Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 19.03.2020

Sanierungsberatung individuell

Seit Jahrhunderten prägen Bauernhöfe die Landschaft Südtirols. Mit einer neuen Initiative sollen bäuerliche Familien unterstützt werden, die ihre erhaltenswerten Bauernhöfe jetzt sanieren möchten, um darin zeitgemäß zu wohnen. von Heike Mayr

Ein erstes Beratungsgespräch findet am Hof statt, ein fakultativ zweites im SBB-Bezirksbüro.

Ein erstes Beratungsgespräch findet am Hof statt, ein fakultativ zweites im SBB-Bezirksbüro.

Wer ein altes Bauernhaus besitzt, kennt die Situation: Es ist zwar charakteristisch und von besonderem Charme, doch es lässt sich kaum noch zeitgemäß und komfortabel darin wohnen. Häufig stellt sich dann die Frage: Sanieren oder abreißen und neu bauen? 

Ein neues Haus ist einigermaßen schnell geplant und gebaut. Aber mit jedem Abriss geht das Prägende, das alte, erhaltenswerte Bauernhäuser haben, verloren. Und zwar unwiederbringlich! 

Dabei können historisch wertvolle Bauernhöfe kostengünstig zeitgemäß saniert werden. Manchmal haben Bauern sogar schon konkrete Ideen für die Sanierung, wissen aber nicht so recht, wie sie den Umbau angehen sollen. 

Eine neue Initiative, die Bauernhaus-­Sanierungsberatung, unterstützt nun bäuerliche Familien, die ihr altes Wohnhaus erhalten und sanieren möchten. Die Initiative wird von der Architekturstiftung Südtirol, dem Südtiroler Bauernbund, dem Landesressort für Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege, IDM Südtirol und der Stiftung Südtiroler Sparkasse getragen.

Beratung vor Ort

An der Bauernhaus-Sanierungsberatung interessierte Bäuerinnen und Bauern können sich an den Südtiroler Bauernbund wenden und sich für ein erstes Beratungsgespräch anmelden. Eine Architektin/ein Architekt wird dann zu ihnen auf den Hof kommen. Es gelten folgende Kriterien:

  • Das landwirtschaftliche Wohnhaus muss sich in Südtirol befinden und mindestens 100 Jahre alt sein.
  • Das Wohngebäude gehört zu einem landwirtschaftlichen Betrieb, der bewirtschaftet wird.
  • Das Gebäude ist in ein bäuerliches Ensemble bzw. in einen stimmigen landschaftlichen und historischen Kontext eingebettet.
  • Die Eigentümerin/der Eigentümer des Gebäudes muss die konkrete Absicht haben, das Gebäude für sich zu sanieren.
  • Bei der Auswahl werden unterschiedliche Hofsituationen berücksichtigt, um die
  • Vielfalt der ländlichen Bautradition aufzuzeigen.

Die zuständige Mitarbeiterin im Südtiroler Bauernbund wird bei der Anmeldung weitere wichtige Informationen abfragen. Außerdem sind einige Dokumente einzureichen. Dies alles ist notwendig, damit sich die Architektin/der Architekt bestmöglich vorbereiten kann, bevor sie/er zum ersten Beratungsgespräch auf den Hof kommt.

Falls das betreffende Gebäude unter Denkmalschutz steht, wird nach Möglichkeit auch eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter der Abteilung Denkmalpflege mit dabei sein. Im Anschluss an diesen ersten Lokalaugenschein am Hof und nach einem ersten Beratungsgespräch wird die Architektin/der Architekt innerhalb von einer Woche ein Protokoll mit konzeptio­nellen Überlegungen anfertigen, das den Interessierten dann zugeschickt wird. Für diese Erstberatung sind von der Bäuerin/dem Bauern 30 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zu bezahlen.

Auswahl Planer und Finanzierungsplan

Die Eigentümer des Bauernhauses können sich nach diesem ersten Beratungsgespräch eine Planerin/einen Planer ihrer Wahl aussuchen, die/der ihnen ein Vorprojekt und eine Kostenschätzung für die Sanierung erstellt. Mit diesen Unterlagen wendet man sich wiederum an den Südtiroler Bauernbund, wo ein Finanzierungsplan angefertigt wird. Dafür ist ein Unkostenbeitrag von 50 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zu bezahlen.

Abschließendes Beratungsgespräch

Als letzten Schritt der Bauernhaus-Sanierungsberatung ist, sofern gewünscht, ein zweites Beratungsgespräch im Bauernbund-Bezirk vorgesehen. Dabei schauen sich die Bauherren, die Planer, die beratenden Architekten und eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter des technischen Büros im Südtiroler Bauernbund die verschiedenen Aspekte des Sanierungsprojektes noch ein letztes Mal an, bevor das Einreichprojekt erstellt wird. Fallweise wird auch wieder ein Mitarbeiter der Abteilung Denk­malpflege und bei Bedarf ein Energieberater von Eurac Research bei diesem abschließenden Beratungsgespräch eingebunden werden.

Es steht zwar jeder Bäuerin und jedem Bauern frei, auch nur das erste Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen. Ein zweites Beratungsgespräch kann aber die Qualität des Projektes nochmals verbessern und macht deshalb auf jeden Fall Sinn. 

Den Großteil der Kosten, die die Honorare der Architekten und die Erstellung des Finanzierungsplanes betreffen, werden von der Stiftung Südtiroler Sparkasse getragen. 

Berater-Architekten

Die Architekten, die die Beratungsgespräche durchführen, sind in einem eigenen Bewerbungsverfahren von der Architektenkammer der Provinz Bozen, der Architekturstiftung Südtirol und des Südtiroler Bauernbundes gemeinsam ausgewählt worden. Es stehen insgesamt zwölf Architektinnen und Architekten zur Verfügung, wobei je sechs im Frühjahr und sechs weitere im Herbst Beratungsgespräche anbieten. Die Architekten können maximal drei Bauern beraten. Außerdem sind sie einem Bauernbund-Bezirk zugeordnet. 

Architekten

Anmeldung: Ab sofort!

Die Anmeldung für die Bauernhaus-Sanierungsberatung im Frühjahr kann per E-Mail heike.mayr@sbb.it oder telefonisch unter 0471 999375 ab sofort bis Freitag, 17. April, erfolgen. Die Beratung am Hof findet in der Woche von 18. bis 22. Mai statt. Der genaue Termin wird zwischen den Beteiligten vereinbart und vom Bauernbund koordiniert. 

Die Anmeldung für die Bauernhaus-Sanierungsberatung im Herbst erfolgt zwischen
7. August und 4. September 2020. 

Die Bauernhaus-Sanierungsberatung ist eine Initiative, die auf das Projekt Bauern-[h]auszeichnung „Ideenwerkstatt Planen“ folgt. Die neue Initiative wurde auf Wunsch der Stiftung Südtiroler Sparkasse von der Architekturstiftung Südtirol, der Kammer der Architekten und dem Südtiroler Bauernbund entwickelt. „Ich freue mich, dass wir mit diesem neuen Projekt nun starten können“, sagt Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler. „Die Bäuerinnen und Bauern erhalten damit eine einmalige Gelegenheit, sehr kostengünstig von Architekten und weiteren Bauexperten beraten zu werden. Ich hoffe, dass möglichst viele Besitzer von erhaltenswerten landwirtschaftlichen Wohnhäusern auf dieses Angebot aufmerksam werden und es auch in Anspruch nehmen!