Marketing, Südtiroler Landwirt | 16.04.2020

UaB: Neue Regeln sind jetzt fix

Kürzlich haben der Südtiroler Landtag mit dem sogenannten Omnibusgesetz sowie die Landesregierung mit einem eigenen Beschluss die Voraussetzungen für Urlaub auf dem Bauernhof (UaB) neu geregelt. Hier die Änderungen im Detail. von Walter Rier

Erlaubt ist Urlaub auf dem Bauernhof in Zukunft nur noch in Gebäuden an der eigenen Hofstelle. Foto: Frieder Blickle

Erlaubt ist Urlaub auf dem Bauernhof in Zukunft nur noch in Gebäuden an der eigenen Hofstelle. Foto: Frieder Blickle

Im sogenannten Omnibusgesetz werden Lebenspartner den mitarbeitenden Familienmitgliedern gleichgestellt. Somit kann beispielsweise auch die Lebenspartnerin des Bauern in Zukunft die Ausbildung absolvieren und als Voraussetzung für die Ausübung der Tätigkeit bei der Tätigkeitsbeginnmeldung oder bei den Förderansuchen geltend machen. 

Außerdem wird festgelegt, dass die Tätigkeit UaB in Zukunft nur mehr in Gebäuden an der Hofstelle ausgeübt werden kann. Das betrifft all jene, die eine Tätigkeit in Häusern oder Wohnungen ausüben, die sich nicht an der Hofstelle befinden. Davon ausgenommen sind nur jene Betriebe, die bereits vor 2008 eine Tätigkeit „Beherbergung auf Almen“ regulär angeboten haben. Dafür ist die entsprechende Eintragung im ehemaligen Landesverzeichnis „Urlaub auf dem Bauernhof“ ausschlaggebend. Die Beherbergung von Gästen im Rahmen von UaB ist mit einer gewerblichen Beherbergungstätigkeit (z. B. Pension, Residence, Hotel) nicht mehr vereinbar. 

Zwei Jahre Zeit zum Anpassen

Für jene Betriebe, die ihre Tätigkeit nicht an der Hofstelle ausüben bzw. die auch einen gastgewerblichen Betrieb führen, müssen sich innerhalb von zwei Jahren, also spätestens bis zum 3. April 2022, an die neuen Bestimmungen anpassen. 

Falls dies nicht erfolgt oder erfolgen kann, kann die Tätigkeit im Rahmen der Privatzimmervermietung weitergeführt werden. 

Umgang mit verschiedenen Zweckbindungen noch zu klären

Allerdings wird hier die Politik noch Antworten bezüglich des Umgangs mit verschiedenen Zweckbindungen geben müssen. Es kann nämlich sein, dass sowohl für den UaB-Betrieb als auch für den eventuellen gastgewerblichen Betrieb Zweckbindungen im Sinne der Raumordnung oder auch aufgrund genossener Förderungen vorhanden sind, die eine Lizenzänderung erschweren oder gar ausschließen können. 

Neuer Beschluss für Mindestvoraussetzungen

Am 31. März hat die Landesregierung auch die neuen Mindestanforderungen für den Landwirtschaftsbetrieb als Voraussetzung für UaB beschlossen. 

Gleich geblieben sind die Mindestflächen: Es braucht grundsätzlich mindestens 0,5 Hektar Obst- oder Weinfläche oder einen Hektar Wiesen, Ackerfutterbauflächen oder Sonderkulturen, um UaB ausüben zu können. Bei den Sonderkulturen (z. B. Gemüseanbau) hat es eine Änderung gegeben: Es reichen in Zukunft nicht mehr 0,5 Hektar Gemüse- oder Kräuteranbau als Mindestvoraussetzung für UaB, sondern es ist ein Hektar notwendig. Die Flächen können auch angepachtet sein, dafür ist ein mindestens zehnjähriger Pachtvertrag notwendig. 

Neuerungen bei Art des Viehbesatzes

Der Mindestviehbesatz wurde von 0,4 auf 0,5 Großvieheinheiten (GVE) erhöht, wobei reine Viehwirtschaftsbetriebe in Zukunft mindestens 1,5 GVE halten müssen. Die wohl einschneidendste Neuerung ist, dass dieser Viehbesatz aus Rindern, Schafen oder Ziegen bestehen muss. Schweine und Hühner können bis maximal 0,3 GVE berücksichtigt werden. Das heißt konkret, dass sich reine Geflügelhaltungsbetriebe oder reine Schweinemastbetriebe in Zukunft auch Rinder, Schafe oder Ziegen anschaffen müssen, sofern sie weiter UaB ausüben wollen.
Davon ausgenommen sind nur Betriebe, die im Rahmen von UaB-Freizeitveranstaltungen oder gewerblich Reittätigkeiten anbieten, sofern mindestens fünf Pferde oder Ponys gehalten werden. Die Tätigkeit muss offiziell angemeldet sein. Die Tierhaltung muss in allen Fällen an der eigenen Hofstelle erfolgen. Anpassen müssen sich also all jene Betriebe, die ausschließlich Lamas, Alpakas, Kamele u. Ä. halten, bzw. auch jene mit ausschließlich Pferde-, Pony- oder Eselhaltung ohne Reitbetrieb. Auch hier ist eine Anpassungsfrist von zwei Jahren vorgesehen. 

Gleich geblieben sind hingegen zum einen die Bestimmungen, dass bis zu zehn Betten nur die Mindestvoraussetzungen erfüllt werden müssen sowie zum anderen die Schwellenwerte, mit denen das Vorwiegen der Landwirtschaft gegenüber UaB berechnet wird. 

Jetzt Voraussetzungen prüfen

Betroffene UaB-Betriebe sollten also jetzt überprüfen, ob die Voraussetzungen für den Urlaub auf dem Bauernhof einwandfrei gegeben sind. Andernfalls sollte man frühzeitig überprüfen, ob die Voraussetzungen durch einen Ausbau der landwirtschaftlichen Tätigkeit, eventuell durch zusätzliche Haltung von Rindern, Schafen oder Ziegen möglich ist. 

Weitere Informationen gibt es für alle Mitglieder bei den Sachbearbeitern für Zu- und Nebenerwerb im jeweils zuständigen Bauernbund-Bezirksbüro.