Arbeit, jeder Fünfte verwendet das Online-Betriebsheft. Die Zahl der Mitglieder ist leicht zurückgegangen, was vor allem an der Zusammenlegung von kleineren Betrieben liegt. 

Schwieriges Obstbaujahr

Ringkoordinator und Obstbau-Bereichsleiter Robert Wiedmer blickte auf ein schwieriges Obstbaujahr zurück: Die Spätfröste und die etwas geringeren Erntemengen hatten die Obstbauern vor schwierige Herausforderungen gestellt. 

Vor allem die Marmorierte Baumwanze macht den Obstbauern zunehmend Sorgen. „Die Schäden nahmen im Vorjahr deutlich zu. Landesweit haben unsere Mitarbeiter 1500 Apfelanlagen auf Wanzenbefall kontrolliert. Am meisten befallen waren die Sorten Granny Smith, Braeburn und Fuji. Jetzt sammeln wir Exemplare der Wanze, um die Samuraiwespe als natürlichen Gegenspieler zu züchten.“ (Siehe auch Seite 73)

Beim Anbau von Kirschen und Marillen habe es 2019 in höheren Lagen größere Ausfälle aufgrund von Frostschäden gegeben. Die Kirschessigfliege sei dank Insektenschutznetzen und anderen gezielten Maßnahmen weitgehend unter Kontrolle. 

Im Weinbau nimmt vor allem das Monitoring der Kirschessigfliege viel Arbeitszeit in Anspruch, wie Bereichsleiter Hansjörg Hafner berichtete: „Unsere Mitarbeiter haben im Vorjahr 2730 Proben untersucht. Die Auswertung der insgesamt 136.500 Traubenbeeren unter dem Mikroskop ergab, dass auf der Hälfte der Proben keine Eiablagen zu finden waren. Eine Bestätigung dafür, dass ein flächendeckendes Monitoring dazu beitragen kann, Behandlungen zur Bekämpfung der Kirschessigfliege einzusparen.“ Überwacht werden auch die Vergilbungskrankheiten und der Esca-Befall in den Südtiroler Rebanlagen. 

Bioberatung wird ausgebaut

Ulrich Kiem – Bereichsleiter für den Biobereich – legte Zahlen zur Entwicklung des biologischen Anbaus vor: „Mittlerweile werden über 2300 Hektar Apfelanlagen biologisch bewirtschaftet. Damit steigt auch der Bedarf an Beratung.“ Im Vorjahr habe sich auch gezeigt, dass ein Nebeneinander von inte­griertem und biologischem Anbau möglich ist, wenn sich alle an die in der Rahmenvereinbarung geltenden Regeln halten.

EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann berichtete über die Verhandlungen zum Agrarbudget in den kommenden Jahren: „Wenn alles wie geplant läuft, wird in den kommenden Jahren wesentlich mehr Geld für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehen. Der entsprechende Fonds soll deutlich aufgestockt werden.“