Produktion, Wirtschaft | 02.04.2020

Fonds soll Einkommen absichern

Ein eigener Fonds soll in Zukunft das Einkommen in der Apfelwirtschaft in Südtirol stabilisieren. Der Fonds wird drastische Einkommensverluste vergüten, die auf eine Krise bei der Vermarktung zurückzuführen sind.

Der neue Mutualitätsfonds in der Apfelwirtschaft soll Vermarktungskrisen ausgleichen. Ernteausfälle werden nicht kompensiert.

Der neue Mutualitätsfonds in der Apfelwirtschaft soll Vermarktungskrisen ausgleichen. Ernteausfälle werden nicht kompensiert.

Das Hagelschutzkonsortium hat im Jahr 2019 intensiv an der Entwicklung eines sektoralen Mutualitätsfonds (IST) gearbeitet. Dieser trägt zur Stabilisierung des Einkommens der genossenschaftlich organisierten Landwirtschaftsbetriebe in Südtirol bei. Die Entwicklung wurde in enger Zusammenarbeit mit den beiden Erzeugerorganisationen Vi.P und VOG, der Landesabteilung Landwirtschaft sowie der Universität Padua vorangetrieben. 

Es ist ein Fonds, der das Einkommen der einzelnen Landwirte auch in Zeiten der Krise und des zunehmenden Konkurrenzkampfs am Markt stabilisieren soll. Ziel des Fonds ist es also, drastische Einkommensausfälle in Zusammenhang mit stagnierenden Verkaufspreisen aufgrund einer Krise in der Vermarktung der Äpfel zu kompensieren. Leo Tiefenthaler, Bauernbund-Landesobmann, erklärt: „Dieser Fonds basiert auf Gegenseitigkeit und funktioniert nur, wenn ein Großteil der Landwirte bereit ist mitzumachen.“ 

Freiwilliger Beitritt

Vergütet werden drastische Einkommensverluste des laufenden Jahres im Vergleich zu den durchschnittlichen Einkommen aus der Vermarktung von Äpfeln der letzten fünf Jahre. Dem Fonds können alle landwirtschaftlichen Betriebe beitreten, welche ihre ge­samte Produktion an Äpfeln über eine Genossenschaft vermarkten und Mitglied des Hagel­schutzkonsortiums sind. Der Beitritt zum Fonds ist freiwillig, und die Mitgliedschaft ist für mindestens drei Jahre verpflichtend. Innerhalb dieser drei Jahre muss auch der ­Deckungsbeitrag zur jährlichen Absicherung entrichtet werden. 

Die finanzielle Ausstattung des Fonds wird durch die Mitgliedsbeiträge und die jährlichen Deckungsbeiträge eines jeden einzelnen Mitgliedsbetriebes gebildet. Der Deckungsbeitrag richtet sich nach dem Risiko, welches der Fonds zu tragen hat. Der Vorteil hierbei ist, dass der einzelne Landwirt lediglich 30 Prozent des festgelegten Deckungsbeitrages an den Fonds leisten muss. Die restlichen 70 Prozent werden mit EU-Fördermitteln aus dem natio­nalen Entwicklungsprogramm für die Landwirtschaft direkt an den Fonds gezahlt. Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler ergänzt: „Ohne diese Fördermittel wäre ein solcher Fonds für die Apfelwirtschaft in Südtirol kaum denkbar. Ich appelliere deshalb an die Landwirte, diese Möglichkeit voll auszuschöpfen und dem Fonds beizutreten.“ 

Laut Studien der Universität Padua, welche anhand der Auszahlungsdaten zweier Südtiroler Obstgenossenschaften die Machbarkeit des Fonds geprüft hat, soll der Deckungsbeitrag (30 Prozent zulasten des Landwirtes) zwischen 0,71 Euro und 0,90 Euro pro 100 Kilo­gramm Äpfel liegen. Dies ist notwendig, damit der Fonds zukünftige Einkommensverluste vernünftig ausgleichen kann und die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestauszahlung von 20 Prozent des festgestellten Ausfalles auch im extremsten Fall noch garantieren kann. Die vom Gesetzgeber erlaubte Höchstauszahlung beträgt 70 Prozent des festgestellten Verlustes. Die Analyse der Universität Padua hat zudem auch deutlich gemacht, dass ein solcher Fonds in den vergangenen zehn Jahren bereits drei- bis viermal an mehr als 70 Prozent der analysierten Genossenschaftsmitglieder eine Schadensauszahlung von durchschnittlich zwei bis acht Cent je Kilogramm Äpfel ermöglicht hätte. 

Letzte fünf Jahre als Vergleich

Die Berechnung des Einkommensrückgangs und die Schadensliquidierung erfolgt immer anhand der Daten des einzelnen Landwirtes: Dabei werden rein die Einkommensdaten aus der Apfelproduktion herangezogen. Der Verlust ergibt sich aus dem Vergleich des aktuellen Einkommens mit dem durchschnittlichen Einkommen desselben Betriebes der vergangenen fünf Jahre. Für die Erhebung der Kosten wird ein statistischer Parameter eingesetzt, sofern der einzelne betroffene Betrieb nicht bilanzpflichtig ist.

Generell entschädigt der Fonds, sofern ein drastischer Einkommensrückgang vorliegt (laut Art. 39-bis, Absatz 1, der EU-Verordnung 1305/2013 sowie laut EU-Verordnung 2393/2017) und dieser durch den sogenannten Trigger-Event bestätigt wird. Dieser Trigger wird im Normalfall vom Landwirtschaftsministerium (ISMEA) aufgrund Marktanalysen errechnet, kann aber auch unter gewissen Umständen vom Verwaltungsrat des Fonds auf lokaler Ebene festgelegt und errechnet werden.
In jedem Fall muss der Trigger eine generelle wirtschaftlich negative Veränderung des Einkommens der Landwirte im Vergleich zum Durchschnitt der letzten drei Jahre von mindestens 15 Prozent anzeigen. Gründe dafür können stagnierende Verkaufspreise der angelieferten Äpfel oder ein Anstieg der Produktionskosten sein. Erst wenn der Trigger diesen nennenswerten Verlust anzeigt, ist eine Schadenskompensierung – berechnet auf die Situation des einzelnen Landwirtes – möglich. Wie bei der Ernteausfallversicherung muss auch hier im Einzelnen die Mindestschadensschwelle von 20 Prozent erreicht werden.

Keine Entschädigung bei Ernteausfällen

Weiters hat der Fonds auch das Ziel, die Produktion an Qualitätsware zu fördern. Deshalb zahlt der Fonds keine Entschädigungen für Einkommensverluste, welche durch wirtschaftliche Fehlentscheidungen, mangelnden Einsatz oder Fehlverhalten von landwirtschaftlichen Betrieben und Genossenschaften entstanden sind. Zudem darf der Fonds laut den gesetzlichen Vorgaben keine Einkommensverluste aufgrund von Ertragsausfällen durch Hagel, Frost und andere klimatische Ereignisse sowie durch phytopathologische Phänomene zahlen.
Aus diesem Grund ist der Abschluss der Ernteausfall-Versicherung weiterhin notwendig und zu empfehlen. Um diese Faktoren ausschließen zu können, wurde deshalb in der Berechnung der Schadenskompensierung das sogenannte „Qualitätslimit“ eingeführt. Der Fonds zahlt somit keine Ausfälle, die größer als der Ausfall auf Genossenschaftsebene plus 20 Prozent sind. Das bedeutet: Beträgt der Einkommensrückgang auf Genossenschaftsebene z. B. 21 Prozent im Vergleich zum historischen Mittel, so wird das Qualitätslimit um 20 Prozent ergänzt. Dies ergibt ein Qualitätslimit von 41 Prozent möglichem Ausfall. 

Hat der Landwirt dann einen Einkommensrückgang von 35 Prozent, bekommt er 35 Prozent abzüglich des Selbstbehalts und unter Berücksichtigung der Höchstauszahlung ausbezahlt. Hat der Landwirt hingegen einen Ausfall von 50 Prozent, weil er vielleicht notwendige Spritzungen nicht gemacht hat oder vielleicht einen nicht versicherten Ausfall durch Hagel oder Frost hatte, erhält er maximal 41 Prozent abzüglich des Selbstbehalts und unter Berücksichtigung der Höchstauszahlung.
Aufgrund der Datenanalyse mit der Universität Padua sollte ein Betrieb, welcher die gute landwirtschaftliche Praxis einhält und ein korrektes Risikomanagement am Betrieb durchführt, kaum Prob­leme mit dem vorgesehenen Qualitätslimit haben. Der Obmann vom Hagelschutzkonsortium, Stefan Klotzner, erklärt: „Sobald Versammlungen wieder möglich sind, werden wir als Hagelschutzkonsortium zusammen mit den Erzeugerorganisationen auch entsprechende Informationsveranstaltungen organisieren.“


Infos auch im Internet

Weitere nützliche, detailliertere Infos  können auf der Internetseite des Hagelschutzkonsortiums unter der Adresse www.hagelschutzkonsortium.com eingesehen werden. Interessierte Landwirte können sich in der Zwischenzeit gerne an das Hagelschutzkonsortium wenden: (E-Mail: info@hagelschutzkonsortium.com; Direktor Manfred Pechlaner: Tel. 340 4775070)