Innovation | 02.04.2020

Bier – zu 100 Prozent aus Afing

Am Guggenbergerhof in Afing braut man Bier – ganz aus hofeigenen Rohstoffen. Wie Kathrin Stuefer und ihr Mann Matthias auf diese Idee gekommen sind, ist eine längere Geschichte. Spannend ist, wohin die beiden mit ihrer Bieridee wollen. von Anna Pfeifer

Hopfen und Getreide aus Afing sind die Rohstoffe für das Bier vom Guggenbergerhof.

Hopfen und Getreide aus Afing sind die Rohstoffe für das Bier vom Guggenbergerhof.

Zirbelbier, Himbeerbier und Kastanienbier sind nur einige der ausgefallenen Kreationen von Kathrin Stuefer und ihrem Mann Matthias Volgger vom Guggenbergerhof in Afing. Bereits über 20 Biersorten haben die beiden selbst gebraut – und das recht erfolgreich, wie Matthias Volgger erklärt. Er ist diplomierter Biersommelier und hat vor rund drei Jahren seine Leidenschaft für das Bierbrauen entdeckt. Neben den Kreativbieren brauen er und seine Frau auch klassische Biere wie dunkles und helles Lagerbier oder Pale Ale. Mit diesen Klassikern wollen sie im Juni in dem Verkauf starten, aktuell gibt es das Bier vom Guggen­bergerhof noch nicht im Handel. 

Alles vom Hof

Kathrin Stuefer erklärt: „Wir hatten uns nicht erwartet, dass der Weg von der ersten Idee bis zum verkaufsfertigen Bier so lang sein könnte. Vor allem die Bürokratie hat uns immer wieder eingebremst. Aber jetzt sind wir kurz davor, unseren Traum zu verwirklichen!“ Für beide war von Anfang an klar, dass sie alles daransetzen würden, die Rohstoffe für das Bier selbst anzubauen. Und so kommt es auch, dass am Guggenbergerhof Getreide wie Gerste, Weizen und Roggen sowie Hopfen geerntet werden. Der Guggenbergerhof liegt an einem sonnigen Südosthang in Afing auf knapp 960 Meter Meereshöhe. In den sandig-lehmigen Böden gedeihen die Rohstoffe für das Bier prächtig, auch das weiche Wasser aus der hofeigenen Quelle kommt den Bierbrauern zugute: Es könne für alle Biersorten genutzt werden und verleihe dem Bier einen besonderen Geschmack, weiß der junge Bierbrauer Matthias Volgger. 

Flächen sind steil und knapp

Bis vor 15 Jahren wurde am Guggenbergerhof noch Milchvieh gehalten. Aus gesundheitlichen Gründen entschied sich Kathrins Vater Hans Stuefer dann, auf Jungvieh umzustellen. Die Idee, Bier zu brauen, kam schließlich von Schwiegersohn Matthias Volgger: Oberhalb des Hofes entdeckte er eine wilde Hopfenpflanze. „Wir dachten, man könne aus dem wilden Hopfen einfach so Bier brauen“, sagt er und lacht, „damals hatten wir noch keine Ahnung. Heute wissen wir, welche Hopfenarten sich zum Bierbrauen eignen.“

Hans Stuefer unterstützt Tochter und Schwiegersohn bei ihrem Vorhaben tatkräftig. Er kümmert sich vor allem um die Landwirtschaft, wie den Anbau des Getreides. Er ist aber nicht nur der Bauer, sondern auch der Tüftler in der Familie, der zum Beispiel das Gerüst für die Hopfenanlage gebaut hat – keine leichte Aufgabe in dem steilen Gelände am Hof. Bei der Getreideernte ist viel Handarbeit gefragt, denn Maschinen können nicht eingesetzt werden. So kommt es auch, dass  Familie und Freunde bei der Ernte mit anpacken. Kathrin und ihr Mann sind zudem auf der Suche nach weniger steilen Pachtflächen in der Umgebung, um genügend Getreide für die Bierproduktion anbauen zu können. 

Hotellerie, Gastronomie und Direktvermarktung

Einige Rückschläge habe es bei den Brauversuchen schon gegeben, erklärt Kathrin Stuefer, aber ans Aufgeben hätte sie noch nie gedacht. Besonders der Zuspruch von Freunden und Bekannten, die das Bier probiert haben, lässt die beiden weitermachen. Schließlich belegten die Biere beim Homebrewer-Contest der Bozner BeerCraft 2019 in drei Kategorien jeweils den dritten Platz – eine Bestätigung für die Qualität der Produkte vom Guggenbergerhof. Das Bier wird ab diesem Sommer über die Hotellerie und Gastronomie in der Umgebung von Afing vertrieben. Aber auch ein kleiner Hofladen soll am Hof entstehen, damit die Kunden das Bier direkt kaufen können. Zudem planen Kathrin und Matthias Verkostungen und Erlebnistage mit ihren künftigen Kunden, um ihnen mehr als nur den reinen Biergenuss zu bieten. 

Keine halben Sachen

Auf ihrem Weg zur eigenen Bierbrauerei mit ausschließlich hofeigenen Produkten wurden Kathrin Stuefer und Matthias Volgger von der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie im Rahmen des ELR-OG-Projekts INNOBier begleitet. Der BRING beriet die Pioniere beim Anbau des Getreides, und das Versuchszentrum Laimburg machte die Analysen, um die Brautauglichkeit des Getreides zu testen. Auch Dr. August Gresser kam am Hof zur Vor-Ort-Beratung vorbei. 

Den Großteil des Wissens mussten sich die beiden aber selber erarbeiten: Das bedeutete langes Tüfteln und Testen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren. Denn: „Halbe Sachen gibt es bei uns nicht."