Innovation | 02.04.2020

Braugerste: Versuchsergebnisse 2019

Das Versuchszentrum Laimburg prüft seit vier Jahren Braugerstensorten auf ihre Anbaueignung in Südtirol. Für Braugerste gelten besondere Qualitätskriterien, deren Ausprägung von Jahr zu Jahr stark schwanken kann. von Manuel Pramsohler, Alessia Castellan, Daniel Ortler, Versuchszentrum Laimburg

Als Braugerste wird vor allem zweizeilige  Sommergerste angebaut. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Als Braugerste wird vor allem zweizeilige Sommergerste angebaut. Foto: Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg macht seit 2016 Sortenversuche mit Braugerste. Geprüft werden aktuell zehn Sorten am Standort Dietenheim auf 890 Meter Meereshöhe. Die Aussaat erfolgte dort 2019 am 2. April mit einer Saatstärke von 320 Körnern pro Qua-dratmeter. Das Feld war im Herbst zuvor gepflügt und kurz vor der Aussaat mit einer Kreiselegge vorbereitet worden. Vorfrucht war Kartoffel. Geerntet wurde am 5. August mit dem Parzellenmähdrescher. 

Das Braugerstenjahr 2019

Die Ergebnisse 2019 zeigen deutliche Ertragsunterschiede zwischen den Sorten. Der mittlere Ertrag lag bei 9,2 Tonnen pro Hektar – der mit Abstand höchste Ertrag der letzten vier Jahre. Allerdings fallen Erträge in Kleinparzellen im Schnitt um 20 Prozent höher aus als im Feldanbau. 

Für Braugerste gelten bestimmte Qualitätsanforderungen: Wichtig sind Keimfähigkeit, Vollgerstenanteil und Proteingehalt. Entscheidend ist die Keimfähigkeit, denn nur Braugerste, die keimt, kann zu Malz verarbeitet werden. Die Keimfähigkeit sollte daher bei mindestens 90 Prozent liegen. Der Vollgerstenanteil ist ein Maß für die Größensortierung der Körner. Mindestens 90 Prozent der Körner sollten einen Durchmesser von über 2,5 Millimeter haben. Große Körner beinhalten verhältnismäßig mehr Stärke, was eine hohe Ausbeute während des Brauvorgangs sicherstellt. Der Proteingehalt im Korn sollte idealerweise zwischen 9,5 und 11,5 Prozent liegen. Er beeinflusst die Ausbeute an Stärke im Malz und die Verarbeitungseigenschaften im Bier. 

Bei den Qualitätsparametern Keimfähigkeit und Vollgerstenanteil wurden 2019 sehr hohe Werte erzielt, die Qualitätskriterien also bei allen Sorten erfüllt. Beim Proteingehalt lagen alle Sorten über dem maximal gewünschten Wert von 11,5 Prozent, es traten aber deutliche Sortenunterschiede auf. Zum Teil wurde der Wert nur leicht überschritten, zum Teil lag der Proteingehalt deutlich höher. 

Wie kann man Qualität steuern?

Beim Anbau von Braugerste besteht ein hohes Produktionsrisiko. Die Anteile an Braugerste, die den Qualitätsanforderungen entsprechen, können von Jahr zu Jahr stark schwanken. Neben der Sortenwahl spielen Witterungsverlauf und Anbaubedingungen eine große Rolle für das Erreichen dieser Parameter. Daher müssen die Bedingungen bei Anbau und Ernte möglichst ideal sein.

Für eine hohe Keimfähigkeit sind neben dem optimalen Erntezeitpunkt die Bedingungen bei Drusch und Lagerung entscheidend. Durch schonendes Dreschen sollten die Körner nicht beschädigt werden. Falls eine Nachtrocknung des Erntegutes erforderlich ist, sollte die Temperatur bei der Trocknung 35 °C nicht überschreiten, um Keimschäden zu vermeiden. Bei einer Feuchte von  weniger als 14 Prozent kann die Gerste bis zur Vermälzung stabil gelagert werden.

Für das Erreichen eines hohen Vollgerstenanteils spielen Sortenwahl und Witterungsverlauf eine große Rolle. Die Aussaat mit einer korrekten Saatdichte von 300 bis 400 keimfähigen Körnern pro Quadratmeter kann zu einem hohen Vollgerstenanteil beitragen. 

Beim Proteingehalt spielen die Standortbedingungen eine wichtige Rolle. Braugerste stellt mittlere Ansprüche an den Nährstoffgehalt im Boden. Eine gezielte Düngung sichert die Erträge, durch zu viel Stickstoff im Boden steigt aber der Proteingehalt im Korn. Es gilt daher, angepasst zu düngen und auf die Vorfrucht zu achten. Kulturen, die viel Stickstoff im Boden hinterlassen, sind als Vorfrucht nicht geeignet. 

Die Versuchsarbeit des Versuchszentrums Laimburg wurde durch den EU-Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums im Rahmen des Projekts OG INNOBier mitfinanziert. Wer Interesse an Informationen zum Projekt INNOBier hat, kann sich bei der Abteilung für Innovation & Energie unter Tel. 0471 999363 oder per ­E-Mail: innovation-energie@sbb.it melden. Mehr Informationen finden Sie auch unter http://bit.ly/sbb-bier.