Produktion | 19.03.2020

Futterqualität 2019 gut

Jedes Jahr prüft das Versuchszentrum Laimburg den Verlauf der Qualität des Grundfutters beim ersten Schnitt. Der kalte Saisonstart 2019 führte zu unterdurchschnittlichen Erträgen. Dafür blieb die Futterqualität über eine längere Zeit auf einem guten oder mittleren Niveau. von Ulrich Figl, Franziska Mairhofer, Paul Mittermair, Matthias Wenter, Aldo Matteazzi, Giovanni Peratoner, Versuchszentrum Laimburg

Einen Rückblick über den Ertrag und Grundfutter-Qualität des vergangenen Jahres bringt – wie jedes Jahr – das Versuchszentrum Laimburg.

Einen Rückblick über den Ertrag und Grundfutter-Qualität des vergangenen Jahres bringt – wie jedes Jahr – das Versuchszentrum Laimburg.

Bei Wachstumsbeginn im Frühjahr 2019 war es überdurchschnittlich warm und eher trocken, in der Hauptwachstumsphase im April und Mai wurde das Wetter jedoch wechselhaft und kühl. Im April 2019 war die Niederschlagsmenge an allen Messstationen um ein Drittel bis doppelt so hoch als das langjährige Mittel. Die Temperaturen lagen aber nur leicht über dem langjährigen Mittelwert. Mitte und Ende des Monats gab es sogar Schneefall in den höheren Lagen. 

Aufgrund dieses späten Schneefalls und der ungewöhnlich kühlen Temperaturen (die Temperaturen lagen rund 2,5 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt) ging das Längenwachstum des Bestandes in den höheren Lagen in den ersten zwei bis drei Maiwochen je nach Standort nur zögerlich voran. Niederschläge gab es in diesem Monat immer wieder und überdurchschnittlich viel.

Im gesamten Monat Juni hingegen lagen die Durchschnittstemperaturen deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Es war, insgesamt gesehen, der zweitheißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1850 (Quelle: Hydrografisches Amt Bozen).

Bereits seit 17 Jahren führt das Versuchszentrum Laimburg Erhebungen an fünf verschiedenen Standorten durch, um den Verlauf der Futterqualität des ersten Aufwuchses zu erheben. Dabei handelt es sich um die potenzielle Futterqualität, das heißt die Qualität vor der Futterkonservierung. Die Standorte befinden sich in verschiedenen Höhenlagen und stellen somit auch Referenz-Standorte für die unterschiedlichen Grünlandflächen in Südtirol dar. 

Weidestadium teils früh erreicht

Bezüglich des Weidestadiums (durch­schnittliche Bestandshöhe von 15 cm und somit Beginn der Probennahme) war im Jahr 2019 auffallend, dass die niederen Standorte wie Vahrn auf 720 m ü. d. M. und Völser Aicha auf 750 m ü. d. M. dieses Stadium im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt bereits um ca. eine Woche bzw. zwei Wochen früher erreicht haben. Das ist sicher auf die überdurchschnittlichen Temperaturen im März und den wechselhaften April zurückzuführen, die das Graswachstum an diesen beiden Standorten früher als sonst einsetzen ließen. An den anderen Standorten, die etwas höher liegen, hatte das Wetter im Frühjahr nicht so großen Einfluss auf das Erreichen des Weidestadiums. Das Datum entsprach ungefähr dem langjährigen Mittelwert (Tabelle 2).

Gute Futterqualität an den untersuchten Standorten

Der Trockenmasse-Bruttoertrag lag während des gesamten Beobachtungszeitraumes von sieben Wochen unter dem langjährigen Durchschnitt. Erst am letzten Beprobungstermin konnte der langjährige Mittelwert erreicht werden. Die Qualität des ersten Aufwuchses war mit Ausnahme der Standorte Glurns und Vahrn durchwegs bis zum Ende der siebenwöchigen Beprobung gut oder mäßig. 

An diesen zwei Standorten war der Rohproteingehalt schon ab dem vierten Beprobungstermin auf ca. 140 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse abgesunken, während bei den anderen dieser noch bei ca. 160 bis 200 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse lag. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt konnte sich der durchschnittliche Rohproteingehalt interessanterweise lange Zeit bis zum Ende der Untersuchung auf einem guten bis mittleren Niveau halten. 

Rohfasergehalt unter langjährigem Durchschnitt

Der Rohfasergehalt hatte 2019 in der Qualitätsbewertung einen geringeren Einfluss, da dieser deutlich unter dem langjährigen Mittelwert lag und erst am vorletzten Termin die 240 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse erreichte. Danach stieg er markant auf ca. 275 Gramm pro Kilogramm, mit einer entsprechenden Verschlechterung der Qualität. Diese Beobachtungen sind vermutlich auf die eher kühleren Temperaturen im April/Mai zurückzuführen, da dadurch der Grasbestand zu Beginn eher langsam gewachsen ist bzw. das Längenwachstum erst später eingesetzt hat und der Anteil an Stängeln, die am faserreichsten sind, im Verhältnis zur Gesamtpflanze geringer war.

Fazit: insgesamt gut

Im Jahr 2019 konnten zwar bei einem frühen Schnitttermin (3-4 Wochen nach Weidestadium) im Durchschnitt keine Höchsterträge­erreicht werden, dafür war aber die Qualität des eingebrachten Futters lange Zeit (an zwei Standorten bis fast zum Untersuchungsende) auf einem durchwegs hohen bis mittleren Niveau; vorausgesetzt, dass die Ernte bei guten Bedingungen eingebracht werden konnte.

Genauere Schätzung mittels webGRAS

Wer die eigene potenzielle Futterqualität für den ersten Aufwuchs noch genauer schätzen möchte, kann dies mit webGRAS, einer kostenlosen, frei zugänglichen Web-Applikation (https://webgras.civis.bz.it/#/start) tun, die am Versuchszentrum Laimburg entwickelt wurde. Der Landwirt kann dabei kostenlos Richtwerte für die Gehalte an Inhaltsstoffen und Mineralelementen für die Zusammenstellung der Futterration nutzen. Um webGRAS verwenden zu können, ist es notwendig, dass der Nutzer schon während des Vorjahres einige Informationen sammelt und für die Eingabe bereithält: das Datum, an dem das Weidestadium erreicht wurde, die Einschätzung des Pflanzenbestands (gräserreich/ ausgewogen/ kräuterreich/ leguminosenreich) sowie das Erntedatum (Schnittzeitpunkt).

Für die Nutzung von webGRAS ist keine Anmeldung erforderlich. Die eingegebenen Informationen bleiben anonym und werden nicht an Dritte weitergegeben