Produktion | 19.03.2020

Neue Vorgaben für Pflanzenschutz

Die Landesregierung hat vor rund zwei Wochen die Bestimmungen zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln überarbeitet. Die je nach Kulturart und Erziehungsform unterschiedlichen Regeln sind hier zusammengefasst. von Andreas Kraus, Amt für Obst- und Weinbau

Rechtzeitig zur neuen Pflanzenschutzsaison hat die Landesregierung die Regeln für die Ausstattung der Sprüher angepasst. Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Rechtzeitig zur neuen Pflanzenschutzsaison hat die Landesregierung die Regeln für die Ausstattung der Sprüher angepasst. Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Die neuen Bestimmungen hat die Landesregierung am 3. März (Beschluss Nr. 141) festgelegt und damit ihren eigenen Beschluss vom 9. Juli vergangenen Jahres (Beschluss Nr. 548) aufgrund von neuen Erkenntnissen und Notwendigkeiten überarbeitet. 

Die festgelegten und aktualisierten Regeln gelten nicht nur für den Obstbau, sondern auch für den Weinbau oder den Anbau von Sonderkulturen wie Kirschen, Beerenobst. 

Landwirte, welche Raumkulturen im Freiland bewirtschaften, haben demnach ab dem Jahr 2020 je nach Kulturart und Erziehungsform für die Sprühgeräte mit Düsenvorrichtung folgende Vorschriften einzuhalten ...

Weinbau 

Im Weinbau sind Spritzungen mit Pflanzenschutzmitteln bei allen Erziehungsformen nur mit Geräten erlaubt, die auf allen Düsenpositionen mit luftansaugenden Injektor-Flachstrahldüsen mit einem Spritzwinkel von 80 bis 90 Grad ausgestattet sind. Die verwendeten Sprühgeräte müssen zudem, je nach Erziehungsform der Reben, über folgende zusätzliche Mindestausstattung verfügen ...

Pergel: Bei der Pergelerziehung ist weder ein Gebläseaufbau noch eine Gebläseabdeckung erforderlich. Es muss aber die Möglichkeit der einseitigen Abschaltung der Düsen sowie ein automatisch oder manuell rückspülendes Filtersystem vorhanden sein, wobei die Maschenweite der Filter nicht kleiner als 80 Mesh sein darf. Ein möglicher Gebläseaufbau oder ein fixer oder mobiler Gestängeaufbau muss eine vom Boden aus gemessene Mindesthöhe von 1,1 Metern aufweisen.

Spalier, Laubwandhöhe bis 2,3 Meter: Es kann anstelle des Gebläseaufbaues bis zu einer Laubwandhöhe von 2,3 Metern ein fixer oder mobiler Gestängeaufbau eingesetzt werden. Es ist keine Gebläseabdeckung, sondern nur die Möglichkeit der einseitigen Abschaltung der Düsen verpflichtend. Verpflichtend ist auch ein automatisch oder manuell rückspülendes Filtersystem, bei dem die Maschenweite der Filter nicht kleiner als 80 Mesh ist.

Spalier, Laubwandhöhe ab 2,3 Meter: Vorgeschrieben ist ein Gebläseaufbau mit einer vom Boden aus gemessenen Mindesthöhe von wenigstens 1,1 Metern. Zudem ist ein automatisch oder manuell rückspülendes Filtersystem, bei dem die Maschenweite der Filter nicht kleiner als 80 Mesh betragen darf, vorgeschrieben. Ebenso ist eine Abdeckung, Umleitung oder Abschaltung der Gebläseluft mindestens auf einer Seite des Sprühgerätes erforderlich. Die Düsenblöcke müssen beidseitig unabhängig voneinander geschlossen bzw. geöffnet werden können.

Ausnahme Raupengeräte: Raupengeräte sind von allen genannten Verpflichtungen vorerst bis 31. Dezember 2020 ausgenommen. 

Apfel oder Birne

Spritzungen mit Pflanzenschutzmitteln sind bei allen Erziehungsformen im Apfel- und Birnenanbau nur mit Geräten erlaubt, die auf allen Düsenpositionen mit luftansaugenden Injektor-Flachstrahldüsen mit einem Spritzwinkel von 80 bis 90 Grad ausgestattet sind. Die Sprühgeräte müssen zudem über folgende weitere Mindestausstattung verfügen:

  • Gebläseaufbau mit einer vom Boden aus gemessenen Mindesthöhe von 1,8 Metern; 
  • automatisch oder manuell rückspülendes Filtersystem mit einem Filter, dessen Maschenweite nicht kleiner als 80 Mesh ist;
  • Abdeckung, Umleitung oder Abschaltung der Gebläseluft wenigstens auf einer Seite des Sprühgerätes. Die Düsenblöcke müssen zudem beidseitig unabhängig voneinander geschlossen bzw. geöffnet werden können.

Einen Sonderfall stellen die Beet- bzw. Mehrreihenpflanzungen mit mindestens vier Reihen bzw. Bäumen zwischen den Fahrgassen und einer Mindestfläche von 2000 Quad­ratmetern dar. Die in solchen Anlagen verwendeten Geräte müssen in diesem Jahr nur zumindest an den obersten drei Düsenpositionen mit luftansaugenden Injektor-Flachstrahldüsen mit einem Spritzwinkel von 80 bis 90 Grad ausgestattet sein. Die anderen Düsenpositionen können bis Jahresende 2020 weiterhin mit Hohlkegeldüsen bestückt sein.

Kirsche 

Hinsichtlich der Düsenanforderung und Mindestausstattung gelten für den Kirsch­anbau dieselben Regeln wie für den Apfelanbau, aber mit einer Besonderheit: Bis zum Zeitpunkt der vollkommenen Schließung des Insektenschutznetzes und der Regenschutzfolie sind für alle Anbauweisen die luftansaugenden Injektor-Flachstrahldüsen mit einem Spritzwinkel von 80 bis 90 Grad zu verwenden. Danach können auch andere Düsenarten, wie die Hohlkegeldüsen verwendet werden.

Marille

Hinsichtlich der Düsenanforderung und Mindestausstattung gelten für den Marillenanbau, bei dem in Südtirol noch vielfach tief ansetzende Hohlkronen vorherrschen, ebenfalls dieselben Regeln wie für den Apfelanbau, aber mit folgender Abweichung: Es ist weder ein Gebläseaufbau noch eine Gebläseabdeckung verpflichtend, es muss nur die Möglichkeit der einseitigen Abschaltung der Düsen bzw. der Düsenblöcke vorhanden sein. Diese müssen beidseitig unabhängig voneinander geschlossen bzw. geöffnet werden können.

Pflaume (Zwetschge) und Kiwi

Hinsichtlich der Düsenanforderung und der Mindestausstattung gelten für den Pflaumen- bzw. Zwetschgenanbau dieselben Regeln wie für den Apfelanbau.

Bei der Düsenanforderung und Mindestausstattung für den Kiwianbau in Pergel­erziehung gelten dieselben Regeln wie für den Apfelanbau, mit folgender Abweichung: Es ist weder ein Gebläseaufbau noch eine Gebläseabdeckung verpflichtend, es muss nur die Möglichkeit der einseitigen Abschaltung der Düsen bzw. der Düsenblöcke bestehen. Diese müssen beidseitig unabhängig voneinander geschlossen bzw. geöffnet werden können.

Beerenobst

Unter Beerenobst versteht man hier alle als Strauchkulturen angebauten Raumkulturen. Das sind vor allem Himbeere, Johannisbeere, Heidelbeere, Brombeere und Stachelbeere.

Nicht davon betroffen ist die Erdbeere. Bis zum Zeitpunkt der vollkommenen Schließung des Insektenschutznetzes und der Regenschutzfolie müssen die luftansaugenden Injektor-Flachstrahldüsen mit einem Spritzwinkel von 80 bis 90 Grad verwendet werden. Danach können auch andere Düsenarten wie die Hohlkegeldüsen verwendet werden.

Laubwandhöhe bis zu 2,3 Meter: Es kann anstelle des Gebläseaufbaues bis zu einer Laubwandhöhe von 2,3 Metern ein fixer oder mobiler Gestängeaufbau verwendet werden. Es ist keine Gebläseabdeckung vorgeschrieben, allerdings muss nur die Möglichkeit der einseitigen Abschaltung der Düsen bestehen sowie ein automatisch oder manuell rückspülendes Filtersystem vorhanden sein, wobei die Maschenweite der Filter nicht kleiner als 80 Mesh sein darf.

Laubwandhöhe über 2,3 Meter: Vorgeschrieben ist ein Gebläseaufbau mit einer vom Boden aus gemessenen Mindesthöhe von
1,1 Metern und ein automatisch oder manuell rückspülendes Filtersystem mit einer Filtermaschenweite von nicht weniger als 80 Mesh. Ebenso verpflichtend ist eine Abdeckung, Umleitung oder Abschaltung der Gebläseluft mindestens auf einer Seite des Sprühgerätes. Die Düsenblöcke müssen beidseitig unabhängig voneinander geschlossen bzw. geöffnet werden können.

Bestätigung für Aufbau und Filter

Für alle bisher beschriebenen Kulturen und Anbauformen gilt, dass der Gebläseaufbau und das Filtersystem durch eine Bescheinigung seitens der Hersteller- oder Lieferfirma oder von autorisierten Werkstätten belegt sein muss. 

Diese Bescheinigung kann auch die für die Funktionskontrolle von Pflanzenschutzgeräten anerkannten Prüfstelle ausstellen. Von den bisher beschriebenen Verpflichtungen nicht betroffen sind:

  • Flachkulturen (Erdbeeren, Getreide, Gemüse- und/oder Ackerkulturen, Wiese usw.);
  • Vorschriften laut Etikett des verwendeten Pflanzenschutzmittels;
  • Raupengeräte zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau bis zum 31. Dezember 2020;
  • Tunnelsprühgeräte und Überreihensprühgeräte mit Auffangelementen;
  • Geräte zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ausschließlich mittels Schlauchzug (Spritzpistole);
  • Geräte zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ohne Düsenvorrichtung (z. B. Geräte zur Ausbringung von Stäubeschwefel).

Für Übertretungen der Vorschriften sind Sanktionen vorgesehen. Die Verpflichtung, luftansaugende Injektor-Flachstrahldüsen mit einem Spritzwinkel von 80 bis 90 Grad zu verwenden, gilt jedenfalls sofort, abgesehen von den wenigen beschriebenen Ausnahmen.

Nachweis für Vormerkung

Da die anderen geforderten technischen Anpassungen der Geräte möglicherweise Wartezeiten bei den Werkstätten zur Folge haben können und die Nachrüstung der Geräte nicht termingerecht erfolgen kann, sollen zunächst keine Verwaltungsstrafen bei Übertretungen verhängt werden. Im Zuge einer Kontrolle muss allerdings der schriftliche Nachweis erbracht werden, dass das Sprühgerät bei einem Hersteller oder bei einer autorisierten Werkstatt zur entsprechenden Nachrüstung vorgemerkt ist.

Neue Sprühgeräte

Alle erworbenen neuen Sprühgeräte müssen innerhalb der ersten zwölf Monate ab Erwerb einer Überprüfung zur Einstellung der Ausbringungsverteilung bei einer auf dem italienischen Staatsgebiet vorhandenen und amtlich ermächtigten Prüfstelle unterzogen werden. Weiters müssen ab 1. Jänner 2021 alle erworbenen neuen Sprühgeräte innerhalb der ersten zwölf Monate ab Erwerb einer Luftüberprüfung zur gleichmäßigen vertikalen Luftverteilung bei einer auf dem italienischen Staatsgebiet vorhandenen und amtlich ermächtigten Prüfstelle unterzogen werden. 

Sollte es zu Engpässen bei den Prüfstellen kommen, gilt auch hier, dass keine Verwaltungsstrafe verhängt wird, wenn im Zuge einer Kontrolle der schriftliche Nachweis erbracht wird, dass die entsprechende Überprüfung des Sprühgerätes bei einer amtlich ermächtigten Prüfstelle vorgemerkt ist.